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Holthausen
SFD-Trainer-Gespann schmeißt hin

Holthausen. Nach den Skandalspielen fühlen sich Mannschaft und Coaches unverstanden. Auch Spieler wollen nicht bleiben. Von Birgit Wanninger

Für Mario Kentschke, Trainer des Kreis-B-Ligisten SFD' 75 steht fest: "Ein Schlag hat unsere viereinhalbjährige Arbeit kaputt gemacht." Damit meint er eine Schlägerei vor drei Wochen. Er und sein Co-Trainer Mohammed Baghouse sind mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Das teilten sie unserer Redaktion mit.

Als Grund nannte Kentschke: "Wir haben keine Spieler mehr zur Verfügung oder nur wenige, Teile der Mannschaft melden sich ab oder haben sich schon abgemeldet." Schon am vergangenen Wochenende standen Kentschke bei der Partie gegen Hermes nur noch zehn Spieler zur Verfügung, so dass der 50-jährige Co-Trainer Baghouse einspringen musste.

Die Fußballmannschaft des SFD hatte zuletzt auch außerhalb des Fußballplatzes für Negativ-Schlagzeilen gesorgt. In Hilden hatte vor vier Wochen ein Zuschauer den SFD-Spieler Karem Baghouse (Sohn des Co-Trainers) geohrfeigt und es kam zu tumultartigen Szenen auf dem Platz. Das Spiel wurde abgebrochen. Eine Woche später, beim Heimspiel in Niederheid, wurde der Kapitän des SSV Erkrath, Michael Ortmanns, auf dem Nachhauseweg zusammengeschlagen. Er erlitt einen doppelten Kieferbruch. Inzwischen ist er aus dem Krankenhaus entlassen, aber arbeitsunfähig, da ihm außerdem sieben Zähne bei der Operation gezogen werden mussten.

Ortmanns kann mindestens bis Ende des Jahres nicht spielen. "Aber keiner weiß, wer ihn geschlagen hat", sagt Kentschke, und dennoch sei die zweite Mannschaft dafür verantwortlich gemacht worden. Der SFD hatte nach dem Vorfall die zweite Mannschaft vom Spielbetrieb abgemeldet. Vom Bauernopfer sprechen Spieler der Ersten Mannschaft. Und auch die hat sich inzwischen aufgelöst. Das teilte Mannschaftssprecher André Küster unserer Redaktion gestern im Gespräch mit. Pikanterweise hat die Mannschaft die Verantwortlichen beim SFD aber davon nicht informiert. "Das überrascht nach den jüngsten Gesprächen nicht", sagt SFD-Geschäftsfüherin Andrea Haupt.

"Wir als Mannschaft sind mit der momentanen Situation hinsichtlich der Außendarstellung und der Medienarbeit sehr unzufrieden", begründet Küster den Abgang per What's App. Das Schreiben tragen alle aktuellen Spieler, die sich in einer gemeinsamen What's-App-Gruppe befinden, mit.

"Viele Spieler fühlen sich vom Vorstand unverstanden und diskriminiert", heißt es dort. Auch das jüngste Gespräch mit dem Vorstand habe daran nichts geändert. "Wir fühlen uns nicht wertgeschätzt und sind nicht bereit, den Verein wieder ins positive Licht zu rücken und uns zu rechtfertigen."

Deshalb bittet André Küster in dem Schreiben den SFD, die Fußballabteilung aufzulösen, um den Spielern keine Steine in den Weg zu legen. Denn bei einer Auflösung werden die Kicker nicht mit einer Sperre belegt. "Wir fühlen uns in die Ecke gedrängt", sagt Küster. Und auch Mario Kentschke pflichtet seinem Spieler bei.

Von Anfang an sei es falsch gelaufen. "Wir wurden vom Opfer zum Täter", meint der Coach und klagt über mangelnde Unterstützung des Vereins. Viereinhalb Jahre habe es sich für den SFD eingesetzt, zunächst in der Jugendarbeit, seit zweieinhalb Jahren als Cheftrainer mit Baghouse zur Seite. Und dann sei nach den Vorfällen seine Mannschaft zusammengeschrumpft, dass er nicht einmal mehr eine Elf zusammenbekommen hätte. "Die Truppe kann nichts dafür", betont Kentschke und erklärt, dass vor allem die Marokkaner im Team sehr sensibel reagiert hätten. Das sei deren Mentalität. "Mir tut es leid um die Mannschaft, denn das ist eine super Truppe", sagt Kentschke.

Dennoch soll der Fußball beim SFD weitergehen. Das erklärte Geschäftsführerin Haupt. Eine Mannschaft habe schon Interesse gezeigt, zum SFD zu wechseln. "Dann muss ich halt nach einem neuen Trainer Ausschau halten", sagt Haupt.

Quelle: RP
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