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Heerdt
Friedhof der bekannten Heerdter

Heerdt: Friedhof der bekannten Heerdter
Jörg Deter am Grabmal von Luise Ederer aus dem Jahr 1920. Das Mosaik ist beschädigt. Das Gartenamt sucht Paten, die es erhalten wollen. FOTO: Hans-Juergen Bauer (hjba)
Heerdt. Der Heerdter Friedhof besteht seit 1867. Bedeutende Persönlichkeiten haben dort ihre letzte Ruhe gefunden. Dazu zählen Kay und Lore Lorentz und Professoren der Kunstakademie wie Erwin Heerich oder Theo Champion. Von Heide-Ines Willner (Text) und Hans-Jürgen Bauer (Fotos)

Orkan "Ela" hat eine Schneise der Verwüstung durch die Gräberreihen geschlagen: 207 Bäume mussten sofort gefällt, 354 rabiat beschnitten und unter Beobachtung gestellt werden. "Ein Totalschaden", sagt Jörg Deter, Abteilungsleiter Friedhöfe und Krematorium, bei einem Rundgang über den Heerdter Friedhof. "45 Prozent seines Baumbestandes hat er durch Ela verloren." Die Aufforstung und neue Achsengestaltung beginne im kommenden Frühjahr - dank der großzügigen Spende des Heerdter Autohauses Moll in Höhe von 30.000 Euro.

Das älteste Grabmal aus dem Jahr 1841 ist Peter Reinartz gewidmet. FOTO: Hans-Juergen Bauer (hjba)

Der Rundgang beginnt am ältesten Grabstein des Friedhofs aus dem Jahr 1841. Gewidmet ist er Peter Joseph Cornelius Reinartz, dem ehemaligen Präsidenten des Heerdter Kirchenvorstandes. "Er hatte Teile der neuen Friedhofsfläche zur Verfügung gestellt. Sein Grabstein wurde vom alten Kirchhof an St. Benediktus auf den neuen Friedhof umgesetzt", weiß Deter.

Das Hochkreuz mit den sieben Priestergräbern, einst von Linden beschattet, ist nun weithin sichtbar. Dort wurde zum Beispiel der Bunkerpfarrer Carl Klinkhammer beigesetzt. An den von den Nazis verfolgten Pfarrer Gottfried Hötzel erinnert ein Gedenkstein. Beim Gang durch die Reihen tauchen immer wieder bekannte Namen von Persönlichkeiten auf, die im linksrheinischen Düsseldorf gewohnt und sich über den Stadtbezirk hinaus für die Gesellschaft eingesetzt haben. Zum Beispiel Kay und Lore Lorentz, Gründer des Kom(m)ödchens, oder das Familiengrab des letzten Heerdter Bürgermeisters Nikolaus Knopp. Er hatte 1909 die Eingemeindung nach Düsseldorf unterstützt und abgewickelt. Nach ihm wurde der Platz im Zentrum Heerdts benannt.

Familiengrab des letzten Heerdter Bürgermeisters Nikolaus Knopp, der 1909 die Eingemeindung abwickelte FOTO: Hans-Juergen Bauer (hjba)

Das Grab des ehemaligen Chefarztes des Dominikus-Krankenhauses, Karl Wiedehage, ist mit einem riesigen Kreuz bedeckt, das aus dem Atelier des Bildhauers Joseph Beuys stammt. "Der Arzt soll Beuys einst eine Niere entfernt haben", hat Deter recherchiert. Beuys habe auch den Stein für das Grab von Walter Ophey nach dem Entwurf von Ewald Mataré gefertigt. Auch andere Künstler und Bildhauer haben Grabsteine entworfen und selbst hergestellt. Zum Beispiel Wilhelm Hanebal für die Familien Maerz/Balzer oder Joseph Enseling für die Forkardts. Erwin Heerich hat seinen geflügelten Stein selbst gestaltet. Er war Professor der Kunstakademie und hat auch künstlerisch beim Aufbau der Museumsinsel Hombroich mitgewirkt. Der Name des Oberkasseler "Malerfürsten" Theo Champion, ebenfalls Akademieprofessor, ist auf einem Grabstein zu entdecken. Er lebte einst in der Villa Flora in Oberkassel. Nach ihm wurde jüngst eine Straße im Belsenpark benannt.

Doch nicht unter jedem Stein befindet sich noch ein Grab. Deter: "Die Gräber wurden zwar aufgegeben, wir aber wollen bedeutende Grabsteine erhalten." Zum Beispiel den von Hans und Johanna Hammerschmidt aus dem Jahr 1926 oder den Mosaikstein von Luise Ederer (1920), der einen Engel darstellt. Das Bild beginnt zu bröckeln, Teile sind schon herausgebrochen. "Wir suchen Paten, die die Pflege übernehmen wollen", sagt Deter in der Hoffnung, dass sich jemand beim Gartenamt melden wird. Folgt der Grabschmuck mit Engeln, Kreuzen oder Paradies-Szenen meist der traditionellen Linie, gibt es andere, die etwas über die Toten aussagen, eine persönliche Symbolik haben. So weist die Abbildung von Käthe Scholten, die eine Technische Lehrerin war, auf den Bergbau hin. Und Marc Robbers war so kunstinteressiert, dass er sich zwei Stühle aus dem Baustoff Cortenstahl aufs Grab setzen ließ. "Eine Ausnahme", sagt Deter. Diese Art der Gestaltung sollte nicht um sich greifen.

Marc Robbers war an Kunst interessiert. Neben die drei Stelen ließ er zwei seiner Lieblingsstühle auf sein Grab setzen.
Quelle: RP
 
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