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Holthausen
Pilger läuft 2700 Kilometer für Kinder

Holthausen. Fabian Fischer erwandert von Düsseldorf aus den Jakobsweg. Auf Facebook veröffentlicht er ein Tagebuch, in dem er zu Spenden für den Verein "Strahlemännchen" auffordert. Mit Erfolg: Mehr als 11 000 Euro hat er beisammen. Von Ina Armbruster

"Hab 'ne neue Blase. Da hier um die Ecke der Geburtsort der Johanna von Orleans ist, taufe ich diese Blase Johanna..., weil ich sie hier bekommen habe...", schreibt Fabian Fischer am 9. Mai in sein Facebook-Tagebuch. Mitte April war er losgegangen. Von den Blasen und wunden Stellen ist heute kaum noch etwas zu sehen. Irgendwann hatten sich seine Füße an die Strapaze gewöhnt. Fast jeden Tag steckten sie für 25 und mehr Kilometer in den festen Wanderstiefeln.

99 Tage lang war Fischer unterwegs von seinem Wohnort Holthausen nach Finisterre in Spanien, dem Endpunkt des Jakobswegs. Der Student der Ernährungswissenschaften hatte schon lange davon geträumt, den Pilgerweg zu laufen. Als ihm eine Freundin begeistert von der Arbeit des Vereins "Strahlemännchen" erzählte, der Wünsche krebskranker Kinder erfüllt, entschied er sich, für den guten Zweck zu wandern.

Im sozialen Netzwerk Facebook veröffentlicht er sein Tagebuch und fordert die Leser immer wieder auf, zu spenden - mit Erfolg. "Genau vier Kilometer vor Santiago de Compostela sah ich, dass das Spendenziel von 10 000 Euro erreicht war. Ich habe mich sehr gefreut und war erleichtert, dass es geklappt hat", sagt Fischer. Trotzdem entscheidet er sich, noch drei Tage länger bis ans Meer zu laufen. Genug Zeit hat er schließlich: Vier Monate hatte er eigentlich für die etwa 2700 Kilometer lange Strecke eingeplant, in genau 99 Tagen hat er sie schließlich geschafft. "Es war unkomplizierter, als ich dachte. Die Strecke war meistens gut ausgeschildert. Statt der in den Führern empfohlenen Etappen, bin ich meist etwas weiter gelaufen. Das hatte den Vorteil, dass ich nicht in den großen Herbergen der Städte übernachten musste, sondern mir kleinere Herbergen suchen konnte." Das Ende der Reise hatte er sich allerdings anders vorgestellt: "Ich dachte, ich wäre nur glücklich und stolz, wenn ich ankomme, aber es war doch ein komisches Gefühl. Ich musste Abschied nehmen von dem Weg und von den Leuten, die ich in der Zwischenzeit getroffen hatte. Nach so einer langen Wanderung ist es seltsam, am nächsten Tag plötzlich nicht mehr weiter zu laufen."

Vor allem ein Abschied fiel ihm schwer: Fast zwei Monate lang war er gemeinsam mit Philippe unterwegs, einem Franzosen, den er in Frankreich getroffen hatte. "Wer über so lange Zeit den ganzen Tag zusammen ist, lernt sich eben richtig gut kennen." Die beiden erleben viele Hoch- und Tiefpunkte gemeinsam. "In Frankreich war es zum Teil schwierig. Ich war erschöpft, aber das Ziel war noch so weit weg. In Spanien ging es dann irgendwie einfacher. Ich habe auf jeden Fall gelernt, dass selbst nach einem schlechten Tag die Welt am nächsten Tag meist schon wieder ganz anders aussieht", sagt Fischer.

Eine Erkenntnis, die wohl viele Pilger erlangen. "Viele wussten bei der Abreise gar nicht, wie ihr Leben in der Heimat weitergehen wird, sei es beruflich oder familiär", hat er festgestellt. Solche Gedanken muss er sich allerdings nicht machen: Er wird weiter studieren und nebenher arbeiten, um Geld für die nächste Reise zu sparen. In den nächsten Semesterferien will er wieder den Wanderrucksack packen. Wohin es geht, steht noch nicht fest. Vielleicht nach Nepal. "Auf jeden Fall haben mir schon viele Leute geschrieben, dass sie mein Tagebuch gerne weiter lesen würden."

Kommt es soweit, werden sich die Füße des Studenten wieder an neue Wanderschuhe gewöhnen müssen.

Quelle: RP
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