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Hassels
Streetworker bleiben in Hassels

Hassels: Streetworker bleiben in Hassels
Die Streetworkerinnen Petra Terdenge (l.) und Sarah Speis teilen sich eine Stelle. Sie sind im Viertel für ihre Beratungskompetenz bekannt. FOTO: Anne Orthen
Hassels. Das Jobcenter hat die Sozialarbeiter-Stelle, die sich Petra Terdenge und Sarah Speis teilen, um ein Jahr verlängert. Denn es herrscht immer noch großer Beratungsbedarf - vor allem bei Mietfragen. Von Bernd Schuknecht

Viele Bewohner des Quartiers Hassels-Nord rund um Potsdamer- und Fürstenberger Straße dürfen hinsichtlich ihrer Wohnprobleme zumindest leicht aufatmen. Sie bekommen im Ernst-Lange-Haus der Diakonie weiterhin kompetente Unterstützung durch die auf Mietangelegenheiten spezialisierten Sozialarbeiterinnen Sarah Speis und Petra Tendenge.

Nach umfassenden Sanierungen ist für viele Menschen die dortige Miete, die auf weit über acht Euro gestiegen ist, schlicht nicht mehr bezahlbar. Das Jobcenter, das in vielen Fällen die Miete übernimmt, hat die Augen vor der problematischen Realität nicht verschlossen. Es hat die zunächst bis zum 30. Juni, also bis heute, eingerichtete Sozialarbeiterstelle, die sich Speis und Terdenge teilen, verlängert. Allerdings wieder nur auf ein Jahr befristet.

"Für alle Nachbarn wäre es natürlich schön, wenn es im vergangenen Jahr gelungen wäre, uns überflüssig zu machen, aber die Probleme sind eher größer geworden", sagt Sarah Speis. Zwei Ehrenamtler unterstützen sie und ihre Kollegin Petra Terdenge zweimal in der Woche. Darüber hinaus berät auch Angelika Nitze von der Initiative Mieterhilfe einmal im Monat.

Längst hat sich im Viertel die Beratungskompetenz der Sozialarbeiterinnen herumgesprochen, so dass aus der ursprünglich aufsuchenden Streetwork-Tätigkeit eine stationäre Anlaufstelle geworden ist.

Lediglich bei großen Familien, bei denen die Wohnung gleichsam überbelegt ist, decken die Leistungen des Jobcenters auch die erhöhte Miete. Doch für viele Menschen ist die in Hassels geforderte Nettomiete so hoch geworden, dass der Betrag jenseits der Richtlinien des Jobcenters liegt.

Die Konsequenz ist, dass ein Auszug droht - aus einem Viertel, in dem die meisten das multikulturelle Miteinander schätzen und gerade Migranten lebendige Sozialkontakte aufbauen konnten. "Im Rahmen eines Kostensenkungsverfahrens übernimmt dann das Jobcenter für sechs Monate, in denen eine neue kostengünstigere Wohnung gefunden werden muss, die erhöhte Miete", erklärt Sarah Speis. "Doch auf dem Düsseldorfer Wohnungsmarkt gibt es ohnehin zu wenig bezahlbaren Wohnraum, und mit der Suche im Internet, der Kontaktaufnahme mit Wohnungsgesellschaften, Wohnungsgenossenschaften oder privaten Vermietern sind viele Menschen, die hier wohnen, schlicht überfordert", ergänzt Petra Tendinge. Zudem verlangt das Jobcenter, dass zehn Kontakte zur Anmietung einer neuen Wohnung nachgewiesen werden. Eine Klage gegen die Mieterhöhung - basierend auf dem Einwand der wirtschaftlichen Härte wäre die letzte Möglichkeit, das Problem zu lösen.

Doch der Klageweg ist mit hohen finanziellen Risiken verbunden. "Mietschulden laufen während des zeitlich unabsehbaren Verfahrens mit ungewissem Ausgang auf, und in der Regel wird den Mietern auch die psychische Belastung zu groß", sagt Barbara Dully, Leiterin des Ernst-Lange-Hauses.

Schlagzeilen in der Presse, wie jüngst die Rattenplage in der Kita Wunderland und kaum übersehbare Müllprobleme im Viertel, bewirken eine Stigmatisierung, die die Wohnungssuche nicht gerade vereinfacht. Viele Nachbarn würden sich gleichfalls über die illegalen Sperrmüllberge beschweren, vermuten aber nicht nur Bewohner aus der Nachbarschaft, sondern auch "Mülltouristen" aus der Umgebung als Verursacher.

Quelle: RP
 
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