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Hassels
Stadt reagiert bei der Belegung

Hassels. Nachdem die Verwaltung in den vergangenen Tagen viel Kritik zur neuen Flüchtlingsunterkunft an der Stargarder Straße geerntet hat, belegt sie nun erst ab kommende Woche und nicht nur mit Männern. Von Andrea Röhrig

Es war kein leichtes Unterfangen für die Vertreter von Diakonie und Stadt, die gestern Nachmittag im gut besuchten Ernst-Lange-Haus Rede und Antwort standen zu der zukünftigen Nutzung des früheren Behindertenwohnheims an der Stargarder Straße. Denn nicht eben wenige Anwohner waren aufgebracht darüber, dass die Stadt so schnell dort rund 100 Flüchtlinge unterbringen will, und es zuerst geheißen hat, dass es überwiegend alleinstehende Männer sein werden.

Doch gestern nun gab es zwei Informationen, die die Wogen ein wenig glätteten: Nicht mehr im Laufe dieser Woche, sondern erst ab kommenden Woche Mittwoch wird die Einrichtung sukzessive bezogen. Bei der Belegung sieht die Stadt nun vor, dort 60 alleinreisende Männer sowie fünf bis sechs Zwei-Personen-Haushalte unterzubringen. Die restlichen Plätze werden mit Familien aufgefüllt, darunter auch welche mit bis zu drei Kindern. Flüchtlinge aus 20 Nationen sollen in das Wohnheim einziehen, darunter vor allem Menschen aus Syrien, Algerien und Georgien.

Stadt und Diakonie haben einen Mietvertrag über fünf Jahre abgeschlossen, informierte Peter Lorch vom Sozialamt die Anwohner ganz am Ende der Veranstaltung. Hätte er diese Zahl am Anfang genannt, wäre die Resonanz darauf wohl eine ganz andere gewesen. Denn gerade zu Beginn gab es jede Menge kritischer Fragen: Bin ich sicher, wenn ich als Frau alleine an dem Heim vorbei laufe? Sind meine Kinder gefährdet, wenn sie vor meiner Haustüre spielen? Muss ich mich um mein Hab und Gut sorgen?

Fragen, die die Sorgen der Anwohner aufzeigten, und die Diakonie-Pfarrer Heinz Frantzmann, der die Moderation übernahm, ernst nahm. Eine Antwort: Bislang hat die Düsseldorfer Polizei keine Erkenntnisse über kriminelle Auffälligkeiten rund um Asylunterkünfte. Warum das wohl so ist, erläuterte Lorch so: "Diese Menschen wollen nicht durch ihr Verhalten ihr laufendes Asylverfahren gefährden." Die Frage, ob die Stadt vorher geprüft habe, ob die Unterkunft in das soziale Umfeld passe, verneinte Lorch klar und deutlich: "Es kommen inzwischen im Monat zwischen 200 und 300 Menschen zu uns, die wir alle aufnehmen müssen. Da können wir uns nicht mehr die Frage stellen, ob etwas ins Umfeld passt."

Wie man diesen Ängsten und Sorgen am besten begegnet, formulierte eine Anwohnerin: "Wir alle können etwas dafür tun, dass der Dampf, der unter dem Deckel ist, sanft abgelassen wird, in dem wir uns einbringen." Gefordert sind nun auch die Kirchengemeinden vor Ort. Die katholische Gemeinde "St. Antonius und Elisabeth" hat mit ihrem Pfarrer Antony Manickathan an der Spitze bereits einen Arbeitskreis gebildet, um Hilfsangebote zu entwickeln. "Aber auch wir sind von der Schnelle der Ereignisse überrollt worden", sagte er gestern im RP-Gespräch. In der evangelischen Dankeskirchen-Gemeinde hat Pfarrer Frank Bublitz seine Predigt am Palmsonntag unter das Thema "Menschen ohne Land" gestellt. Auch dort ist man inzwischen mit Hochdruck dabei, zu überlegen, wie man den Menschen helfen kann: "Mir schweben persönliche Patenschaften vor", skizzierte Bublitz einen ersten Entwurf. Außerdem werde er versuchen, den Männerkreis der Gemeinde einzubinden.

Thorsten Nolting, Pfarrer und Chef der Diakonie in Düsseldorf, regte an, einen an das Wohnheim Stargarder Straße gekoppelten Nachbarschaftstisch zu installieren, an dem einmal im Monat Be- und Anwohner zusammen kommen sollen. "Denn wie die Menschen sich integrieren, kommt auch darauf an, wie sie von der Gesellschaft angenommen werden", sagte eine, die sich auskennt: Eine Mitarbeiterin der DRK in Hassels-Nord, die vor 18 Jahren als Spätaussiedlerin nach Düsseldorf gekommen ist und seit Sommer 2014 für das DRK Flüchtlinge vor allem im Bereich der Familienzusammenführung betreut.

Quelle: RP
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