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Heerdt
Die Dorfschwalben im Frack

Heerdt. Der achte Grenadierzug der Heerdter Schützen sind die "Dorfschwalben". Als eine der jüngsten - und weiblichsten - Kompanien des Vereins stellen sie fast die Hälfte der Jungschützen und begrüßen immer wieder Neuzugänge. Von Oliver Burwig

Elf Frauen, zwei Männer - das sind die "Dorfschwalben" aus Heerdt. 1978 als reine Männergesellschaft gegründet, entwickelte sich die Gesellschaft zu einer Frauenrunde, die mittlerweile die Hälfte der aktiven Jungschützen stellt. Erst im vergangenen Jahr gesellten sich zwei neue Frauen hinzu, die bei der gestrigen Parade die traditionelle Uniform des Zuges - weißes Hemd, weiße Hose, schwarzer Frack und Zylinder - präsentierten. Unter den "Neuen" ist auch die Zugkönigin Heike Rütters.

"Ich bin durch meine Tochter zu den Dorfschwalben gekommen", erzählt die 43-Jährige. Ein "Schützenkind" sei sie - nicht nur weil ihre Eltern schon seit 45 Jahren aktive Mitglieder bei den Heerdter St.-Sebastianern sind. Was die "Dorfschwalben" neben der extravaganten Uniform ausmacht, ist auch das, was Rütters an ihnen gefällt: "Ich finde es gut, dass hier so viele Frauen sind." Dass es den Zug heute überhaupt noch gibt, ist einer Aktion des Oberstleutnants der "Dorfschwalben", Heinz Laqua, zu verdanken. "Wir mussten damals mit einem Kleiderständer durch den Ort ziehen und neue Mitglieder werben", sagt der 69-Jährige. Auf der Kleiderstange hingen die Uniformen und Fräcke der ehemaligen Mitglieder, die wieder einen Träger suchten. Durch den Beitritt von Ulla Ketzer gelang vor etwa fünf Jahren die Wiederbelebung. "Ich habe meinen Mann, meine Tochter und meinen Schwiegersohn mitgebracht", sagt Ketzer. Vor allem durch ihre Tochter seien bald immer mehr junge Schützen beigetreten.

Obwohl er erst seit Anfang des Jahres bei den "Dorfschwalben" ist, kann Yannick Schnieber den Witz schon nicht mehr hören. Dennoch ist er der Hahn im Korb, neben Laqua der einzige Mann im Zug. "Passt schon", sagt der 21-Jährige dazu. Als einer von zwei Herren wurde er von Laqua kurzerhand zum Offizier gemacht. Nicht nur, weil den Schwalben ein sogenannter "Flügelleutnant" fehlte, sondern auch, weil noch eine der blauen Uniformjacken übrig war. Und auch Lijuan Heidenreich ist neu dabei: Die Familie ihres Mannes brachte die gebürtige Chinesin zu den Schützen. Für sie sei dieses Brauchtum eine gute Möglichkeit, die deutsche Kultur besser kennenzulernen - erst 2012 zog sie nach Düsseldorf. "Meine Schwiegereltern haben mir viel über die Feste erzählt", sagt die 40-Jährige. Für sie selbst bedeutet das Schützenfest vor allem Spaß, Stimmung und Musik. "Das Tolle in Heerdt ist, dass hier nicht nur Kollegen kommen, sondern sich wirklich der ganze Stadtteil zum Fest trifft", sagt Heidenreich.

Für Jungschützin Theresa Mäschig sind die "Dorfschwalben" ein gutes Mittel, um auch nach der Schule mit ihren früheren Mitschülern in Kontakt zu bleiben. "Es könnte gut sein, dass wir uns ohne die Schützen aus den Augen verloren hätten", sagt die 21-Jährige. So aber unternimmt sie mit den anderen auch außerhalb der Veranstaltungen der "Dorfschwalben" vieles. Auch Yannick Schnieber kannte die Mädchen übrigens noch aus der Schule. "In meinem anderen Verein in Oberkassel sind keine Frauen", sagt Schnieber. "Ich kann aber nicht sagen, wo ich lieber bin."

Glaubt man der 21-jährigen Kira Gläser, dürfte es da aber eigentlich keinen Zweifel geben: "Wir sind der schönste Verein im Regiment!" Soll zumindest Regimentskönig Thomas Schmied gesagt haben.

Quelle: RP
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