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Holthausen
Gutshof bis Ende 2017 erstmal gesichert

Kinderbauernhof in Niederheid bis Ende 2017 erstmal gesichert
Christina Tschorn und Nicola Wiecher machen mit den Ferienkindern Mittagspause am Grill. Danach gehts auf Schatzsuche. FOTO: Günter von Ameln
Holthausen. Über 200 Kinder verbringen ihre Sommerferien auf dem Kinderbauernhof in Niederheid. Dort bietet Pächterin Christina Tschorn ein breites pädagogisches Angebot. Stadt sucht weiter nach einem Investor. Von Simona Meier, Andrea Röhrig und Denisa Richters

Das Sommerferienprogramm ist ausgebucht. Seit Montag tummeln sich die ersten 35 Kinder auf dem weitläufigen Gelände des beliebten Reiterhofs. Zwischen Kaninchen, Hunden, 20 Pferden, Ziegen und Kühen genießen sie die Sonne und pflegen die Tiere. Pächterin Christina Tschorn kann gerade auch etwas gelassener in die Zukunft blicken.

Die Verkaufspläne der Stadt sind zwar nicht vom Tisch, aber bis Ende nächsten Jahres ist alles sicher, da bei ihr keine Kündigung eingegangen ist, erzählte sie gestern im Gespräch mit unserer Redaktion. Damit verlängert sich der Mietvertrag bis Ende 2017. In einem Telefongespräch habe ihr zudem Oberbürgermeister Thomas Geisel mitgeteilt, dass es erstmal für sie so weitergehen könne wie bisher: "Er sagte, dass er dafür wäre, dass wir als Pächter bleiben, der Verkauf aber weiterhin angedacht ist und ein Interessent gesucht werde", sagt Tschorn. Bis Ende 2017 kann sie also weitermachen. Für die Nutzer des Hof ist das eine gute Nachricht.

Die CDU hatte in der Ratssitzung am Donnerstag den Antrag eingebracht, dass ein Runder Tisch eingerichtet wird, der sich mit der Zukunft des Hofes und des pädagogischen Angebots beschäftigen sollte. Doch zum einen kam der Tagesordnungspunkt an dem Abend wegen des EM-Spiels Deutschland gegen Italien gar nicht mehr zur Abstimmung, und zum anderen hatte die Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP bereits signalisiert, diesen CDU-Vorstoß ablehnen zu wollen. Auch OB Geisel sieht keine Notwendigkeit für einen Runden Tisch. Die Beschlusslage sei klar, betonte er in der Sitzung des Stadtrats: "Sollte es zu einem Verkauf des Areals kommen, soll das derzeitige pädagogische Angebot erhalten bleiben."

Noch bis Freitag läuft die Online-Petition "Rettet den Gutshof Niederheid". Bis gestern Mittag hatten diese über 2500 Nutzer gezeichnet. Allerdings hatten die Initiatoren auf über 4000 Unterschriften gehofft. Parallel dazu hat sich die Gruppe "Hof-Rettung Holthausen" mit 649 Mitgliedern bei Facebook gegründet, die ein Konzept erarbeiten will, wie man Hof und Angebot erhalten kann. Denn es wird rege nachgefragt; schon seit Monaten sind die Sommerferienkurse ausgebucht.

Diese sowie in den kommenden fünf Wochen bietet der Reiterhof von montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr ein spannendes Programm für Kinder ab vier Jahren an. Die meisten Jungen und Mädchen sind zwischen sechs und zwölf Jahren alt. Manchmal sind jüngere Geschwisterkinder mit dabei. Nach Absprache können die Kinder schon morgens um 8 Uhr kommen. Für viele berufstätige Eltern ist das eine Erleichterung, weiß das Team vom Gutshof.

Vormittags dreht sich alles um das Thema Pferd: Ponypflege, Reitunterricht in Gruppen oder Voltigieren findet in kleinen Gruppen statt. "Mittags grillen wir mit den Kindern. Dazu bringt sich jeder etwas mit", sagt Christina Tschorn. Nachmittags stehen verschiedenen Aktivitäten auf dem Programm. Mit Spannung wird die Schatzsuche erwartet. "Aber jetzt habe ich erstmal Goldy geputzt", sagt Jolina (7). Marie (9) ist auf Ruby geritten. Manche Kinder fahren Kettcar, streicheln die Hunde oder spielen mit der Hofkatze. Gabriel verbringt schon zum zweiten Mal einen Teil seiner Ferien auf dem Kinderbauernhof. Er mag die Pferde, auch wenn viele sehr groß sind.

Neben den erwachsenen Betreuern gibt es Jugendliche wie Rosalie Steuten (14), die tatkräftig beim Ferienspaß mithelfen. Sie war selbst schon als Kind in den Ferien auf dem Gutshof. Jetzt gibt sie ihre Erfahrungen weiter und kümmert sich um die Kinder, die jeder ein eigenes Pflegepferd in der Woche betreuen dürfen. "Ich bin die ersten zwei Wochen hier, dann fahre ich selbst weg", sagt die Schülerin. Nachmittags geht sie auf den großen Niederheider Spielplatz mit den Kindern. Er ist ein weiteres Highlight des Programms. Den ganzen Tag sind die Kinder an der frischen Luft, bei hohen Temperaturen wird ein Planschbecken aufgestellt. "Bei schlechtem Wetter können wir in unsere Halle ausweichen", sagt Pächterin Christina Tschorn.

Das Angebot des Gutshof Niederheid richtet sich in den Sommerferien auch an Kinder mit Behinderungen. Diesmal sind fünf Kinder dabei, die eine Einzelbetreuung haben. Das Zusammensein mit den Tieren und den anderen Kindern ist für sie von Vorteil. "Ein Teil der entstehenden Kosten kann über die Pflegekasse abgerechnet werden, denn die Zusatzbetreuung ist teuer", sagt Tschorn.

Reiten und der Kontakt zum Pferd habe bei fast allen Kindern eine positive Auswirkung auf die körperliche und geistige Entwicklung. Es helfe sehr, da durch die Beziehung zum Tier eine Vertrauensbasis entstehe, die ein Kind fordere und fördere. "Kinder lernen hier sehr einfach, dass es wichtig ist, Regeln einzuhalten, weil sich die Tiere beispielsweise erschrecken können", erläutert die Pächterin. In den Herbstferien wird es dann ein neues Ferienprogramm geben.

Quelle: RP
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