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Hassels
Anne Wesendonk schreibt jetzt auch

Hassels. Der Erstling der Kabarettistin heißt "Mem Zoch noh China". Er erzählt über die Reise mit der Transsibrischen Eisenbahn. Von Beate Gostincar-Walther

Als liebenswerte rheinische Quasselstrippe ist Anne Wesendonk allseits bekannt, nun hat sie ein neues Feld erobert: als Autorin. Ein durchgängig auf hochdeutsch geschriebenes Buch - das wäre nicht von Anne Wesendonk. Natürlich rutscht sie in den Erzählungen ab und zu in ihre unverkennbare rheinische Mundart und ihren typischen Dialekt. Das macht schon der Titel deutlich: "Mem Zoch noh China", heißt er bezeichnenderweise. Geplant war das Buch nicht, es hat sich zufällig ergeben. Die Reise hingegen stand bereits lange auf der Wunschliste.

"Ich hatte schon immer Sehnsucht nach Sibirien und meine Tochter nach Ulan Bator. Ich weiß, das klingt irgendwie verrückt", erzählt sie verschmitzt. Ein trauriges Erlebnis machte ihr einmal mehr deutlich, wie endlich das Leben ist, und das führte zu dem Entschluss, den lange gehegten Reisetraum gemeinsam mit ihrer Tochter vergangenes Jahr zu erfüllen.

Mit dem Salonwagen "Zarengold" der Transsibirischen Eisenbahn ging es quer durch Russland bis zur chinesischen Grenze, dann in Bussen weiter zum Sightseeing durch China. Natürlich mit zahlreichen Ausflügen. "Nachdem ich dann wieder zu Hause war, habe ich in unserer Kirchengemeinde bei Wodka und Schmalzbroten einen Vortrag über die Reise gehalten", erzählt Anne Wesendonk. Die Begeisterung der Zuschauer überraschte sie. "Das war's" dachte sie dann - eigentlich. Aber Tochter Katrin und Freunde ließen nicht locker: Sie müsse ein Buch aus ihren Reise-Verzällches machen. "Ein halbes Jahr habe ich geschrieben und dabei bin ich von Hölzkes auf Stöckskes gekommen", sagt Anne Wesendonk.

Wesendonk schreibt über eine "einzigartige, erlebnisreiche Mutter-Tochter-Reise" - teils skurill und durchaus nicht hindernisfrei. In 16 Tagen legte sie über 9000 Reisekilometer zurück und durchquerte sechs Zeitzonen. Das ist genügend Stoff für Witziges und Nachdenkliches, lebendig und mit viel Selbstironie geschrieben.

"In Moskau bin ich auf die Nas' gefalle, da waren wir noch gar nicht im Zug", erzählt die Eisenbahnreisende. "Äwer wie hätt de alde Nitsche immer jesaht? Gelobt sei, was hart macht", heißt es in dem Kapitel über den Startpunkt der Reise. Die Verständigung der internationalen Reisetruppe hat sie beeindruckt. Etwa das Gänsehaut-Erlebnis am Baikalsee, als Italiener, Spanier und Engländer spontan ihre Landeshymnen und heimatliche Folklore zum Besten gaben. Für Anne Wesendonk der Impuls für eine ihrer gedanklichen Wanderschaften, die sie - "Extra-Geschichten" nennt: "Och, enää, wör dat schön, wenn jetzt alle singen würden: 'Du Europa bist dat Läwe ...".

Dass die mongolische Reiseleitung in Ulan Bator "meenzerisch babbelt" - "dat is der Hammer", stellt die Autorin fest. Wie so manches andere auch. Wesendonk nimmt "Bortsch und Wodka" aufs Korn, kämpft mit den Unbillen der Wüste Gobi, sinniert über Zwischenmenschliches, den chinesischen Alltag und vieles mehr. "Die kleinen Erlebnisse mit den Einheimischen waren ganz besonders. Wir haben unsere Sprachen nicht verstanden, aber wir konnten gemeinsam lachen", schwärmt sie.

Mit ihrem Sehnsuchtsort verknüpfe sie herrliche Birkenwälder, Wiesen und Temperaturen von mehr als 30 Grad. Ein Fazit gibt es für Anne Wesendonk, und das hat sie ebenfalls im Buch verewigt: "Ohne meine Tochter hätt ich diese Reise nicht geschafft. Im Läwe nit. Danke Katrin."

Quelle: RP
 
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