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Holthausen
Skulpturen-Schau aus den verschiedensten Blickwinkeln

Holthausen. Neue Ausstellung vom Verein "Kunst im Hafen" in der Kunsthalle Werft 77 Von Bernd Schuknecht

Es ist nur wenige Monate her, da muss sich der Künstler Matthias Grotevent gefühlt haben wie einst Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder, als dieser noch als Juso am Zaun des Bundeskanzleramtes in Bonn gerüttelt hat. "Hier wollte ich unbedingt rein; denn einen schöneren Ausstellungsort als Werft 77 - insbesondere für Skulpturen - gibt es kaum", schwärmt Grotevent, der 2013 als Meisterschüler von Richard Deacon an der Düsseldorfer Kunstakademie sein Bildhauerei-Studium beendet hat.

Erst wenige Monate zuvor hatte der 37-Jährige im Reisholzer Hafen eine Ausstellung vom Verein "Kunst im Hafen" gesehen. Nach mehrjährigen Studienaufenthalten im Ausland, darunter am Europäischen Keramik Werkzentrum in den Niederlanden sowie in Lettland, fasste er im vergangenen Februar den Entschluss, für diesen Ausstellungsort eine Ausstellung zu kuratieren. In Nina Nowak und Philipp Röcker, die er noch aus seiner Studienzeit kannte, fand er begeisterte Mitstreiter sowie in Thomas Schütte einen überaus prominenten dazu.

"Da instinktiv die Frontalansicht dominiert", ein Zitat aus einem Buch über Alberto Giacometti, leiht der ausgesprochen sehenswerten Ausstellung zwar ihren Titel, führt aber subtil in die Irre, da gerade bei plastischen Arbeiten der Betrachter verführt wird, die Arbeit eben nicht aus der Frontalperspektive, sondern vielmehr aus allen möglichen Blickwinkeln in Augenschein zu nehmen.

Dies unterstreichen besonders eindrucksvoll Thomas Schüttes Arbeiten "Großer Doppelkopf Nr. 2 und 3" deren Profil-Umrisse zwar als Einheit erscheinen, deren Physiognomien jedoch vollkommen unterschiedlich sind. Matthias Grotevent arbeitet ebenfalls in Keramik. Grobe Ton-Stücke bilden die Köpfe der "Kentauren", wobei Farbspuren der innen aufgebrachten Glasur bei den kriegerischen Fabelwesen wie blutende Verletzungen erscheinen.

Ein weiteres mythisches Wesen ist die "Doppelnymphe", die als ein auf einer schwarzen Fläche "schwimmendes Etwas" eine wunderschön natürliche Beziehung zum vorbeifließenden Rhein aufnimmt. "Prothesen" nennt Nina Nowak ihre farbigen und dennoch sehr organisch wirkenden Kunstharz-Formen, die sie vom menschlichen Hals - vom Brustbeinansatz bis zum Unterkiefer - abgenommen hat. "Es ist die Form einer Haltung, die Erhabenheit ausdrückt, die jedoch in ihrer seriell präsentierten Art auch auf eine profane Warenwelt Bezug nimmt", sagt Nina Nowak, die mit ihren Arbeiten "Schreber" und "Kommode", bei der die Prothese als Negativform erneut auftaucht, beweist, dass ihr gestalterisches Formgefühl auch in Holz exzellente Ergebnisse hervorzubringen vermag.

Im künstlerisch reizvollen Gegensatz zu Nowaks feinen Oberflächen zeigt Philipp Röcker, Meisterschüler von Didier Vermeeren, mit "Meeting point of several forms of the present", eine Komposition rauer Formen, Fragmente, die an ein zerstörtes antikes Bauwerk erinnern.

Quelle: RP
 
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