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Spielabbruch zwischen MSV Hilden und SFD ’75
Verband verhängt drakonische Strafen gegen Fußballmannschaften

Spielabbruch zwischen MSV Hilden und SFD ’75: Verband verhängt drakonische Strafen gegen Fußballmannschaften
Karim Baghouse , hier beim Spiel gegen den SSV Erkrath, ist in Hilden von einem Zuschauer angegriffen worden, soll vorher aber verbal nach Zeugenaussagen verbal provoziert haben. FOTO: Staschik,Olaf
Düsseldorf. Die Kreis-Spruchkammer hat den Spielabbruch zwischen dem MSV Hilden und dem SFD '75, bei dem ein Zuschauer einen Spieler angriff und es zu tumultartigen Szenen auf dem Spielfeld kam, verhandelt. Es wurden harte Strafen verhängt.  Von Birgit Wanninger

Es war die 61. Minute, als der Schiedsrichter das Spiel zwischen dem MSV Hilden und dem SFD' 75 nach tumultartigen Szenen abbrach. Jetzt, mehr als vier Wochen später, hatte das Ganze auch ein Nachspiel vor der Kreis-Spruchkammer. Inzwischen ist das Trainergespann zurückgetreten und zahlreiche Spieler haben sich von dem Verein verabschiedet.

Das Sportgericht hatte alle Beteiligten, die auf dem Spielbericht standen, geladen. Erschienen waren jedoch keine 22 Mann plus Trainer und Funktionäre. Die Mannschaft des SFD glänzte, mit Ausnahme eines Spielers, durch Abwesenheit – unentschuldigt. Dafür verhängte das Sportgericht eine Strafe in Höhe von 500 Euro. Lediglich Geschäftsführerin Andrea Haupt vertrat Düsseldorfs größten Sportverein.

Auch das vermeintliche Opfer, Karim Baghouse vom SFD, war der Ladung des Sportgerichts nicht gefolgt. Anders die Hildener: Deren Geschäftsführer und acht Spieler waren ins Haus an der Ernst-Poensgen-Allee gekommen und entschuldigten ihre fehlenden Mannschaftskameraden.

Als die Zeugen, beginnend mit dem Schiedsrichter, befragt wurden, war nach Aussagen der Hildener Spieler der Schuldige schnell gefunden: Karim Baghouse der Spieler mit der Nummer 10, der von einem Zuschauer nicht wie ursprünglich behauptet eine Ohrfeige bekommen hatte, sondern den der Zuschauer, der plötzlich aufs Spielfeld gelaufen war, kräftig an der Schulter packte und ihn angriff.

Wer dieser Zuschauer war, daran konnte sich am Dienstagabend keiner der anwesenden Zeugen erinnern. Obwohl, wie die Vorsitzende ausführte, doch immer dieselben zum Spiel ihrer Mannschaft in der Kreisliga B kämen.

Nach dieser Szene rasten alle auf Spielfeld – Zuschauer, Betreuer, Funktionäre. Es kam zur Rudelbildung und Rüpeleien, so dass sich der Schiedsrichter gezwungen sah, das Spiel abzubrechen.

Es sei schon vorher immer wieder zu Rangeleien gekommen, erklärten die Zeugen. Und dann gab es den Freistoß in der 61. Minuten vor dem Hildender Tor. Da hätten sich die beiden Zehner gegenüber gestanden und hätten sich gekäbbelt. Hätten die Köpfe aneinandergestoßen. Hätten etwas gesagt, aber was, das wollten die Zeugen nicht verstanden oder nicht gehört haben. Doch fest steht, dass es die ganze Zeit über zu sprachlichen Entgleisungen gekommen sei. Auch von Seiten der Zuschauer sei gepöbelt worden.

Vor allem der SFD'ler mit der Nummer 10 sei ziemlich ausgeflippt, sagten die Hildener. Das bestätigte auch der einzige SFD-Spieller, der zum Zeitpunkt der Eskalation auf der Ersatzbank saß. Baghouse habe bereits in der zehnten Minute die Gelbe Karte bekommen. "Die Verbalattacken sind vom SFD ausgegangen, der MSV haben reagiert", sagte der Ersatzspieler. Und dann ging seine Kritik an den abwesenden, Ex-SFD-Trainer Mario Kentschke, der Situation hätte entschärfen können, indem er die Zehn auswechselte. "Meines Erachtens hat Baghouse Streit gesucht", sagte der SFD-Spieler.

So wurde während der Verhandlung das Opfer nach den Zeugenaussagen immer mehr zum Täter. Da er sich aber nicht rechtfertigen konnte, soll Karim Baghouse zu einem separaten Verfahren geladen werden. Auch das verordnete das Sportgericht. Kritik übte die Spruchkammer am Spielausrichter Hilden, der keinen Ordnungsdienst organisiert hatte und dafür 30 Euro Strafe zahlen muss. Das Gericht verordnete drakonische Strafen (siehe Kasten).

Schon nächste Woche gibt es eine Fortsetzung vor der Spruchkammer. Dann geht es um das Spiel des SFD gegen SSV Erkrath, bei dem der Kapitän der Erkrather nach Spielende, schon auf dem Nachhauseweg, zusammengeschlagen wurde und einen doppelten Kieferbruch erlitt.

Wie es sportlich mit der Fußballabteilung des SFD weitergeht, ist momentan ungewiss, denn zahlreiche Spieler wollen nicht mehr antreten. Geschäftsführerin Andrea Haupt: "Ich muss sehen, ob ich genügend Spieler für Sonntag zusammenbekomme."

 

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