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Holthausen
Baustillstand auf unbestimmte Zeit

Holthausen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt (noch) nicht gegen den Bauherrn, der an dem Eckgrundstück Bonner Straße/Heggemannstraße eine Grube ausheben ließ, ohne dass ihm bereits alle Genehmigungen vorlagen. Von Andrea Röhrig und Birgit Wanninger

Erst seit gestern liegen dem Bausaufsichtsamt die Unterlagen des Gutachters für die Statik des inzwischen einsturzgefährdeten Hauses an der Baustelle Heggemannstraße vor. Und damit hätte auch gestern eigentlich erst begonnen werden dürfen, auf dem früheren Parkplatz an der Ecke zur Bonner Straße eine tiefe Grube auszuheben, erklärt Karl-Heinz Schrödl, stellvertretender Leiter des Bauaufsichtsamts, auf RP-Anfrage.

Der Bauherr hatte bereits ohne Genehmigung mit den Arbeiten angefangen. Er hatte mit den Erdaushebungen einfach begonnen und ein Loch ausgehoben - in etwa so groß wie ein halber Fußballplatz. Immerhin soll dort, an der Heggemannstraße/Ecke Bonner Straße, ein Mehrfamilienhaus entstehen. Nachbarn erzählen, dass zwei unterschiedliche Tiefbaufirmen vor Ort gearbeitet hätten. Die erste habe immerhin ein bis zwei Meter Platz beim Ausheben zu den Gebäuden an der Heggemannstraße und der Bonner Straße gelassen. Die zweite Firma sei dann exakt bis zu den Kanten der Garage und der Wohnhäuser gegangen.

Die Baustelle ist am Gründonnerstag stillgelegt worden, nachdem große Risse an der Fassade eines Hauses an der Heggemannstraße aufgetreten waren. Daraufhin hatten Nachbarn die Feuerwehr und die Stadt alarmiert und es stand schnell fest: Die beiden Häuser an der Heggemannstraße sind einsturzgefährdet.

Das Bauaufsichtsamt legte die Baustelle still, "und das wird auch vorerst so bleiben", sagt Schrödl weiter. Auf einen Zeitpunkt, ob und wann die Häuser Nummer 15 und 15 a wieder bezugsfertig sein werden, will er sich nicht äußern. "In absehbarer Zeit kann keiner ins Haus", sagt er. Die Bewohner, ein Paar und ein alleinstehender Mann, mussten Gründonnerstag unverzüglich ihre Wohnungen verlassen.

Das Paar ist bei Freunden untergekommen. Um den Mann, der keine Bleibe fand, hat sich das städtische Wohnungsamt gekümmert, wie es in solchen Fällen üblich ist. Natürlich möchte Schrödl den Mietern die Möglichkeit bieten, einige private Sachen aus den Häusern zu holen. "Aber das kann ich erst, wenn die Statik gesichert ist und wenn ich weiß, wie es im Inneren der Häuser aussieht", sagt er. Auch er hat die beiden betreffenden Häuser noch nicht betreten können. So weiß er nicht, ob es Risse in den Wänden oder an den Decken gibt. Denn dann könnte schon bei der kleinsten Erschütterung die Decke zusammenbrechen. Also ist Vorsicht geboten.

"Auf den Bauherrn kommt noch einiges zu", prognostiziert Schrödl. Zwar ermittelt die Staatsanwaltschaft (noch) nicht, sie wird aber von der Bauaufsichtsbehörde einen Bericht bekommen und dann entscheiden, ob der Tatbestand der Baugefährdung vorliegt. Außerdem könnten die Betroffenen Strafanzeige erstatten. Inzwischen ist auch die Berufsgenossenschaft eingeschaltet. Schrödl: "Verschiedene Stellen sind jetzt damit beschäftigt."

Unter Denkmalschutz, wie manche Nachbarn vermuten, stehen die beiden betroffenen Häuser an der Heggemannstraße, die sich übrigens eine Gebäudewand teilen und deshalb wohl wenn dann gemeinsam abgerissen werden müssen, wohl nicht. Auf jeden Fall sind sie nicht auf der Denkmalliste der Stadt zu finden. Dabei haben sie schon eine historische Bedeutung. Wurden sie doch für Arbeiter der Firma "Düsseldorfer Eisenbahnbedarf AG vormals Carl Weyer & Co." , bei der Kurt Heggemann Generaldirektor war, gebaut. 1959 wurden die Düsseldorfer Waggonfabrik AG in das Uerdinger Geschäft eingegliedert. 1981 erhielt das Unternehmen mit den Werken in Uerdingen und Düsseldorf offiziell den Namen Duewag AG. Acht Jahre später übernahm Siemens das Geschäft und legte 2000 das Düsseldorfer Werk still.

Weil auf dem Areal, auf dem sich nun die riesige Baugrube befindet, einst die Itter entlang lief, endete die Wohnbebauung an der Heggemannstraße auch mit der Hausnummer 15 und lief nicht bis zur Kreuzung Bonner Straße.

Vor vielen Jahren wurde das Eckgrundstück aufgeschüttet und seitdem als Parkplatz genutzt. Anwohner berichteten unserer Zeitung, dass mit dem Aushub der Baugrube bereits begonnen wurde, als noch Autos auf dem Parkplatz abgestellt waren.

Quelle: RP
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