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Heerdt
Mehr Wohnungen für die "Grünau"

Heerdt. Die Städtische Wohnungsbaugesellschaft Düsseldorf (SWD) hat ein Gutachterverfahren gestartet. Drei Entwurfs-Teams aus Städte- und Landschaftsbau sowie Lärmschutz sollen neue Perspektiven für die Siedlung entwickeln. Von Heide-Ines Willner

Die Wohnsiedlung "Grünau" ist in die Jahre gekommen und soll städtebaulich aufgewertet werden. Das bedeutet, das gesamte Areal zwischen Kevelaerer und Gustorfer Straße zu verdichten und die 35.000 Quadratmeter Wohnfläche um 6000 bis maximal 9500 Quadratmeter zu erhöhen. Dabei sollen ungenutzte Freiräume wie Garagenhöfe bebaut und Dachgeschosse ausgebaut werden. Etwa 95 Wohnungen könnten so neu entstehen.

Ziel ist eine bessere Durchmischung der Siedlung mit weiteren preisgedämpften Wohnangeboten für unterschiedliche Ansprüche. Im Rahmen des Handlungskonzepts Wohnen wird ein Mix aus größeren und kleineren Wohnungen für Familien Paare und Singles angestrebt.

Die Städtische Wohnungsbaugesellschaft Düsseldorf (SWD) als Eigentümerin hat dazu ein Gutachterverfahren in Gang gesetzt. Drei Entwurfs-Teams aus Städtebau, Landschaftsbau und Lärmschutz sollen "neue Perspektiven für die Grünau" entwickeln. Die Sprecher der heutigen 1000 Grünau-Bewohner sollen dabei gehört werden. Darüber ist Anwohnerin Anja Walewski froh, denn sie hofft, dass die große Wiese am Ende der Knechtstedenstraße als Freifläche für die Nachbarschaft erhalten bleibt.

Mit im Boot sind auch die linksrheinischen Bezirksvertreter, die zu ihrer jüngsten Sitzung über den Auslobungstext berieten. Das Ergebnis: Alle Fraktionen stimmten für das Gutachterverfahren und die Einbeziehung der Bevölkerung. "Eine spannende Sache", sagte Markus Loh (Grüne), wenn auch eine höhere Versiegelung zu erwarten sei. "Gut ist, dass die Bürger frühzeitig ihre Wünsche einbringen können." Loh regte an, dass eine Wegeverbindung zum Heerdter Freizeitpark Sinn mache und der "gläserne" Teil der Lärmschutzwand an der Kevelaerer Straße eine Vogelfolie bekommen sollte. Tobias Kühbacher: "Mehr und auch höherwertigen Wohnraum zu schaffen, ist gut." Allerdings störte es ihn, dass nur zwei Drittel der Häuserzeile entlang der Kevelaerer Straße zusätzlichen Lärmschutz bekommen sollen. Sven Holly (CDU) wies darauf hin, dass es keine Verschlechterung für die Bestandsmieter geben sollte und Spielplätze zu berücksichtigen seien. Für Georg Blanchard (Linke) sind die Schließung von Lücken und auch der Ausbau der Dachgeschosse kein Problem. "Aber das Aufstocken der Häuser halte ich für schwierig."

Die Siedlung "Grünau" entstand aus einem Barackendorf, das nach dem Ersten Weltkrieg 1920/26 von der belgischen Besatzung als Militärlager aufgebaut wurde. Nach Abzug der Besatzungstruppen übernahm die Stadt Düsseldorf Gelände und Bauten. Deutsche Familien zogen in die Steinbaracken. Familien, die vom Lande kamen und in der Stadt Arbeit suchten. Und diese fanden sie 1929 bei der Rheinbahn, die damals das Heerdter Depot errichtete. Im Zweiten Weltkrieg wurden viele Baracken zerstört, die Bewohner suchten vorübergehend im benachbarten Hochbunker (Bunkerkirche) Schutz. Die restlichen Baracken wurden 1952/53 abgebrochen und die heutige Siedlung Grünau im Stil der Gartenstädte mit modernen Wohnungen und Bad entstand.

Heute besteht die Bewohnerstruktur teilweise noch aus Alteingesessenen, die seit den 1950er Jahren in der Siedlung leben und aktiv an deren Gestaltung mitgewirkt haben. Der größere Teil der Bewohnerschaft ist aber neu Zugezogen, oft mit Migrationshintergrund. An Ort und Stelle gibt es das Mieterbüro des SWD und Betreuungsangebote, die die Bewohner der Grünau zusammenhalten.

Quelle: RP
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