| 00.00 Uhr

Heerdt
Die Tischtennis-Platte in der Kirche

Heerdt. Schüler spielen bei einem besonderen Stadtteilprojekt im Paul-Gerhardt-Haus.

Jo Pörsch spielt seit einem halben Jahrhundert Tischtennis, aber das hat er noch nie erlebt. "Das ist das erste Mal, dass ich in einer Kirche gespielt habe. Sagenhaft", sagt der Geschäftsführer von Borussia Düsseldorf. "Der Gedanke im Paul-Gerhardt-Haus zu spielen, faszinierte mich sofort." Doch die fünf Tischtennisplatten in der evangelischen Kirche sind nicht für den Mann vom deutschen Tischtennis-Rekordmeister aufgebaut worden, sondern für Schüler der Heinrich-Heine-Grundschule (HHG) und der Anne-Frank-Realschule.

Jörg Jerzembeck-Kuhlmann, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Heerdt, und die Leiterin der HHG, Britta Kuhlen, arbeiten bei vielen Projekten im Viertel zusammen, da war klar, dass auch das Stadtteilprojekt "Tischtennis in der Kirche" gemeinsam gestemmt wird. Mit im Boot sind auch die Borussia, der Bürgerverein Heerdt, der St. Sebastianus Schützenverein und die Fördervereine der Schulen.

Die Borussen möchten mit der Aktion auf die WM aufmerksam machen und allgemein für Tischtennis werben. Die Kirchengemeinde zeigt einmal mehr, dass im Paul-Gerhardt-Haus nicht nur Gottesdienste gefeiert werden, sondern, dass es der soziale und gesellige Anlaufpunkt der Gemeinde ist.

"Unsere Schule ist auf zwei Standorte verteilt. Da kennen sich einige Schüler nur von Schulfesten. Hier bringen wir sie in einer Kirche, die ja auch Ort der Begegnung ist, zusammen", meint Kuhlen. "Außerdem sorgt das für jede Menge Gesprächsstoff." Spaß hat es jedenfalls allen 220 HHG-Schülern und den elf aus der Realschule gemacht. "Ich spiele seit vier, fünf Jahren Tischtennis an allen möglichen Orten. In der Schule, bei meinem Opa und bei Freunden. Aber in einer Kirche habe ich auch noch nie gespielt", sagte Viertklässler Darko. Ihn interessierte es in erster Linie, den kleinen, weißen, nur 2,7 Gramm schweren Ball möglichst gut über das Netz zu befördern. Die pädagogischen Hintergedanken waren ihm eigentlich egal.

Beeindruckt waren alle von der Offenheit, mit der die evangelische Gemeinde ihr Gotteshaus behandelt. "Wir haben es ja auch extra Haus und nicht Kirche genannt. Hier veranstalten wir neben den Gottesdiensten auch Jazzkonzerte, Ausstellungen oder Kabarettabende", sagt Jerzembeck-Kuhlmann. "Wenn ich die Tischtennisspieler so sehe, weiß ich, ich habe den richtigen Job." Bei aller Offenheit, eine Hemmschwelle hatte der Pfarrer dann doch: Der Altar sollte nicht in eine Tischtennisplatte umgewandelt werden.

(tino)
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Heerdt: Die Tischtennis-Platte in der Kirche


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.