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Holthausen
Wofür das Herz in Holthausen schlägt

Holthausen: Wofür das Herz in Holthausen schlägt
Sabine Reimann und Cornelius Schaper fragten die Holthausener, welche Gegenstände sie mit dem Stadtteil verbinden. So war etwa ein kleines Flugzeug eine Erinnerung an den Segelflugplatz. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Holthausen. Die Initiatoren wollen von den Bürgern erfahren, wo schöne Plätze sind und welche Orte sie gerne mögen. Von Beate Gostincar-Walther

Mehrere Stelen aus einfachem Sperrholz gezimmert verteilen sich auf dem Kamper Acker nahe der Henkelstraße, darinnen ein Spielzeug-Flugzeug, ein leerer Kunststoffbehälter und andere Relikte, die erst einmal eigentümlich wirken. Doch wer die Geschichten dahinter erfährt, für den ergibt das "Museum der mitgebrachten Dinge" einen Sinn.

Von Freitag bis Sonntag belebte die Kulturaktion "3 Tage Raum" mit unterschiedlichen Elementen den urbanen Platz mitten in Holthausen. Die Initiatoren Sabine Reimann und Cornelius Schaper wollen wissen wo das Herz der Menschen hier schlägt, wo sie lieber schnell vorübergehen, was sie sich für ihren Stadtteil wünschen und was sie besonders mit ihm verbindet. Mit den gewonnen Geschichten wollen sie das digitale Bild des Stadtteils ergänzen und verändern. "Das Flugzeug dort in der Stele hat jemand gebracht, der noch den Segelflugplatz aus seiner Kindheit kannte, da sind heute Tennisplätze. Und die Nelke in der Glasvase, wird die Rose von Holthausen genannt", erzählt Sabine Reimann. Ein schmales Bild von der farbenfrohen Front der Heggemannstraße zeigt Häuser, die längst abgerissen sind. "In dem türkisfarbenen wohnt der Herr, der uns das Bild gebracht hat", weiß die Initiatorin.

Ein anderes Foto hält das Henkel-Imperium mit dem Blickwinkel aus der siebenten Etage eines Wohnhauses fest. Die Holthausener bringen mit den Orten auch ihre Geschichten von einstmals und jetzt. "Eine junge alleinerziehende Türkin wünschte sich ein bunteres Umfeld, sie findet es sind zum Teil recht strenge Muslime im Stadtteil unterwegs", erzählt Sabine Reimann von einer Begegnung. Eine andere Migrantin sei begeistert von ihrer tatsächlich "bunten" Mutter-Kind-Gruppe, die sie betreut. Der Park Niederheid sei für viele Familien mit Kindern ein Zufluchtsort in dem industriell geprägten Stadtteil und der Park von Schloss Ellbroich, bliebe für gestandene Stadtteil-Bewohner der "Heye Park". Am Sonntag greifen die Initiatoren in einem einstündigen Rundgang kreuz und quer durch die Straßen diese markanten Punkte auf. Margitta Schumacher und Marion Siemens sind noch unschlüssig ob sie Mitlaufen. Beide betrachten die Ergebnisse des Projektes. "Ich finde es schön, dass sich junge Leute für unseren Stadtteil interessieren. Holthausen ist seit dreißig Jahren vergessen", sagt die alteingesessene Holthausenerin Margitta Schumacher. Marion Siemens liebt den Schlosspark Ellbroich. "Der Platz hier ist nicht schlecht gestaltet, aber ich habe viele schlechte Erfahrungen", stellt sie zum Kamper Acker fest. Maria Hurdalek-Stackmann hat es sich hingegen genau hier auf einem Liegestuhl niedergelassen und blinzelt in die Sonne. "Ich treffe jeden Tag meine Freunde in Holthausen. Und ich find's gut, dass hier etwas stattfindet, ich werde es mir auf jeden Fall noch ansehen", meint die Werstenerin. Das dritte Standbein des Projektes "3 Tage Raum" sind die "Schneeball-Geschichten", ein Frage und Antwort-Spiel. "Da wünscht sich zum Beispiel jemand einen Supermarkt im Falkenberg-Center und jemand ein Stadtteil-Museum gibt", erklärt Cornelius Schaper. "Es sind schöne Geschichten erzählt worden", sagt Sabine Reimann und ergänzt: "Wir haben erfahren, dass viele Leute ihren Stadtteil lieben. Es steckt mehr Herz und Beziehung dahinter, als man auf den ersten Blick vermutet."

Quelle: RP
 
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