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Holthausen
Berufe praxisnah kennenlernen

Holthausen. Mit einem einjährigen Förderprogramm unterstützt die Firma Henkel Hauptschüler bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Motto: "Kein Abschluss ohne Anschluss". Von Ina Armbruster

Den Online-Test zur Berufsorientierung hätte Maria Gaitanidou eigentlich nicht benötigt. Die 14-Jährige weiß schon lange, dass sie Erzieherin werden möchte. Trotzdem war es eine gute Bestätigung, dass das Testergebnis mit ihrem Wunsch übereinstimmte. Was kann ich gut? Wo liegen meine Interessen? Der Berufsorientierungstest ist immer der Auftakt zum Förderprojekt "Hauptschüler welcome".

Bereits zum siebten Mal begleitet Henkel 24 Neuntklässler von vier Hauptschulen bei ihrem Berufseinstieg. Als Ausbildungsleiter Franz Klüter in den Ruhestand ging, überlegte er, wie er seine Fähigkeiten weiter einbringen konnte - und entwickelte mit seinem ehemaligen Arbeitgeber ein Konzept zur Förderung von Hauptschülern. Die Schüler lernen unter anderem, welche Qualifikationen sie für das Berufsleben mitbringen müssen, wie sie ihre Bewerbungen gestalten und wie sie sich auf die Vorstellungsgespräche vorbereiten. Bei einem Aktionstag lernen die Jugendlichen drei verschiedene Ausbildungsberufe in der Praxis kennen.

"Manche Schüler sagen 'Ich bin nur Hauptschüler' und gehen davon aus, dass sie sowieso keine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben. Diesen Satz, dieses 'nur' sollte eigentlich niemand sagen", betont Klüter. Jeder habe Talente, die es zu entdecken gelte. Deswegen seien auch die Noten für ihn zweitrangig. Für ihn ist die Persönlichkeit wichtiger. Und er weiß, dass dies auch für die Mitarbeiter von Ausbildungsbetrieben gilt: "Ein Schüler, der bei unserem Projekt mitgemacht hat, hatte eine Vier in Mathe und eine ebenso mäßige Deutschnote. Mit diesem Zeugnis hätte er bei einer Bewerbung schlechte Karten gehabt. Aber er hat ein freiwilliges Praktikum als Dachdecker gemacht und war dort so engagiert bei der Sache, dass er den Ausbildungsplatz bekommen hat."

Durchhaltevermögen, Belastbarkeit, Konzentration und Interesse an dem Beruf seien meist die entscheidenden Faktoren. Doch ums Lernen kommen die Schüler trotzdem nicht herum. "Mathe ist für die meisten das größte Problem", weiß Klüter. Aber auch dafür hat er eine Lösung gefunden. Die Schüler üben mit einem speziellen Computerprogramm unter anderem Bruchrechnen und Geometrie - ganz freiwillig. Ein Jahr lang ist Klüter ihr Ansprechpartner, kommt regelmäßig für Gespräche an die Schule. Mit vielen ehemaligen Teilnehmern hat er noch immer Kontakt. "Die Schüler honorieren das, weil sie merken, dass sie etwas davon haben", sagt der Projektleiter. Denn das Ziel des Projekts ist klar gesteckt: kein Abschluss ohne Anschluss. Der Erfolg gibt ihm Recht. Mehr als 150 Hauptschüler haben in den vergangenen Jahren mitgemacht. 60 Prozent davon haben eine Lehrstelle bekommen, 30 Prozent sind weiter zur Schule gegangen, um einen höheren Abschluss zu erreichen. Auch Maria Gaitanidou ist zuversichtlich, dass sie ihr Ziel erreichen wird. "Ich kann hier sehr viel lernen, was mir hilft, eine Ausbildung zu finden", sagt sie. Zwei Praktika hat sie bereits absolviert, ein drittes soll in den Sommerferien folgen. Sie tut viel dafür, dass sie nach dem Abschluss einen Anschluss hat.

Quelle: RP
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