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Hassels
Hasselser Schützen feiern ihr großes Fest

Hassels. Eine besondere Rolle spielen die Blumenhornträger. Drei Männer teilen sich in diesem Jahr die kraftzehrende Aufgabe. Von Sven-Andre Dreyer

Es geht turbulent zu in dem kleinen weißen Festzelt, das im Garten der Familie Kopps an der Graudenzerstraße steht. Während das Haus festlich mit Girlanden geschmückt ist, die die ganze Straße überspannen, dient das Zelt der Antonius-Kompanie zugleich als Stützpunkt während des diesjährigen Schützenfestes in Hassels.

Während die einen nach dem frühen Wecken an diesem Sonntagmorgen und dem Besuch der Messe im Schützenzelt an der Spangerstraße kurz bei einer Kartoffelsuppe mit frischem Brot und einem Glas Mineralwasser verschnaufen, beladen die anderen bereits ihre Pkw, um Notwendiges zum Biwak am Hasselser Denkmal zu bringen. Insbesondere für Dennis Tulabek, Michael Emde und Tobias Kaiser heißt es, sich nun ordentlich zu stärken, denn die drei Männer teilen sich erstmals die Aufgabe, die Blumenhörner der Kompanie zu tragen, und damit den Zuschauern an der Zugstrecke den üppigen, mehrere hundert Euro teuren Blumenschmuck zu präsentieren.

Ein Knochenjob, denn die Hörner sind gefüllt mit farbiger Blütenpracht, eingebautem Drahtgestell für den sicheren Halt der Blumen und dem Wasser speichernden Schwamm. Dadurch kann ein Blumenhorn schon mal zwischen 15 und 20 Kilogramm wiegen.

Und auch, wenn es mit einem speziellen Trägersystem ausgestattet ist und geschultert werden kann: Das Gewicht bleibt enorm, bedenkt man, dass das Horn über die gesamte Wegstrecke des Festumzuges der St. Antonius Schützenbruderschaft Hassels getragen werden muss. Der Zug findet nach dem Abholen der Majestäten, einem Sternzug durch den Stadtteil sowie dem großen Festzug durch das sonnige Hassels an diesem Tag mit einer Parade am Denkmal sein Finale. "Eine gewisse Fitness ist also Grundvoraussetzung für den Job", haucht der 29-jährige Dennis Tulabek, der aufgrund einer Stimmbandentzündung etwas heiser ist. Dennoch: Die Aufgabe, in diesem Jahr das Blumenhorn zu tragen, lässt er sich nicht nehmen.

Die ersten Schritte der Träger sind noch etwas wackelig. Und als während des Festumzugs kurz nach dem Start auch gleich die erste Kurve genommen werden muss, spüren die Männer, wie viel Kraft man für den besonderen Job tatsächlich benötigt. Da der Schwerpunkt deutlich oberhalb des Horns liegt, müssen die Träger ordentlich ausbalancieren und geraten deutlich ins Schwitzen. Aber auch dafür ist vorgesorgt: Zur Parade liegen frische Ersatzhemden bereit.

Bei einem zweiten Teller Kartoffelsuppe spekulieren die Träger über die Historie ihrer Aufgabe. Die Recherche ergibt, dass sie ursprünglich als Wegzehrung mit Bier gefüllt waren. Bis, so die Legende, im 19. Jahrhundert einem zum Neusser Schützenzug unfertigen Horn der Deckel fehlte. Weil damals die Flüssigkeit aufgrund des fehlenden Verschlusses nicht so gut transportiert werden konnte, riet der Hersteller des Horns kurzerhand dazu, das Horn nicht mit Bier zu füllen, sondern mit Blumen zu dekorieren. "Ein schöner Brauch", findet Tulabek. Dann schultert das Horn.

Quelle: RP
 
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