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Holthausen/Wersten
Mit vollem Bauch lernt sich's besser

Holthausen/Wersten. Der Verein "Die Arche" organisiert ein Frühstück für Kinder der Astrid-Lindgren-Förderschule und der Klarenbach-Grundschule. Der Benrather Lions-Clubs finanziert dabei Sozialpädagogin Mirjam Kandelhardt für zunächst ein Jahr. Von Ina Armbruster

Offiziell beginnt das Frühstück erst um 7.45 Uhr, doch viele Kinder sind schon früher da. Sie setzten sich an den Tisch, greifen sich ein belegtes Brötchen, quatschen mit den Helfern. Das Frühstück in der Schule gehört für viele von ihnen inzwischen zum Alltag. Seit Herbst bietet das Kinderprojekt "Arche" das gemeinsame morgendliche Essen an der Astrid-Lindgren-Förderschule an. Erst zwei Mal pro Woche, inzwischen jeden Tag. "Viele Kinder der Schule kommen nachmittags in die Arche. Immer wieder haben wir in Gesprächen gemerkt, dass viele Kinder morgens nicht frühstücken, zum Beispiel, weil die Eltern gar nicht mit aufstehen", erzählt Heiko Metz von der Arche. "Ohne Frühstück ist es aber schwieriger, sich im Unterricht zu konzentrieren."

Die Brötchen spendet ein Bäcker aus Wersten, der Belag kommt von der Kindertafel, ehrenamtliche Helfer bereiten früh morgens das Essen vor. "Und die Kinder spenden uns gute Laune und selbstgemalte Bilder", freut sich Mirjam Kandelhardt. Die Sozialpädagogin ist neuerdings als 450-Euro-Kraft eingestellt - finanziert durch eine Spende des Lions-Clubs Benrath.

Für ein Jahr ist der Minijob vorerst finanziert. "Es ist sehr wichtig für uns, dass einer die Koordination übernimmt und vor allem ein fester Ansprechpartner für die Kinder ist. Da Mirjam die Kinder jeden Tag sieht, fallen ihr auch andere Sachen auf - zum Beispiel, dass eines dringend neue Schuhe braucht", sagt Metz. Rund 20 Kinder nutzen inzwischen das morgendliche Angebot, darunter auch Schüler der angrenzenden Adolf-Klarenbach-Grundschule.

Für einige Schüler gebe es noch immer einer Hemmschwelle, hat Schulsozialarbeiterin Karoline Briel festgestellt. "Einige schämen sich, zum Frühstück zu kommen. Sie denken, sie würden damit eingestehen, dass sie arm sind oder ihre Eltern sich nicht kümmern." Doch das sei keineswegs der Fall. "Wir fragen die Kinder ganz bewusst nicht, warum sie kommen. Hier ist jeder willkommen, niemand muss sich rechtfertigen oder sollte sich diskriminiert fühlen." Einige erhalten zu Hause vielleicht tatsächlich kein Frühstück, aber andere sind da, weil sie den Morgen gerne in der Gemeinschaft starten.

Schließlich ist das Frühstück eine gute Gelegenheit, Kinder der jeweils anderen Schule und aus anderen Klassen kennenzulernen. Manche sind jeden Tag da, andere nur hin und wieder. "Es tut ihnen unheimlich gut, wenn sie morgens schon einen Ansprechpartner haben, der ihnen zuhört", hat Kandelhardt festgestellt. "Nach den Osterferien stand der erste Junge schon um Viertel nach sieben auf der Matte und konnte es kaum erwarten, von seinen Ferienerlebnissen zu berichten." Abgesehen davon gibt es für die Kinder immer wieder etwas Neues zu probieren: "Tomate-Mozzarella ist gerade der Renner. Viele Kinder kannten Mozzarella-Käse vorher nicht."

Berthold Krüger vom Lions-Club ist von dem Konzept überzeugt. "Wir spenden oft für einmalige Aktionen, wie den Bau eines Sandkastens. Aber uns ist es auch wichtig, langfristig soziale Projekte zu unterstützen", sagt er. Deswegen haben sich er und die anderen Mitglieder für die Finanzierung einer Stelle bei der Arche entschieden. "Damit möchten wir in die Zukunft der Kinder investieren".

Quelle: RP
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