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Holthausen
Als Austauschschülerin in West-Virginia

Holthausen. Die 16-jährige Olivia Pieczewski war auf Empfehlung der CDU-Bundestagsabgeordneten Sylvia Pantel zehn Monate in den USA. Von Beate Gostincar-Walther

Olivia hat - symbolisch betrachtet - noch einen Koffer in West-Virginia. In ein paar Jahren möchte sie zum College-Abschluss ihrer dortigen Freundin noch einmal in die Vereinigten Staaten reisen. Jetzt hat die 16-Jährige nach zehn Monaten als Austauschschülerin aber erst einmal Ferien und freut sich, wieder zu Hause bei ihrer Familie in Holthausen zu sein. Vor einem Jahr bewarb sich Olivia Pieczewski für ein Stipendium, das der Bundestag im Rahmen des Parlamentarischen Patenschafts-Programms (PPP) vergibt. Bundestagsabgeordnete Sylvia Pantel (CDU) übernahm die Patenschaft, weil die Schülerin in ihrem Wahlkreis zu Hause ist. "Ich wollte jemandem eine Chance bieten, der sonst nicht die Möglichkeit dazu hat", erklärt Pantel. Der 3000-Seelen-Ort Weston und die Lewis County Highschool waren der Lebensmittelpunkt von Olivia. In ihren Erzählungen schwingt die Begeisterung über eine unvergessliche Zeit mit: "Die Entfernungen sind unglaublich. Im Winter hatten wir zwei Meter hoch Schnee und im Sommer bis an die 40 Grad", sprudelt die Schülerin des Gymnasium an der Koblenzer Straße nur so heraus.

Ihre erste Gastfamilie habe sie nach der Hälfte der Zeit verlassen, weil die Wellenlänge nicht stimmte. "Der Wechsel klappte aber ganz schnell", erzählt Olivia. Unkompliziert und sagenhaft sei die Hilfe und Solidarität ihrer Freundin und ihrer Lehrer gewesen. Bei der zweiten Familie klappt es dann umso besser. 70 Prozent der Zeit habe sie gemeinsam mit rund 800 Schülern in einer "Art Gesamt-Ganztagsschule" verbracht. "Die Beziehung zu den Lehrern ist viel persönlicher und die unterschiedlichen Interessen der Kinder werden mehr gefördert", erzählt die Gymnasiastin. Neugierige und ziemlich verrückte Fragen haben man ihr gestellt, zum Beispiel, ob Hitler noch lebe. "Aber ich habe gedacht, sollen die doch fragen", meint Olivia lächelnd. Für sie sei es ein "politisches Stipendium" gewesen. Sie habe sich als Botschafterin ihres Landes verstanden und deshalb war ihr wichtig, einen positiven Eindruck zu hinterlassen.

Betroffen macht sie die politische Kultur in den USA. "Es gibt nur Republikaner oder Demokraten, dazwischen nichts. Und die Meinungen sind erschreckend festgefahren", sagt sie kopfschüttend. "Einmal monatlich hatten wir in der Schule eine Übung für den Fall eines Amoklaufes", erinnert sie sich. Die Begeisterung für Waffen - und das von klein auf - sei beängstigend. Und dass Schwarze und Frauen nicht die gleichen Rechte wie andere hätten, sei schlimm.

"Das hört sich jetzt manchmal kritisch an, aber es war trotzdem eine wunderbare Zeit", sagt sie zwischendurch nachdenklich. Sie habe tolle Menschen kennengelernt und ein neues Hobby gefunden. Ihre Literaturlehrerin habe die Liebe zum Lesen bei ihr geweckt. Dass das schulische Krafttraining ihr Knie nicht mitmachte und sie damit eine Weile außer Gefecht gesetzt war, nimmt sie mit Humor: "Sowas braucht man nicht, aber ich habe mich nicht gefürchtet, obwohl ich so weit weg von zu Hause war."

Olivia hat vieles in ihrem Herzen mitgebracht: Schönes und Kritisches, ungewohnten Patriotismus, Solidarität und Gleichgültigkeit, Zuwendung und Ausgrenzung. "Ich habe gelernt, viele Dinge zu schätzen. Wir sind in Deutschland privilegiert", ist sich Olivia sicher. Mancher ihrer dortigen Mitschüler müsse neben der Highschool noch arbeiten, um später das College besuchen zu können

Quelle: RP
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