| 00.00 Uhr

Heerdt
Auf Streife mit dem "Dorfpolizisten"

Heerdt: Auf Streife mit dem "Dorfpolizisten"
"Dorfpolizist" Michael Kuhn gibt Kiara und Maggie (v.l.) auf ihrem Schulweg Tipps fürs sichere Überqueren der Straße. FOTO: Andreas Endermann
Heerdt. Im linksrheinischen Düsseldorf gibt es für jeden der vier Stadtteile einen Bezirksbeamten. Polizeihauptkommissar Michael Kuhn ist der Bezirksbeamte für Heerdt. Sein Tag beginnt mit der Schulwegsicherung. Von Heide-Ines Willner

Morgens um 7 Uhr herrscht noch Ruhe in den Seitenstraßen von Heerdt. Eine halbe Stunde später ändert sich das, streben Heerscharen von Kindern ihren Schulen zu. Da ist der Bezirksbeamte, Polizeihauptkommissar Michael Kuhn, längst auf den Beinen und sieht auf den Straßen rund um die Heinrich-Heine- und Pestalozzischule nach dem Rechten. An diesem Tag, kurz vor den Ferien, hat er den Seitenstreifen vor dem Eingang der Heinrich-Heine-Grundschule im Blick, der für den Schulbus reserviert ist. "Die Eltern missachten oft das Halteverbot, um ihre Kinder schnell aussteigen zu lassen", sagt er und geht zu dem Autofahrer, der gerade dort parkt. "Sie wissen doch, dass der Platz für den Bus freigehalten werden muss", ermahnt er ihn.

Andere Eltern, die ihre Kinder ebenfalls mit dem Auto bringen, erblicken den Polizeibeamten rechtzeitig und suchen sich schnell einen Stellplatz auf dem benachbarten Garagenhof. "Eine gefährliche Ecke", sagt eine Mutter und weist auf die Waldnieler Straße, die vor dem Haupteingang der Schule in die Gustorfer Straße mündet. Prompt huscht ein Mädchen noch schnell vor einem Auto über die Straße. "Was haben wir gelernt?, fragt Kuhn freundlich und erklärt dem Kind, dass es erst dann die Straßen überqueren soll, wenn das Auto vorbei gefahren ist. Ein Junge kommt mit dem Fahrrad ohne Helm und wird ermahnt, ihn das nächste Mal nicht zu vergessen. "Hier halten sich die Probleme aber in Grenzen", sagt der Beamte. Anders sei die Situation am Berufskolleg Pestalozzistraße. "Die Berufsschüler kommen ja schon mit dem Auto und der Parkraum in Alt-Heerdt ist knapp."

Nach der Schulwegsicherung beginnt Kuhn gut gelaunt seinen Streifgang durch den Stadtteil. Kein Wunder, denn der Himmel ist blau, die Sonne strahlt. "Dann macht der Job richtig Spaß." Von der Heinrich-Heine-Schule geht es die Heerdter Landstraße entlang zur Wohnsiedlung Grünau, die wie eine Schlafstadt anmutet. Niemand ist auf den von Wiesen gesäumten Straßen zu sehen. "Die meisten Bewohner arbeiten tagsüber", weiß der Beamte. Angesichts der Beschaulichkeit ergänzt er: "Eine Insel der Glückseligkeit." Zurück auf der Heerdter Landstraße erwischt es einige Radfahrer, die in falscher Richtung unterwegs sind. Die häufigste, fast schon liebevolle Redewendung des Beamten: "Was haben wir jetzt falsch gemacht?" Nicht auf Anhieb wissen die Radfahrer, was das sein könnte. Ein Mann mit Migrationshintergrund zum Beispiel blickt schuldbewusst auf seine Zigarette. Der Beamte schüttelt den Kopf und lacht. "Sie fahren gegen die Fahrtrichtung. Sie müssen auf die andere Straßenseite. Kuhn bringt ihn hinüber, ein strahlendes Lächeln kommt als Dank zurück.

Lebhaft, wenn nicht sogar chaotisch präsentiert sich der Handweiser. Fußgänger müssen wachsam sein, denn auch die ampelgesteuerten Querungen verlangen Aufmerksamkeit. Ein Lkw nach dem anderen schleppt sich über die Kreuzung. "Die Fahrer sparen die Maut", stellt der Beamte fest. Nach einem Schlenker übers Neubauviertel West-Park und Burgunderstraße geht es zurück zur Heerdter Landstraße und Nikolaus-Knopp-Platz, bevor Kuhn in die Bahn nach Oberkassel steigt. Denn dort muss er nach dem Streifendienst alles Schriftliche erledigen.

Der gebürtige Heerdter ist überzeugter Polizist. Schon im Alter von 17 Jahren begann er seine Ausbildung und war später 20 Jahre auch auf der großen Kirmes im Dienst. Das ist vorbei. Kuhn ist froh als "guter Schutzmann an der Ecke" in seine Heimat zurückgekehrt zu sein. Die Heerdter danken es ihm, denn kaum jemand geht grußlos an ihm vorbei. Eine Bürgernähe, die er auch auf Sommer- und Schützenfesten in Heerdt und teils in Niederkassel pflegt. Und um den Nachwuchs muss er sich keine Sorgen machen. "Mein Sohn befindet sich in der Ausbildung zum Polizeibeamten."

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Heerdt: Auf Streife mit dem "Dorfpolizisten"


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.