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Holthausen
26 Künstler kreieren ihre eigenes Dorf

Holthausen. In der Ausstellungshalle "Werft 77" im Hafen gibt es eine besondere Ausstellung: die Dörfler-Welt. Es gibt nur drei Regeln für das Miteinander: "Nicht lügen", Nicht ärgern" und "Nicht schlecht über andere Dörfler reden". Von Bernd Schuknecht

Es herrscht rege Bautätigkeit in der Ausstellungshalle "Werft 77" im Reisholzer Hafen, wo bis zur Eröffnung gestern Abend ein Künstler-Dorf, das nicht nur wegen seines kleinen Formats etwas Besonderes darstellt, entstehen sollte. Beteiligt an dem Ausstellungsprojekt sind 26 Künstler aus Japan, Russland, USA und Deutschland. Das Konzept dieser Kunstaktion mit dreiwöchiger Bauzeit und anschließender vierwöchiger Ausstellungszeit hat sich Hiroyuki Masuyama ausgedacht.

Der in Japan geborene und international tätige Künstler, der nach Studium an der Kunstakademie Düsseldorf sowie an der Hochschule für Kunst und Medien in Köln sich dem Verein "Kunst im Hafen" anschloss, ist mit diesem Projekt erstmals auch als Kurator - in diesem Fall als Dorfschulze - tätig. "Mir geht es darum, mit künstlerischen Mitteln den Versuch zu unternehmen, Methoden der Nachbarverständigung auf eine zukunftsfähige Völkerverständigung zu übertragen", sagt Masuyama. Ausgangsbasis seiner Überlegungen ist die Tatsache, dass digitale, rasend schnelle Kommunikationsmittel die Welt zwar längst zu einem globalen Dorf werden ließen. Doch vom Ideal dörflicher Friedfertigkeit zwischen den Bewohnern ist die Welt trotz der hochentwickelten Kommunikationsmöglichkeiten weiter denn je entfernt.

Die formale Ausgangsbasis, sich künstlerisch in das Dorf einzubringen, ist für alle Künstler gleich. Jeder Dörfler hat Anspruch auf rund drei Quadratmeter Grundfläche; viele haben den Platz genutzt, um eine Art Haus zu bauen. Bei C.U. Frank ist es ein "Haus der Fragen" geworden, das auf Russisch, Englisch, Japanisch und Deutsch den Besucher auffordert, Fragen zu stellen. "Mir geht es hier um den Kommunikationsaspekt des Hinterfragens gesellschaftlicher Gegebenheiten. Denn wer nicht fragt, vermag auch nichts zu ändern", erläutert die Künstlerin.

Eine Innenschau deutscher Befindlichkeiten reflektiert die Installation von Birgit Brebeck-Paul, die in ihrer "Laube" die Exotik einer Palme mit einem auf einem Plattenspieler-Teller rotierenden Gartenzwerg kontrastiert. Mit der Mobilität der Zukunft befasst sich die "Fahrradwerkstatt" von Hiroki Tanaka, während Taka Kagitomi auf einer schmalen Planke in knapp drei Meter Höhe eine Art Einsiedlerleben mit eher sparsamen Kontakten zur Dörflerwelt pflegt.

Es herrscht weitgehende Freiheit im Dorf, lediglich die Regeln "Nicht lügen", Nicht ärgern" und "Nicht schlecht über andere Dörfler reden" müssen befolgt werden. Bislang ohne Komplikationen. "Die Atmosphäre hier ist einmalig, häufig essen wir gemeinsam, feiern und tanzen, und manche schlafen hier auch", schwärmt C.U. Frank, und sie hofft, dass sich möglichst viele Besucher von diesem spannenden Dörfler-Leben faszinieren und inspirieren lassen.

Quelle: RP
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