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Holthausen
Methadon-Praxis in neuen Händen

Holthausen. Heute übernehmen die Allgemeinmediziner Christian Plattner und Claus Lamprecht die Praxis an der Itterstraße. Einige Süchtige fallen am Kamper Acker negativ auf. Die neuen Eigentümer signalisieren Gesprächsbereitschaft. Von Andrea Röhrig

Überall, wo sich Allgemeinmediziner Christian Plattner derzeit vorstellt, wird er mit offenen Armen empfangen. Auch die Stadtteilpolitiker aus dem Stadtbezirk 9, mit denen sich Plattner schon getroffen hat, setzen Hoffnungen in ihn und seinen Kollegen Claus Lamprecht. Die beiden haben zum heutigen 1. Oktober die Hausarztpraxis an der Itterstraße in der Nachbarschaft zum Kamper Acker übernommen.

Das wäre kaum der Rede wert, wäre das nicht auch der Ort, an dem nicht nur grippale Infekte oder Magenverstimmungen behandelt, sondern suchtkranke Menschen mit Methadon versorgt werden. Dieser Stoff wirkt bei Heroinabhängigen gegen die Entzugserscheinungen. Ein Dorn im Auge ist Anwohnern und Politikern, dass einige der Substituierten im Anschluss Bier trinkend sich in Grüppchen auf dem Kamper Acker zusammenfinden und der eine oder andere dabei schon mal über die Stränge schlägt. Unzählige Ansätze zur Befriedung hat es in den vergangenen Jahren gegeben; erfolgversprechend war bislang keine.

Das könnte sich jetzt ändern: Plattner signalisiert Gesprächsbereitschaft: Er und sein Kollege seien zu vielem bereit, um die Situation vor Ort zu verbessern. Er könne den Ärger der Anwohner nachvollziehen, sagt er. Diese offene Herangehensweise ist das Gegenteil zu dem, wie seine nun in den Ruhestand gegangene Vorgängerin agierte. Vor ein paar Jahren stoppte sie jegliche Art der Kommunikation mit ihren Kritikern und strengte gegen einen CDU-Lokalpolitiker sogar eine Unterlassungsklage an.

Solche Art der Zuspitzung sind für Plattner nichts. Allerdings lässt er keinen Zweifel daran, wessen Wohl bei ihm als Erstes kommt: das der Patienten. Zugleich ist er davon überzeugt, dass das nicht gleichbedeutend sei, die von Anwohnern kritisierte Situation so zu belassen. Auch mit Heinz-Werner Schnittker, Vorstandschef des Sozialdienstes Katholische Frauen und Männer (SKFM), hat er sich vor kurzem schon getroffen. Der SKFM ist in der Drogenhilfe mit seinem Angebot "Kompass" tätig. Auf Einladung der CDU-Fraktion hatte der Wohlfahrtsverband in der Bezirksvertretung 9 sein Konzept vorgestellt, wie einerseits den kranken Menschen zu helfen sei und wie andererseits der Stadtteil davon profitieren könnte: Mit der Einrichtung eines niedrigschwelligen Kontaktcafés mit psychosozialer Betreuung.

In der Kritik stand bislang vor allem die Zahl der Patienten, die in der Praxis Itterstraße täglich mit Methadon versorgt werden. Vier Ärzte gibt es im Team, 50 darf jeder von ihnen betreuen. Macht eine Zahl von 200. Doch Plattner sieht kein Problem in der Menge, die sich mit dem Eigentümerwechsel nicht ändern wird. Er ist sich sicher, dass diese Gesamtzahl unproblematisch laufen kann, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion. Es sei wichtig, dass es Regularien, gebe, an die sich jeder Patient halten müsse. Eine Verringerung der Zahl führe nicht automatisch zu einer Entspannung. "Wer sagt Ihnen denn, dass dann genau die wegfallen, die sich nicht benehmen können?"

Stattdessen setzen er und sein Kollege auf die Einhaltung von Regeln. Eine lautet: Die Patienten müssen sich in der Praxis und im Umfeld vernünftig verhalten. Tun sie das nicht, werden sie von der Methadon-Abgabe ausgeschlossen. Regeln wie diese hätten sich an dem Praxis-Standort an der Roßstraße bewährt, sagt Plattner. Die Hausarztpraxis mit Methadonabgabe in Derendorf haben Lamprecht und er 2010 übernommen und die werden sie auch weiterführen.

Auch dort hatte es vor drei Jahren massive Beschwerden von Anwohnern gegeben, die sogar in einer Klage vor dem Verwaltungsgericht mündete. Doch dann wurde das Problem gemeinsam angegangen und der Bereich befriedet. Marina Spillner (SPD) ist seit zwei Jahren Bezirksbürgermeisterin im Stadtbezirk 1. Sie sagt: "Ich habe in meiner Amtszeit noch keine einzige Beschwerde bekommen." Dabei macht Christian Plattner aber auch deutlich, dass Suchtkranke wie jeder Mensch das Recht hätten, sich überall aufzuhalten. Man könne sie nicht einfach vertreiben, nur weil jemanden es nicht passe, dass mancher von denen nicht dem entspricht, was als Norm gelte. Bezirksbürgermeisterin Spillner bringt das so auf den Punkt: "Solch einen Anblick muss eine urbane Stadtgesellschaft einfach aushalten."

Eine Lizenz zum Gelddrucken - wie Kritiker Plattners Vorgängerin vorgeworfen haben - sei die Methadonabgabe nicht. "Sie müssen dabei bedenken, dass viele, nennen wir sie normale Patienten, dann die Praxis wechseln." Warum er das dann macht? "Ich bin Allgemeinmediziner geworden, weil ich kein Freund der apparativen Medizin bin", sagt Plattner: Er rede stattdessen gerne mit den Patienten und das sei gerade bei Menschen mit Sucherkrankung wichtig.

Quelle: RP
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