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Heerdt
Das Boot als mystisches Symbol

Heerdt. Im Untergeschoss der Bunkerkirche in Heerdt wird noch bis zum 17. Januar eine Ausstellung mit Arbeiten des Künstlers Gert Koch gezeigt. Holzschnitte und Objekte sind Flucht und Vertreibung gewidmet. Von Heide-Ines Willner

Das Thema könnte nicht aktueller sein: Flüchtlingen, Unterdrückten und Minderheiten ist die aktuelle Ausstellung unter dem Titel "Besinnung" im Untergeschoss der Bunkerkirche gewidmet. Schicksale, die das Werk des Künstlers Gert Koch bestimmen. Er erzählt aber nicht nur die Leidensgeschichten. Vielmehr gibt er den Schwachen eine Stimme in eindrucksvollen Holzschnittunikaten und Objekten aus den Werkstoffen Holz und Metall. Auch Collagen aus Zeitungsschnipseln zu Palmen oder christlichen Symbolen zusammengesetzt spiegeln menschliche Tragödien. In den Zellen oder Kammern unter dem Kirchenraum, in denen die Menschen einst während des Zweiten Weltkriegs Schutz suchten, lässt die unendliche Geschichte von Sklaverei, Flucht und Vertreibung so manchen Besucher schaudern. Denn die bröckelnden Mauern, die Risse in den Wänden, geben den Darstellungen einen glaubhaften Rahmen.

Im Mittelpunkt der in Themen gegliederten Ausstellung stehen immer der Mensch und das Boot als mystisches Symbol für die Überfahrt ins Totenreich. Angesichts des flachen, instabil wirkenden Bootes liegt der Gedanke an die Bootsflüchtlinge einmal mehr nahe. Es könnten aber auch Sklaven sein, die als Schattengestalten nackt und schutzlos in Reih und Glied aufrecht stehen und in die Ferne blicken. Die zerbrechlich wirkende Silhouette der Menschen zieht sich wie ein roter Faden durch die Ausstellung. Und stets wird das Mitgefühl des Künstlers für die Schwächeren und Hilfesuchenden deutlich. Besonders in der Kammer mit der Bezeichnung "Pranger". Dort vermittelt die schlanke Skulptur aus Eiche (Fundholz), Eisen und Draht neben Malereien in kräftigem Rot und Grün Abgründe politischer Herrschaft und Gewalt. Es herrscht aber nicht nur Trostlosigkeit zwischen den von der Zeit gezeichneten Wänden der Kammern. "Jedes Exponat rüttelt zwar auf, birgt aber auch ein Stück Utopie", hatte es der Literaturwissenschaftler Otto Paul Burkhardt formuliert. "Die Hoffnung auf ein anderes, besseres Miteinander."

Die Eröffnung der Ausstellung "Besinnung" war zeitgleich mit dem Besuch von Erzbischof Woelki in der Bunkerkirche. Gastgeber waren die Pfarrei St. Antonius und St. Benediktus, die koptisch-orthodoxe Gemeinde St. Maria und die Friedensinitiative Bunkerkirche. Damit wurde die künftige Nutzung des einst von Msgr. Carl Klinkhammer gegründeten Gotteshauses durch die koptische Kirche eingeläutet. Noch ist nicht alles in trockenen Tüchern, wird auf den endgültigen Bescheid des Erzbistums Köln gewartet.

Die kulturellen Veranstaltungen, Ausstellungen, Konzerte, Lesungen im Untergeschoss der Kirche werden auch nach Übernahme durch die Kopten fortgesetzt. Auf jeden Fall bis Ende 2016, so ist es dem Programm der Initiative Friedensort Bunkerkirche zu entnehmen. Es wird daran gedacht, demnächst die Ökumene zu pflegen und gemeinsam mit der koptischen Gemeinde kulturelle Angebote zu machen. Denn auch sie hat Flucht und Vertreibung erlebt. Viele koptische Christen mussten und müssen ihre Heimat in Syrien, Irak, Libyen, Eritrea und Sudan verlassen. Sie waren oder sind auf der Flucht, weil ihr Leben in Gefahr ist. Inzwischen haben mehr als 4000 Kopten in Nordrhein-Westfalen Zuflucht gefunden. Damit kreuzt sich ihr Schicksal mit dem von 2300 Menschen, die einst im Heerdter Hochbunker Schutz gefunden haben.

Quelle: RP
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