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Himmelgeist
Die Königsmacher

Himmelgeist: Die Königsmacher
Ein eingeschworenes Trio (v.l.): Adjutant Willi Stoffels, sein Sohn Christian (Prinz) und Schützenkönig Ulrich Woidtke. FOTO: Jana Bauch
Himmelgeist. Heute startet das Schützenfest der St. Sebastianer in Himmelgeist. König Ulrich Woidtke nimmt morgen als Höhepunkt seiner Amtszeit die Parade ab. Dabei hatte der 53-Jährige anfangs keine Lust, das Amt zu übernehmen. Von Rosalia Pavlakoudis

Da haben zwei ein Komplott geschmiedet: Christian Stoffels und Claudia Woidtke. Das weiß inzwischen auch Ulrich Woidtke, amtierender Schützenkönig der St. Sebastianus Schützenbruderschaft Himmelgeist und Ehemann von Claudia (51).

"Die beiden haben abgesprochen, ich sollte König werden", sagt der 53-jährige Bauunternehmer, und ergänzt: "Ich hatte da wenig mitzureden." Heute kann er darüber lachen, aber Schützenkönig wollte er eigentlich nie werden.

Nun sitzt er bei Kaffee und selbst gepflückten Blaubeeren auf der Terrasse von Familie Stoffels. Mit von der Partie ist Willi Stoffels (53). Der Senior kennt sich im Schützenwesen aus. Heute ist er der Adjutant seines Freundes Woidtke. Vor zehn Jahren war es genau umgekehrt. Außerdem ist er der Vater vom Prinzen: dem 21-jährigen Studenten Christian Stoffels.

Der Junior - dem Schützenwesen ebenfalls verbunden - wollte unbedingt Jungschützenkönig werden. "Aber nur an der Seite eines guten Königs", erzählt der 21-Jährige. Die Woidtkes seien langjährige Freunde der Familie und hätten in seinen Augen das ideale Königspaar abgegeben. "Meine Eltern meinten aber, das macht Uli niemals mit", sagt Christian Stoffels verschmitzt.

Es waren also egoistische Motive im Spiel. Das gibt er grinsend zu. Er habe auch einmal Prinz werden wollen. Wie sein Vater vor mehr als 30 Jahren. In diesem Jahr aber besonders, um seiner Freundin Lea Heinz (21) zu imponieren. Christian Stoffels: "Frauen können bei uns ja keine Mitglieder werden. Prinz zu sein ist aber viel schöner, wenn man ein hübsches Mädel an seiner Seite hat."

Also schmiedete er einen Plan. Zunächst stattete er Claudia Woidtke vergangenes Jahr heimlich einen Besuch ab. Er weihte sie in sein Vorhaben ein, zuversichtlich, sie werde ihn unterstützen. Er habe Glück gehabt, bemerkt der Junior, denn die Ehefrau des zukünftigen Königs sei in guter Stimmung gewesen. So trafen die beiden ein Abkommen, dass sie ihren Mann überreden sollte, sich am Schießen um die Königswürde zu beteiligen, unter der Bedingung, dass Christian Stoffels am Tag zuvor Prinz wird.

"Meine stille Hoffnung war, dass Christian es nicht schafft", sagt Claudia Woidtke heiter. "Als er die Platte doch runterholte, freuten wir uns aber trotzdem für ihn." Und weil ein Versprechen nicht gebrochen wird, musste Ulrich Woidtke sich am nächsten Tag um die Königsinsignien bemühen. Reibungslos lief das Ganze jedoch nicht. Um König zu werden, musste Woidtke die Platte runter schießen. Das gelang ihm allerdings erst beim zweiten Schuss. Dabei durfte er den eigentlich gar nicht abdrücken. Für Woidtke wurde jedoch ein Auge zugedrückt und so schoss er die Platte doch noch runter und wurde Schützenkönig.

"Letzten Endes war das Jahr als König angenehm", gibt Ulrich Woidtke grinsend zu. Er sei von allen Seiten unterstützt worden, nicht zuletzt von seiner Königin, die ihn überall hin begleitet habe. Und auch sein Adjutant Willi Stoffels sei als Begleiter zu den Schützenfesten anderer Vereine und in organisatorischen Angelegenheiten eine große Hilfe gewesen. "In meiner Amtszeit hatte ich immer das Gefühl, dass um mich herum Matratzen liegen; so weich wäre ich aufgefangen worden, wenn ich gefallen wäre. Der Zusammenhalt in unserer Bruderschaft ist eben groß", fügt er hinzu. Ulrich Woidtke kann sich am Königsschießen frühestens in fünf Jahre erneut beteiligen, denn für diesen Zeitraum ist eine Sperre vorgesehen, die gewährleisten soll, dass auch andere an die Reihe kommen.

Vielleicht ist Christian Stoffels bald so weit, in die Fußstapfen seines Vaters Willi Stoffels zu treten und König zu werden. Das geht bei der Schützenbruderschaft ab 25. Wenn er das nicht will, wer weiß, wer dann die Ränke schmiedet.

Quelle: RP
 
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