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Himmelgeist
Kaum noch zu sehen: der Baumgeist

Himmelgeist. Nachdem die Schnitzerei auf der Himmelgeister Kastanie eine Lasur bekommen hat, wird sie immer dunkler. Der Verfall des Baumrumpfes ist nicht aufzuhalten. Von Birgit Wanninger

Von Ferne erkennt der Spaziergänger nur einen Baumstamm, der einst als prachtvolle Kastanie im Himmelgeister Rheinbogen stand. Wenn der Spaziergänger aber näher kommt, erahnt er die Figur, die der Holzkünstler Jörg Bäßler im Dezember mit der Kettensäge daraus geschnitzt hat. Doch er muss schon direkt vor dem hölzernen Stumpf stehen, um den Baumgeist, den der Künstler geschaffen hat, zu erkennen. Dunkelbraun hat sich das "Kunstwerk" verfärbt. Darüber befindet sich ein heller Rahmen, der eher an Holz erinnert,

Geht es jetzt auch - nach dem Verenden der Kastanie - mit dem Stumpf zu Ende? Nicht nur Spaziergänger sind überrascht, dass sich der Baumgeist dermaßen verdunkelt hat.

Ein Mitarbeiter des Gartenamts schließt nicht aus, dass sich der Zerfallprozess des Baumes fortsetzt. Schließlich habe auch der Pilzbefall den rund 200 Jahre alten Baum dahinraffen lassen.

Dabei ist die Stadtverwaltung mit großem Aufwand (und Kosten) dem Wunsch des Freundeskreises der Himmelgeister Kastanie nachgekommen, den Baum nicht abzusägen, sondern wenigstens in der neuen Form zu erhalten. Doch schon nach wenigen Wochen hatte sich der etwa 3,5 Meter große Elf, der mit einem Arm in Richtung Rhein zeigt, verändert - nicht nur im Gesicht, sondern am ganzen Körper. Es gab erste dunkle Flecken.

Deshalb ließ das Gartenamt eine spezielle Lasur auf den Baumstamm der Himmelgeister Kastanie auftragen. Durch sie sollten die Schnitzarbeit geschützt und der natürliche Zersetzungsprozess verlangsamt werden. Insgesamt wurde der Stamm mindestens zweimal gestrichen.

Beim Gartenamt heißt es, man habe bewusst eine dunkle und nicht eine durchsichtige Lasur gewählt, um die Farbe der Kastanie am geschnitzten "Geist" zu betonen. Das war im März. Denn erst zu dieser Zeit ließ das Wetter zu. Doch inzwischen ist der Geist fast schwarz.

Andreas Vogt, Chef des Freundeskreises, schüttelt den Kopf. "So habe ich mir das nicht vorgestellt", sagt er. "Die Skulptur ist ja fast schwarz." Und Gärtner Karl-Josef Stoffels von der gleichnamigen Gärtnerei, der öfters im Rheinbogen spazieren geht, glaubt, dass die Lasur zu dunkel sei. Er hätte eine hellere oder transparente benutzt.

Eine Lasur sei notwendig, um den Zerfall aufzuhalten, sagt der Künstler Jörg Bäßler. Außerdem werde der Stumpf sonst unansehnlich, meint er. Doch habe er der Verwaltung empfohlen, eine dunklere Lasur zu nehmen. "Und die dunkelt sowieso noch weiter nach. Das gilt auch für die hellen Stellen", sagt er. Am Ende verwittere alles und werde grau. Das sei eben die Natur.

Deshalb sei der Verfall nicht aufzuhalten. Die Insekten täten ihr Übriges. Bäßler gibt dem Stamm höchstens 15 Jahre. Schließlich sei ein Baum nicht für die Ewigkeit gemacht. Allerdings habe er mit Kastanien nicht so viel Erfahrungen, da er vorwiegend mit Eichen arbeite.

Quelle: RP
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