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Hassels
Duschen stehen jetzt auf der Straße

Hassels. Die Häuser an der Potsdamer Straße sollen saniert werden. Deswegen müssen jetzt mehr als 100 Mieter zum Toilettengang und zum Duschen Container auf der Straße nutzen. Die Maßnahme kam für die Mieter überraschend. Von Bernd Schknecht

Ein Vertrauensverhältnis zwischen den Mietern an der Potsdamer Straße und der neuen Immobilien-Eigentümerin, der IWG/In-West Grundstücksverwaltungsgesellschaft, ist noch nicht aufgebaut. Nicht zuletzt wegen der schlechten Erfahrungen in der Vergangenheit.

Erneut regt sich im Viertel Protest. Streitpunkt ist diesmal nicht etwa marode Bausubstanz, sondern eher das Gegenteil, denn jetzt sind die anstehenden Sanierungsarbeiten im Fokus der Kritik.

Aber es ist nicht der seitens der Mieter längst geforderte, absolut unstrittige Einbau neuer Bäder und Toiletten sowie Fenster, Türen und Wechselsprechanlagen. Vielmehr ist es die Art und Weise wie die neue Eigentümerin IWG/In-West, bei der Gerrit M. Sperling, der sich sich bereits als WVB Centuria-Geschäftsführer nicht gerade mit Ruhm in Sachen Mieter-Kommunikation bekleckert hatte und wieder in der In-West-Geschäftsführung auftaucht, die Mieter vor vollendete Tatsachen stellt. Diese Tatsachen werden durch vier Container mit Toiletten sowie zwei Container mit Duschen, die vor dem Haus Nummrt 53 aufgestellt wurden, konkretisiert.

"Gegen die Sanierung hat keiner was, aber sie muss anders ablaufen, und so geht das gar nicht", empört sich Anwohnerin Stephanie Hau. Sie kritisiert, dass die zur Verfügung gestellten Toiletten und Duschen für mehr als 100 Mieter bei weitem nicht ausreichten. "Ich habe mir die verdreckten, aber angeblich gereinigten Duschen angesehen, die dünnen Duschvorhänge sind kaum geeignet, auch nur ansatzweise die Intimsphäre zu wahren, da könnte ich mich auch gleich auf der Straße duschen", so die 27-jährige Mutter. Wegen ihrer sowie der Asthma-Beschwerden ihrer Tochter, hält sie es für gesundheitlich untragbar, wegen der Entstehung großer Mengen Baustaubs während der Umbaumaßnahmen in der Wohnung wohnen zu bleiben. "Es gibt in der Nachbarschaft reichlich leerstehende Wohnungen, und es wäre mit ein bißchen Überlegung sicher möglich, dass Mieter diese bewohnen, während in ihrer eigenen Wohnung gearbeitet wird", erklärt Stephanie Hau.

Exakt diese Idee äußerte auch Klaus-Dieter Lukaschewski, wohnungspolitischer Sprecher der CDU-Ratsfraktion und stellvertretender Vorsitzender des städtischen Wohnungsausschusses. Der CDU-Ratsherr zeigte sich enttäuscht darüber, dass die neue Eigentümerin aus den Erfahrungen ihrer Vorgängerin offenkundig keine Lehren gezogen habe.

"Es war vereinbart worden, dass ich über Maßnahmen im Viertel seitens der IWG frühzeitig informiert werde, aber noch heute warte ich auf einen Brief oder eine entsprechende Mail", so Lukaschewski. Er fordert, dass zum nächsten Runden Tisch in der Diakonie ein Vertreter der IWG erscheint, der autorisiert ist, über anstehende Maßnahmen im Viertel konkret und dezidiert Auskunft zu geben. Was die Mieter ferner verunsichert, sind die zu erwartenden Mieterhöhungen nach der Sanierung. "Nachbarn haben bereits Schreiben erhalten, in denen die IWG bis zu 500 Euro mehr an Miete fordert, dann kann sich hier kaum noch jemand das Wohnen leisten", so Stephanie Hau.

Quelle: RP
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