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Himmelgeist
Aus Himmelgeister Kastanie wird Kunst

Himmelgeist: Aus Himmelgeister Kastanie wird Kunst
Andreas Vogt vom Freundeskreis (v.l.), Jücht-Graf Ingo Dziobaka, Gartenamtschefin Doris Törkel und Hermann Graf Nesselrode vom Eigentümer Arenberg, finden die Kunstwerk-Lösung toll. FOTO: günter von ameln
Himmelgeist. Aus der toten Kastanie im Himmelgeister Rheinbogen wird noch in diesem Monat ein geschnitzter, gut vier Meter großer Baumgeist. Die Arbeiten des Künstlers Jörg Bäßler beginnen bereits am 14. Dezember. Von Maximilian Krone und Miriam Wassermann

Die Kastanie mit eigenem Postfach ist tot. Soviel stand schon länger fest. Leblos und ohne Blätter stand der mächtige Baum zuletzt im Himmelgeister Rheinbogen. Im November brach in einem Sturm einer der Hauptäste ab. Spätestens da war deutlich geworden, dass eine Lösung für den toten Baum gefunden werden musste. Gestern wurde sie bei einem Termin am Baum öffentlich gemacht: Aus der Kastanie wird ein Kunstwerk, ein vier Meter großer in den Stamm geschnitzter Baumgeist.

Lange haben Gartenamtsleiterin Doris Törkel, der Eigentümer, die Arenbergische Forstverwaltung, und der Freundeskreis Himmelgeister Kastanie überlegt, was aus der 200 Jahre alten Kastanie werden soll. Drei Szenarien gab es: "Wir hatten die Wahl, die Kastanie zu fällen, sie kontrolliert verrotten zu lassen oder daraus ein Kunstwerk zu machen und sie so noch einige Jahre zu erhalten", sagte die Leiterin des Gartenamtes, Doris Törkel.

Bei der Umsetzung geht es nun schnell. Noch bis zum 14. Dezember haben die Besucher Zeit, den Baum in seinem jetzigen Zustand zu betrachten. Danach werden die Äste abgetragen. Ab dem 15. Dezember beginnt Holzkünstler Jörg Bäßler mit seiner Arbeit. Er wird den Baum auf eine Höhe von drei bis vier Metern stutzen und dann mit einer Kettensäge einen Baumgeist schnitzen. Für die Arbeiten wird er etwa zwei bis drei Tage benötigen. Besucher können zuschauen.

Dass der Baum nicht gefällt wird, sorgte gestern bei allen Anwesenden an der Kastanie für Erleichterung. "Mit einer Fällung wäre auch ein Stück weit die Mystik dieses Ortes verlorengegangen", sagte Törkel. Auch Baumgeist Andreas Vogt ist mit der Entscheidung zufrieden, zugleich aber auch traurig über den Verlust des Baumes. "Jetzt heißt es Abschied nehmen. Wir sind sehr traurig, dass es den Baum in seiner jetzigen Form nicht weiter geben wird", sagte er. Das Postfach werde aber trotzdem erhalten bleiben. "Die Leute können weiterhin schreiben. Wir werden alle Briefe, Emails und Facebooknachrichten auch weiterhin beantworten." Unweit der großen Kastanie wurde bereits 2007 eine kleine gepflanzt.

2006 wurde durch einen Baumsachverständigen entdeckt, dass die Kastanie, wie viele gleichartige Bäume auch, vom Pilz "Phytophthora" befallen ist. Dieser entzieht den Kastanien wichtige Nährstoffe, was fast immer zum Absterben des Baumes führt. Besonders im vergangenen Jahr hatte sich der Zustand noch mal verschlechtert. Neben dem Pilzbefall hatte der Baum auch mit der "Miniermotte" zu kämpfen, die die Blätter der Kastanie schädigt und zum Absterben bringt. Alle Versuche des Gartenamtes, den Baum mit ökologischen Gegenmaßnahmen zu retten waren gescheitert, so dass von dem Baum nun nicht viel mehr übrig ist, als ein stolzes Gerippe aus Ästen.

Besondere Symbolik hatte beim Termin vor der Kastanie auch die Anwesenheit von Ingo Dziobak. Er ist der Jücht-Graf, stellt das männliche Gegenstück des Baumgeistes dar, und ist damit historisch gesehen die Person, die die Kastanie vor etwa 200 Jahren gepflanzt hat. Nun ist er auch bei ihrem Ende wieder dabei. Die Kosten für die Abtragen der Äste und das Engagement des Künstlers Jörg Bäßler betragen laut Gartenamt etwa 3000 Euro und werden komplett von der Stadt getragen.

Quelle: RP
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