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Holthausen
Straßenkarneval im Trockenen

Holthausen. Die Narren sind los. Die "Piccolos" der Räbbelche sammelten für den guten Zweck. Von Tino Hermanns und Anne Orthen (Fotos)

Rainer Fuhrmann ist Präsident der Karnevalsgesellschaft Düsseldorf Räbbelche, aber "Chef vons Ganze" ist er deswegen noch lange nicht. Das musste der Präses vor vollem Hause beim Räbbelche-Altweiber-Auftakt im Holthausen Center humorvoll erfahren. Gerade hatten die "Piccolos", die vier- bis sechsjährigen der Tanzgarde, die Bühne geentert, da fragte Fuhrmann, ob er mittanzen dürfe. Die Ablehnung der Bitte wurde durch einstimmiges Kopfschütteln kundgetan. So zog sich Fuhrmann mit einem breiten Grinsen im Gesicht wieder an den Rand der Bühne zurück und die "Piccolos" rockten in ihren orange-grünen Kostümen los.

Den putzigen Auftritt des Tanzquartetts, das so gerade dem Alter, in dem sie noch selber mit Räbbelchen spielen, entwachsen ist, verfolgten Möhne jeglichen Alters, Tiger, Katz und Maus, ein DJ Ötzi, Kosaken, Hippies, Clowns, Eisbär, die "feuchtfröhlichen Jungfrauen" als Indianerinnen und viele meist kostümierte Narren mehhr. Die angebliche "Hipp-Verkleidung des Jahres", irgendwas aus Star Wars, war nur zweimal vertreten. Bei der Zahl der Altweiber-Feiernden im Holthausen-Center erstaunlich.

In der guten Stube der Räbbelche fühlten sich mehrere hundert Närrinnen und Jecken pudelwohl. Wohl auch, weil die einzige karnevalistische Freiluftveranstaltung im Düsseldorfer Süden mit einem Glasdach vor dem Unbill des Wetters geschützt war. "Da hat sich unser Wohnzimmer bezahlt gemacht. Wir können im Trockenen feiern", meinte Räbbelche-Vize Lutz Aschmoneit grinsend. "Ich frage mich, was die Jecken wohl machen, wenn sie kein Dach über'm Kopf haben?" Auch die Karnevalskünstler, die ohne Gage in Holthausen auftraten, fühlten sich pudelwohl. Ohne Zugabe kamen weder die "Jolly Family", "Danny and the Chicks" oder auch "9 ½" von der Bühne. Dennoch war die Feierfreude etwas getrübt. Neue behördliche Auflagen verhagelten der KG die Stimmung. "Wir sind darauf aufmerksam gemacht worden, dass wir für unseren Altweiber-Auftakt zwei Sicherheitsfachkräfte aufbieten müssen", sagte Aschmoneit. "Das kann das Ergebnis für unsere Spende an die Waagschale begrenzen." Den Überschuss der "Möhne-Party" spenden die Holthausener Karnevalisten traditionsgemäß an die Waagschale, der Hilfsgemeinschaft für das Oberlin Haus. "Wir hoffen, dass wir die zusätzlichen Kosten irgendwie einspielen können", so Aschmoneit. Deshalb schickte Fuhrmann die Räbbelche-Tanzgarde zwischen ihren beiden Auftritten zum Sammeln durch die jecken Reihen. Die Narren ließen sich nicht Lumpen und griffen in die eigenen Taschen.

Das tun auch jedes Jahr die Geschäftsleute des Holthausen Centers. Während der Veranstaltung haben die Ladenlokale geschlossen, stellen aber Steckdosen zur Energieversorgung der Beschallungsanlage zur Verfügung. Das Hotel Elbroich ist Künstlerzentrale. Dort durften sich die Auftretenden im Trockenen umziehen. So waren die Kostüme der Jolly Family (fünf Schotten mit nackten Beinen und zwei Funkemariechen) oder Danny and the Chicks mit ihren Rockabilly-Outfits im 50er Jahre-Stil trotz strömenden Regens pickobello. "Die Geschäftsleute unterstützen uns sehr. Ohne sie könnten wir Altweiber nicht feiern", sagt Aschmoneit. So oft, wie die Räbbelche dort schon gefeiert haben, haben sich die Geschäftsleute an den Wahnsinn vor ihren Türen gewöhnt

Quelle: RP
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