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Heerdt/Stadtmitte
Heerdter inszeniert Hauptmann-Stück

Heerdt/Stadtmitte. Die Gaunerkomödie "Schluck und Jau" des schlesischen Dramatikers Gerhart-Hauptmann wird heute im nach ihm benannten Haus aufgeführt. Wilhelm Schiefer hat das Stück mit dem Büchner-Ensemble einstudiert. Von Monika Götz

An die Aufführung von Hauptmanns "Schluck und Jau" 1954 auf der Bühne des Saals im katholischen Vereinshaus in Heerdt kann sich Wilhelm Schiefer noch genau erinnern: "Es war der krönende Abschluss meiner dortigen Theaterzeit." Denn danach machte der 1935 in Heerdt geborene und heute in Kaarst lebende Künstler im Comenius-Gymnasium Abitur und beendete seine Arbeit als Leiter der Theater AG der Gemeinde St. Benediktus.

Dass die nur noch selten gespielte Gaunerkomödie von Gerhart Hauptmann heute wiederum unter seiner Regie in Düsseldorf auf die Bühne kommt, freut Schiefer. Die Rollen sind mit Mitgliedern des Büchner-Ensembles in Kaarst besetzt, das seit Jahren erfolgreich anspruchsvolle Literatur auf die Bühne bringt. Bei den Erzählungen um diese aus einem Schülerensemble hervorgegangenen Gruppe fällt Schiefer sein Bühnen-Start ein: "Meine erste Rolle als Zwölfjähriger in der ziemlich aktiven Theater-AG der KJG in Heerdt war ein Teufel. Das kam bei den Mädchen gut an, sie fanden es toll."

Als der damalige Spielleiter Mattes Kiefer bald darauf die Leitung der Theater-AG aufgab, dachte sich der 14-jährige Wilhelm: "Das mache ich jetzt weiter. So spielten wir erfolgreich Komödien und alle waren begeistert. Offenbar hatte ich damals schon eine pädagogische Ader", sagt der ehemalige Kunst- und Deutsch-Gymnasiallehrer.

In dieser Nachkriegszeit wurde sehr viel Theater gespielt. Inspirationen für die Heerdter Laien-Schauspielgruppe holte sich Schiefer aus Komödien, die als Vorlage im Bärenreiter-Verlag erschienen waren: "Diese Stücke mit schlichten deftigen Typen hatten viel Erfolg." Er erinnert sich gut an die Zeit zwischen 1945 und 1950 in Heerdt: "Kaplan Pietsch engagierte sich sehr und bemühte sich um einen 'kümmerlichen Aufbau'". Der Kaplan begleitete die Jugendlichen auch in ein Ferienlager in der Eifel. Geschlafen wurde dort in einer Scheune oder im Feuerwehr-Haus: "Und gewaschen haben wir uns in einem Bach." Auch die Fahrt in die Ferien ist noch präsent: "Wir fuhren in einem Lkw dorthin, auf dem provisorisch zusammengebaute Bretter als Sitzbänke dienten."

Später entdeckte Wilhelm Schiefer im traditionellen Sternverlag eine antiquarische Ausgabe von "Schluck und Jau": "Ich habe sie für zwei Mark gekauft." Sie diente jetzt als Manuskript für die Inszenierung mit dem Büchner-Ensemble. Zur Aufführung der Komödie des Schlesiers Gerhart Hauptmann im Kaarster Tuppenhof hatte Wilhelm Schiefer Bekannte aus Heerdt eingeladen: "Schließlich sind dort meine Wurzeln." Dass zwei ältere Damen mitkamen, die 1954 in seiner Heerdter Aufführung als Tänzerinnen aufgetreten waren, freute ihn besonders.

Jetzt aber konzentriert sich das Theater-Team auf die Aufführung der mit schlesischem Dialekt angereicherten Komödie heute um 19.30 Uhr im Gerhart-Hauptmann-Haus, Bismarckstraße 90. Der Eintritt ist frei. "Hier auf der Bühne stehen zu dürfen, empfinden die engagierten Laien-Schauspieler als eine besondere Auszeichnung." Und das Publikum kann sich auf ein "Spiel von Traum und Wirklichkeit" und damit eine komödiantisch aufbereitete Geschichte freuen.

Quelle: RP
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