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Heerdt
Das Spargelbrot ist aus

Heerdt. Die Azubis der Bäckerei Puppe haben einen Tag lang die Filiale in Heerdt nach ihren Vorstellungen geleitet. Dazu gehört Spargel- und Rotweinbrot. Chef Thomas Puppe ist stolz auf sein Team. Eine gute Werbung für das Handwerk. Von Lis A Kreuzmann

Seit sechs Uhr in der Früh stehen sechs Auszubildende der Bäckerei Puppe bereit, um sich im Alltag zu behaupten. Sie haben Muffensausen und sie haben Kekse gebacken. Mit Schokoladenüberzug und mit Aussage: "Azubi Tag 2017", steht in weißer Schrift auf dem dunklen Knabbergebäck. Und: "Azubis an die Macht".

Bäckermeister Thomas Puppe nimmt die Machtergreifung gelassen. Im Gegenteil: Es war ja seine Idee. Und wenn Auszubildende an die Macht rücken, dann gehen sie auch mal andere Wege: backen Brot mit grünem Spargel zum Beispiel in Form eines A's für "Azubis". "Mal sehen, wie es sich verkauft", sagt Thomas Puppe, "es ist ein schönes Produkt - gerade in der beginnenden Grillsaison."

Zum ersten Mal veranstaltet die Bäckerei Puppe einen solchen Azubi-Tag. Das heißt, dass die insgesamt elf Nachwuchsbäcker, - konditoren und -fachverkäufer der Großbäckerei für einen Tag ganz alleine den Betrieb in einer Filiale schmeißen. Und auch, dass die Bäckerei Puppe ein wenig Werbung machen möchte, für ihre Azubis, aber vor allem für das Handwerk.

Denn die Zahlen der Bewerber, die sich für eine Ausbildung in einer Bäckerei interessieren, sinken seit Jahren, sagt Bäckermeister Thomas Puppe. Seien in den 1990er Jahren noch etwa 30 Bewerber auf eine Stelle gekommen, seien es heute nur noch fünf. "Probleme gibt es aber auch bei der Qualifizierung", sagt er. Vor allem beim Rechnen hätten viele Kandidaten Schwierigkeiten. Aber auch so: "Wir sind selten die erste Wahl bei jungen Leuten."

Hartnäckig hingegen sei ein junger Flüchtling aus Ghana gewesen. "Er kam bestimmt vier oder fünf Mal bei uns vorbei, um nach einer Stelle zu fragen", erzählt Ausbilderin Jaqueline Spicker. Heute rollt der 26-jährige Ghanaer Marzipan-Croissants. Und sagt: "Ich liebe es!" Denn Brot, beschreibt Mike Yeboah in wenigen Worten, sei nun mal sehr elementar: "Es ist einfach zu machen und die Menschen werden satt. Und das sei ja gut. Besonders gerne mag er Kürbiskernbrötchen.

Eigentlich aber wäre der junge Ghanaer inzwischen schon gar nicht mehr in Deutschland. Denn trotz Ausbildungsvertrag mit der Großbäckerei erhielt Mike Yeboah keine Aufenthaltserlaubnis und sollte innerhalb von einer Woche nach Ghana abgeschoben werden. "Das war eine Eierei mit den Behörden", sagt Bäcker Puppe. "Da haben wir direkt losgelegt", erzählt Ausbilderin Jaqueline Spicker. Mit Erfolg: Mike Yeboah hat Bleibegenehmigung bekommen - vorerst.

Das Team in der Filiale Pestalozzistraße hat an diesem Tag frei. Backwaren der Bäckerei Puppe gibt es in 13 Filialen zu kaufen. Sieben davon in Düsseldorf. Etwa 130 Angestellte hat die Großbäckerei. Auf den Erfolg seiner Zöglinge legt Thomas Puppe besonders viel wert. "Wir sind eine Familie", sagt Puppe. Im Vergleich zu seinen Kollegen seien seine Bewerberzahlen noch ganz gut.

Konditorenauszubildende Ronja Wirth kommt gerade von einem Austausch zurück. Vier Wochen lang hat sie beim Hofzuckerbäcker L. Heiner in Wien gelernt und einige Unterschiede feststellen können: der Gugelhupf zum Beispiel sei bei den österreichischen Kollegen fluffiger. Heute bereitet sie ein Maracuja-Mousse-Dessert vor.

Den Kunden schmeckte besonders das Spargelbrot, das schon am Nachmittag ausverkauft war. Auch das Rot-Wein-Walnussbrot kam gut an. Vielleicht schaffen es die beiden Brote ja ins Standardsortiment.

Quelle: RP
 
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