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Hassels
Mieten steigen in Hassels um 60 Prozent

Hassels. Wer allerdings schnell unterschreibt, soll weniger zahlen. Die Initiative Mieterhilfe ist morgen mit einem Stand vor Ort. Von Andrea Röhrig

Nach der Renovierung und Sanierung der Hochhäuser in der Siedlung Hassels-Nord ist eines festzuhalten: Die neuen Mietpreise korrespondieren immerhin mit der großen Reklametafel, die an der Further Straße steht und mit der der neue Eigentümer IWG für das Quartier mit den Worten "Hassels 2.0 - Hier ziehen wir ein" wirbt.

Eine Mieterin soll für ihre modernisierte 83 Quadratmeter große Wohnung - unter anderem hat sie ein neues Badezimmer, neue Heizungsrohre und neue Fenster bekommen - statt wie bisher 834 Euro warm ab 1. Mai 1167 Euro warm im Monat bezahlen. Alleine die vom Eigentümer so genannte Modernisierungsumlage schlägt dabei mit 369 Euro zu Buche. "Wir haben uns die Berechnungen für mehrere Wohnungen Mietern angeschaut und dabei nicht groß erkennen können, dass es Posten gibt, die der Eigentümer nicht auf die Mieter hat umlegen dürfen", sagt Michaelo Damerow, Geschäftsführer des Düsseldorfer Mietervereins. Deshalb würde es bei Nachverhandlungen nur um Senkungen für jeden Einzelnen im Cent-Bereich gehen. Ein Grund, weshalb Damerow darin keine Erfolgsaussichten sieht.

Wahrscheinlich, weil der neue Eigentümer das Thema schnell und glatt vom Tisch haben will, hat er 1300 Mietern, deren Wohnungen fertig modernisiert und schon abgerechnet wurden - ein Angebot unterbreitet. Wer innerhalb von vier Wochen den neuen Mietvertrag unterschreibt, zahlt statt der 10,17 "nur" 9,20 Euro pro Quadratmeter Nettokaltmiete. Für die Mieterin der 83 Quadratmeter-Wohnung wäre das eine Ersparnis von 80 Euro im Monat. Eigentlich sollten sich die Mieter bis Ende März entscheiden; doch der Mieterverein hat eine Fristverlängerung von vier Wochen herausgeschlagen, berichtete Michaelo Damerow. Die Frist endet nun am 30. April. Wer in seiner Wohnung allerdings Mängel festgestellt hat, sollte dies vorsorglich auf dem Vertrag vermerken, sagt der Jurist.

Weil zeitlich nun so viel Druck im Kessel ist, lädt die "Initiative Mieterhilfe Hassels-Nord für morgen Nachmittag, 16.30 Uhr, zu einem Info-Stand an die Potsdamer Straße 18-20. Dabei sind neben Damerow vom Mieterverein und der SPD-Landtagsabgeordneten Walburga Benninghaus auch Uwe Warnecke vom Deutschen Familienverband vor Ort, um die Mieter zu beraten. Wer Leistungen entweder vom Jobcenter (Hartz IV) oder vom Amt für Grundsicherung kassiert, kann beispielsweise seine Unterschrift nicht eigenmächtig unter das Angebot setzen.

Deshalb rät Stadtdirektor und Sozialdezernent Burkhard Hintzsche allen Betroffenen - 600 der 1300 Mieter bekommen soziale Leistungen - , zu den zuständigen Ämtern zu gehen, damit diese sich jeden Einzelfall genau ansehen können. Denn nichts liegt ihm ferner, als dem neuen Eigentümer der Siedlung Hassels-Nord und somit allen Vermietern einen Blankoscheck für ein lohnendes Geschäftsmodell auszuschreiben, in dem er pauschal sagt, dass die Stadt wegen der Knappheit von preiswertem Wohnraum in der Landeshauptstadt alle Mehrkosten übernehmen wird. "Jeder Vermieter und Eigentümer muss wissen, dass es eine Grenze gibt", sagt Hintzsche mit deutlichen Worten.

Zwischen 60 und 70 Prozent der Menschen, die in der Siedlung leben, sind Leistungsempfänger. Und selbst, wer bislang noch alleine für seinen Lebensunterhalt aufgekommen ist, kann bei dieser Miet-Steigerung an die Grenze des Finanzierbaren kommen. Hintzsche verweist darauf, dass auch kein Leistungsempfänger nach der Erhöhung seine Wohnung verlassen müsse, wenn sie danach über dem Satz der Unterkunftskosten der Stadt Düsseldorf liegt. "Er muss nachweisen, dass er keine preiswertere Wohnung in Düsseldorf findet." Seit 1. September 2014 gilt hier eine Mietobergrenze für Leistungsempfänger: Eine Wohnung für eine Person mit einer Größe von 50 Quadratmetern darf 407 Euro kosten - inklusive Nebenkosten ohne Heizung, bei drei Personen sind es 80 Quadratmeter und 640 Euro.

Überraschend trifft die Mieter die Erhöhung nicht. Viele hatten 2015 Hilfe bekommen, vor allem von der Initiative Mieterhilfe. In der engagiert sich auch die Diakonie mit dem Ernst-Lange-Haus, das sich in der Siedlung befindet. Die Mitarbeiter sind mit Unterstützung des Mietervereins unterwegs gewesen, damit die Mieter dem Vermieter vor dem Beginn der Arbeiten schriftlich einen Härtefall anzeigten. Vor der Änderung des Mietrechts bedeutete das für die Mieter, dass sie halt kein neues Bad bekamen. Nach neuem Recht sind auch in diesen Wohnungen erst einmal alle Arbeiten ausgeführt worden. Auf den Mieterverein wartet in der Siedlung noch jede Menge Arbeit.

Quelle: RP
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