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Hassels
Am Schönenkamp wird Tempo 30-Zone

Hassels. In einem Pilotprojekt soll an vielbefahrenen Straßen vor Schulen, Kitas und Altersheimen das Tempo gesenkt werden. Eine dreimonatige Testphase wird zeigen, ob das Tempolimit Zukunft hat. Von Sven-André Dreyer

Kommunen dürfen auf Hauptverkehrsstraßen nur dann das Tempo der motorisierten Verkehrsteilnehmer auf höchstens 30 Kilometer pro Stunde drosseln, wenn sie nachweisen können, dass sich an besonderen Stellen der Straße Unfallschwerpunkte befinden. Können außergewöhnliche Gefahren nicht oder nur bedingt belegt werden, so erlaubt die kürzlich vom Bund geänderte Straßenverkehrsordnung mittlerweile dennoch, erstmals eigenständig das Limit zu senken.

Diesen Umstand nutzten Verkehrsexperten der Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP, um im am Mittwoch tagenden Verkehrsausschuss ein kontroverses Thema vorzubringen: Um mehr Verkehrssicherheit zu schaffen, wollen sie an drei Gefahrenstellen in der Stadt ein Tempolimit einführen. Eine dreimonatige Testphase soll dann entscheiden, ob das Projekt weiter verfolgt wird. Vorgeschlagen wurden neben der Lindenstraße im Zooviertel - hier befinden sich das Goethe-Gymnasium sowie die Paulus-Schule - und der Prinz-Georg-Straße in Pempelfort mit der betroffenen Matthias-Claudius-Grundschule auch die Straße Am Schönenkamp (wir berichteten gestern).

Weil sich dort neben einem Jugendheim auch ein Seniorenheim sowie eine Kita befinden, sei, so die Politiker, der Bereich zwischen Hausnummer 141 und 176 besonders sensibel. Das sieht auch Virginia Titz, Leiterin der Kindertagesstätte Sankt Antonius, so: "Ein Tempolimit würde die Sicherheit für die Kinder deutlich erhöhen", sagt die 59-Jährige. "Gerade Autofahrer, die die Straße in Richtung Norden befahren, übersehen häufig die rote Ampel in Höhe der Hasselsstraße."

Davon betroffen sind auch die Schüler der Hermann-Gmeiner-Schule an der Schillstraße, die, um die Grundschule zu erreichen, den Gefahrenschwerpunkt Am Schönenkamp überqueren müssen. Hinzu komme, dass gerade Kinder die Geschwindigkeit von herannahenden Autos nicht richtig einschätzen könnten, erklärt Titz.

Auch Gertrud Dietrich (81) und Elena Ulshteyn (39), die im Blumengeschäft Am Schönenkamp 148, und damit unmittelbar an dem für das Tempolimit vorgesehenen Abschnitt arbeiten, bestätigen diese Beobachtungen: "Sehr häufig kommt es hier zu extrem gefährlichen Situationen", schildert Ulshteyn, selbst Mutter einer Tochter. Sie würde sich neben einem Tempolimit auch eine ausgedehnte Überwachung der Geschwindigkeit wünschen.

Auf die überdies komplizierte Verkehrsführung auch Anwohner Friedrich Barths (68) aufmerksam. Häufig beobachtet er Autofahrer, die, aus südlicher Richtung kommend, die Hasselsstraße entgegen der Einbahnregelung nutzen. Nicht selten geschehe dies aufgrund von Unachtsamkeit und deutlich überhöhter Geschwindigkeit, so der Rentner weiter.

Dennoch, das Vorhaben der Politiker stieß im Verkehrsausschuss auf geteiltes Echo: Verkehrsdezernent Stephan Keller wies darauf hin, dass die neue Straßenverkehrsordnung noch nicht in Kraft getreten sei und bat daher darum, die Umsetzung aufzuschieben. Er äußerte Zweifel, ob das Vorgehen an den ausgesuchten Stellen ohne Unfallschwerpunkt richtig sei. Die Rheinbahn wiederum sorgt sich, dass Busse aufgehalten werden und deshalb die Zeitfenster an Ampeln nicht schaffen.

CDU-Bezirksbürgermeister Karl-Heinz Graf (68), hingegen bewertet das Projekt positiv: "Gerade an Stellen, an denen sich Kindertagesstätten, Schulen und Altersheime befinden, ist ein Tempolimit angebracht", erklärt Graf, der bereits zahlreiche Tempo-30-Zonen befürwortet hat. Entscheidend sei dann jedoch auch, die gefahrene Geschwindigkeit zu kontrollieren. Wann das Projekt startet, ist unklar.

Quelle: RP
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