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Heerdt
Großes Bündnis fürs Dominikus

Heerdt. Zur Mobilen Redaktion in Heerdt brachten die Besucher viele gute Argumente für den Erhalt des linksrheinischen Krankenhauses mit. Von Christian Herrendorf und Heide-Ines Willner

Obwohl sich alle einig waren, wurde bei der Mobilen Redaktion am Nikolaus-Knopp-Platz so intensiv diskutiert wie selten. Die vielen Besucher zeigten nachdrücklich ihr Engagement für "ihr" Krankenhaus und lieferten in der aktuell angespannten Lage viele Argumente für den Erhalt des Dominikus'. Das Haus befindet sich in einer Insolvenz in Eigenverwaltung und braucht einen Investor, um mittelfristig weiterzubestehen. Nach Angaben des Hauses gibt es zahlreiche Interessenten, mit denen derzeit Gespräche geführt werden.

Für den möglichen neuen Träger zählt natürlich vor allem die Nachfrage, auch in diesem Punkt brachten die Bürger aus dem Linksrheinischen gute Argumente mit. 10.000 stationäre und 20.000 ambulante Patienten werden pro Jahr im Dominikus versorgt. "Allein im ersten Quartal 2016 hatten wir einen Leistungszuwachs von zehn Prozent", ergänzte der Ärztliche Direktor Christof Wald. Reiner Krause, Vorsitzender des Dominikus-Fördervereins, berichtete von Zuspruch aus dem gesamten Linksrheinischen: "Auch die Menschen in Lörick und Niederkassel, setzen sich für den Erhalt ein. Das Einzugsgebiet reicht bis Kempen." Dieter Lepiorz bestätigte neben den guten Zahlen auch die Qualität der Arbeit. "Die Ambulanz ist super organisiert, es wäre völlig unlogisch, dass jetzt abzubauen." Auch Hans-Wilfried und Ursula Danscher sowie Hilde Hildebrand erzählten, dass sie mehrfach im Dominikus behandelt wurden und immer "beste Erfahrungen" dort gemacht haben.

Vielen Bürgern bereitet die Distanz zu den Krankenhäusern, zu denen sie fahren müssten, wenn es kein Dominikus mehr gäbe, große Sorgen. Marianne Hering, die 15 Jahre in Heerdt als Krankenschwester gearbeitet hat, hält ein Aus allein wegen der Akutversorgung nicht für verkraftbar. Das ist auch die Meinung ihrer ehemaligen Kollegin Brigitte Kloeters: "Der Weg in die Innenstadt und auch nach Neuss ist zu weit. Denn im Notfall zählt jede Minute, jeder kann zum Notfall werden." Heidi Rösler berichtete, dass ihr Mann gerade im Dominikus liegt und von dort sah, welche Probleme zu befürchten stehen. "Am Freitag hat auf der Kniebrücke ein Auto gebrannt und es ging nichts mehr. Stellen Sie sich mal vor, in so einer Situation müssen Sie zum EVK fahren." Piotr Gwózdz, niedergelassener Arzt in Heerdt, bekräftigte dieses Argument: "Die Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus ist komplikationslos. Wenn wir Patienten auf die andere Rheinseite bringen müssen, wird es sicher schwierig, dort Termine zu finden."

Ursula und Udo Tuntke stießen das Thema Neubürger an. "Durch große Bauprojekte wächst die Bevölkerung, das können Stadt und Land nicht einfach ignorieren." Im Jahr 2025 werden voraussichtlich 46.000 Menschen im Linksrheinischen wohnen. Hinzu kommen unter anderem die Zentrale von Vodafone mit ihren vielen Mitarbeitern und die neue koptische Gemeinde am Handweiser. "Die Bürger werden immer älter, der Bedarf wird steigen. Das zeigt sich auch jetzt schon, wenn man sieht, wie eng die Seniorenresidenzen im Linksrheinischen mit dem Krankenhaus verbunden sind", sagte Rainer Schütz.

Die Bürger brachten ihre Unterstützung für die Klinik auch schriftlich zum Ausdruck. Franz Maes und Dieter Lenz präsentierten eine Liste mit 60 Unterschriften von Neubürgern des seniorengerechten Wohnprojekts "RKM 740", das an der Pariser Straße in Nachbarschaft zum Dominikus entstanden ist. "Es ist für uns Schwerkranke und Behinderte unzumutbar zwecks medizinischer Versorgung bis nach Neuss zu fahren", sagten sie. "Wir fordern die Landes- beziehungsweise Kommunalpolitik auf, mehr Zivilcourage zu beweisen, damit das Krankenhaus erhalten bleibt." Die Anwohner erklärten deshalb, dass sie geschlossen die Petition des Heerdter Bürgervereins zum Erhalt unterstützen. Der Vorsitzende des Vereins, Clemens Sökefeld, sagte, es sei unklar, ob die Stadtspitze hinter den Bürgern stehe: "Wir haben Oberbürgermeister Geisel per E-Mail um eine Stellungnahme gebeten."

Die Heerdter können auf eine positive Antwort hoffen: Zu den Gästen der Mobilen Redaktion zählten auch Gesundheitsdezernent Andreas Meyer-Falcke sowie Politiker aus Landtag und Rathaus. Sie alle haben zwar keinen Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung und die Entscheidungen der interessierten Investoren. Aber sie wollen dem Wunsch der Bürger politisch Nachdruck verleihen. Auf Antrag der CDU-Fraktion stimmt der Stadtrat am Donnerstag darüber ab, ob sich die Politiker für den Erhalt aussprechen und den Oberbürgermeister auffordern, sich bei der Landes- und Bezirksregierung fürs Dominikus einsetzen. Ein breites Bündnis - wie am Nikolaus-Knopp-Platz - gilt als wahrscheinlich.

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Quelle: RP
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