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Heerdt
Politiker sträuben sich gegen weitere Hallen

Heerdt: Politiker sträuben sich gegen weitere Hallen
Auf der Brachfläche Im Anschluss an die grauen Hallen soll das neue Logistikzentrum entstehen. Erschlossen wird es über die Clarissenstraße. FOTO: Christoph Reichwein
Heerdt. Die linksrheinischen Bezirksvertreter lehnen vorerst den Bau eines zweiten Logistikzentrums in Heerdt ab. Von Heide-Ines Willner

Die Nerven der linksrheinischen Bürger liegen fast schon blank. Immer mehr Flächen werden versiegelt, immer mehr Verkehr belastet die Wohngebiete. Dass jetzt, mit dem Bau eines weiteren Logistikzentrums auf der Brache an der Clarissenstraße 44 offenbar das Limit überschritten ist, zeigte sich bei der jüngsten Sitzung der Bezirksvertretung 4 (BV). Denn niemand, weder CDU, FDP, Grüne, SPD noch Linke, konnten dem Bauantrag für ein Auslieferungslager für Online-Bestellungen etwas abgewinnen. Mit der Begründung, es gebe noch Beratungsbedarf, wurde die Vorlage in seltener Einigkeit der linksrheinischen Parteien mehr oder weniger heftig abgeschmettert.

Bezirksbürgermeister Rolf Tups (CDU) hatte dazu sogar den Vorsitz an seinen Vize, Axel Warden, abgegeben, damit er sich als "normales Mitglied" frei äußern konnte. "Wir sind für Wirtschaft und Nahversorgung", betonte er. Aber einen ebenso hohen Stellenwert habe die Bewältigung der Verkehrsprobleme. "550 zusätzliche Lkw pro Tag, das ist zu viel für Wiesen-, Düsseldorfer- und Heerdter Landstraße und nicht zuletzt für den Handweiser." Seit Jahren seien die Verkehrsprobleme in Heerdt ein Thema, aber nichts ändere sich, kritisiert Tups, der zum x-ten Mal auf den seiner Ansicht nach vernachlässigten, von Lkw überschwemmten Handweiser hinweist. "Wir haben jahrelang alle Hebel in Bewegung gesetzt, um eine Lösung für den belasteten Heerdter Verkehrsknoten zu erreichen - leider vergeblich." Auch auf die Ergebnisse der Schadstoffmessungen warte die BV noch immer. "Der Handweiser ist stärker mit Schadstoffen belastet als die Corneliusstraße", ist Tups überzeugt, der so verärgert ist, dass er eine Demonstration nicht ausschließt.

Sein Fraktionskollege, CDU-Ratsherr Giuseppe Saitta, wies darauf hin, dass sie jüngst einem Logistikzentrum in Heerdt zugestimmt hätten, ein zweites sei ohne schlüssiges Verkehrskonzept nicht tragbar. Und Ulrich Peters (FDP) stellte klar: "Wir können der Vorlage nicht zustimmen." Markus Loh (Grüne) sprach ebenfalls die hohe Verkehrsbelastung im Linksrheinischen an. "Wir müssen zuerst untersuchen, welche Auswirkungen das Logistikzentrum haben wird." Deshalb sollte der Beschluss für den Bauantrag zurückgestellt werden. Die SPD äußerte sich ebenfalls kritisch und fragte, wie viel Potenzial insgesamt in der Fläche an der Clarissenstraße noch stecke. "Wir erwarten schlüssige Antworten", so Tobias Kühbacher.

Clemens Sökefeld, Vorsitzender des Heerdter Bürgervereins, versichert, dass der Verein Ansiedlungen von Unternehmen unterstütze, aber der Bauantrag enthalte gravierende Fehler. "Es handelt sich eben nicht, wie dort beschrieben, um ein reines Gewerbegebiet. Denn auf beiden Seiten der Clarissen-, Rudolf- und Pestalozzistraße befinden sich Wohngebäude." Zum Beispiel sei extra auf der Rudolfstraße ein Gehweg gegen den Willen der Anwohner angelegt worden. Die Stadt habe ihn mit "es handelt sich um eine Anwohnerstraße" gerechtfertigt. Eine reibungslose Abwicklung des Logistikverkehrs sei schon heute nicht mehr möglich. Jeder zusätzliche Verkehr würde zum Infarkt führen. "Es ist absolut unverständlich, warum weiteres Gewerbe angesiedelt werden soll, das ausschließlich mit Dieselfahrzeugen und zum großen Teil von Neuss und Meerbusch kommend über den Handweiser angefahren wird", so Sökefeld.

Falls der Bauantrag genehmigt werden sollte, sind künftig drei Logistikzentren dicht beieinander: Die Firma Dachser, die zu Neuss gehört (die Lkw verirren sich oft in Heerdt), und das neue Zentrum an der Wiesenstraße. Trotz unterschiedlicher Eigentümer und Adressen verschmelzen die Hallen zu einem Riesenkomplex.

Quelle: RP
 
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