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Heerdt/Lörick
Schützen wollen auf Reichskriegsflagge verzichten

Heerdt/Lörick: Schützen wollen auf Reichskriegsflagge verzichten
Ein letztes Mal tragen die Löricker die umstrittene Fahne. FOTO: Schützen
Heerdt/Lörick. Nach dem Eklat um das Tragen der Flagge will man nicht nur beim Heerdter, sondern auch beim Löricker Verein nachgeben.

Die Heerdter Schützen reagieren auf die Kritik, dass ihre Marine-Kompanie am Sonntag beim Festumzug mit der Reichkriegsflagge durch die Straßen zog. Geht es nach Schützenchef Heinz-Dieter Werner, wird die Flagge, die bis 1892 offizielle Kriegsflagge der kaiserlichen Marine und bis 1921 als Reichskriegsflagge von den Streitkräften des Deutschen Reichs geführt wurde, abgeschafft. "Ich werde das der Marine-Kompanie vorschlagen und hoffe, dass sie sich zur Generalversammlung am 1. November dazu äußern wird. Denn wir sollten überlegen, ob wir uns das immer wieder antun wollen, regelmäßig vorgeführt und in die rechtsextreme Ecke gestellt zu werden."

Bei den Löricker Schützen wurde die umstrittene Flagge in diesem Jahr definitiv zum letzten Mal getragen, sagt Schützenchef Thomas Hummelsbeck. "Nach dem Ende des Festes hat die Marinekompanie Heimattreue sie selbst eingerollt mit der Aussage, sie künftig im Schrank zu lassen." Bei der Flagge sei es einzig um die Tradition gegangen und nicht um eine politische Aussage. "Doch wir müssen Schaden vom Verein abwenden."

Hans-Dieter Caspers, erster stellvertretender Vorsitzender der Interessengemeinschaft Düsseldorfer Schützenvereine, befürwortet den Verzicht auf die Flagge. Denn diese sei eben keine Schützenflagge und habe daher auch nichts in einem Brauchtumsverein zu suchen, findet Caspers, der auch Ehrenchef der Bilker Schützen ist. Eine Kompanie des Vereins habe vor 25 Jahren die Reichskriegsflagge bei einem Umzug getragen, worauf es zum Eklat gekommen sei. Damals habe der Fall allerdings anders gelegen: "Eine Gruppe von gut zehn rechtsradikalen Männern versuchte, unsere Marine-Kompanie feindlich zu übernehmen. Sie traten alle auf einmal ein und trugen dann die Flagge." Bevor man sie aus dem Bilker Schützenverein habe herauswerfen können, seien die Männer selbst ausgetreten. Eingetreten seien die Männer damals vor allem, um über die Mitgliedschaft in dem Sportschützenverein schneller und besser an Waffen zu kommen, so Caspers.

Bezirksbürgermeister Rolf Tups lässt auf die Heerdter Schützen nichts kommen. "Seit 17 Jahren besuche ich ihre Schützenfeste und habe nur offene und vernünftige Schützen aus allen Schichten der Bevölkerung getroffen. Wir sollten aufhören, sie zu politisieren." Weil es sich meist um traditionelle Vereine und historische Bruderschaften handele, sollten die Verantwortlichen aber auch darüber nachdenken, ob das, was ihnen die Vorväter vererbt haben, noch zeitgemäß sei.

(hiw/semi)
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