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Holthausen
Zurück in der Heggemannstraße

Holthausen. Auch wenn der Baustellenlärm teilweise unerträglich ist und das Haus wackelt, ist Joachim Hildebrand froh, wieder in den eigenen vier Wänden leben zu können. Von Birgit Wanninger

Wer bei Familie Hildebrand in der Küche sitzt, der erschreckt sich richtig, wenn es plötzlich anfängt zu rappeln und zu donnern. Da hat man fast den Eindruck, ein Zug fährt vorbei. Nein, nicht draußen vor der Tür, sondern mitten durchs Wohnzimmer.

"Ach, das ist doch noch harmlos", sagt Joachim Hildebrand. Der Lärm sei schon viel schlimmer gewesen. Trotzdem ist der Hausherr froh, wieder in den eigenen Wänden zu leben. Er und seine Frau Claudia mussten am Gründonnerstag binnen drei Minuten, wie er sagt, ihr Haus an der Heggemannstraße in Holthausen verlassen. "Ich habe mir gerade noch ein paar Sachen geschnappt, bisschen Wäsche zum Wechseln und die Papiere. Dann habe ich den Hund unter den Arm genommen und stand auch schon draußen vor der Tür."

Am Gründonnerstag hatten Anwohner große Risse an den Fassaden der Häuser Hegemannstraße 15 und 15 a festgestellt und die Feuerwehr alarmiert. Das Haus nebenan ist akut einsturzgefährdet, immer noch nicht bewohnbar und eingerüstet.

Grund für die Einsturzgefahr der beiden Häuser waren die Bauarbeiten gleich nebenan. Dort befindet sich eine riesengroße Baustelle, die zeitweise stillgelegt war. Der Bauherr hatte die Arbeiten begonnen, ohne dass ein Statikgutachten vorgelegen hatte. An der Stelle soll ein Mehrfamilienhaus mit 50 Wohneinheiten entstehen. Die Baufirma hatte einfach zu tief ausgehoben, da hatte das alte Haus plötzlich keine Stabilität mehr. Vor knapp drei Wochen hat die Baufirma ihre Arbeit wieder aufgenommen.

Und seit drei Wochen wohnt auch Familie Hildebrand wieder in ihrem Haus an der Heggemannstraße Nummer 15, während nebenan die Arbeiten mit ohrenbetörenden Lärm weitergehen.

Wie ein Film laufen die wenigen Minuten vor dem schnellen Auszug vor Joachim Hildebrands innerem Augen ab. Er war es, der damals die Feuerwehr angerufen hatte, als er die großen Risse in seinem Haus bemerkte. Und die Werks-Feuerwehr von Henkel, die gleich in der Nachbarschaft liegt, sei sofort da gewesen. Die Feuerwehr hat schnell reagiert und Beton in die Baustelle gekippt, um das Haus zu stabilieren.

"Wir mussten alle raus", erinnert sich Hildebrand. Er und seine Frau hätten ja noch Glück gehabt. Denn die beiden fanden eine vorläufige Unterkunft bei seinem Vater. "Der ist dann übergangsweise zu seiner Lebensgefährtin gezogen", sagt Joachim Hildebrand. Seinem Nachbarn sei es da wesentlich schlechter ergangen. Er darf immer noch nicht zurück in das Haus, weil akute Einsturzgefahr droht. Außerdem weiß Hildebrandt nicht genau, wo der Nachbar jetzt wohnt, "wenn man überhaupt von Wohnen sprechen kann", meint er.

Auf die Frage, ob er sich sicher in seinem Haus fühle, sagt Hildebrand: "Ja, sonst hätten sie uns ja nicht wieder einziehen lassen". Inzwischen habe die Baufirma auch sein Haus von einem von ihr beauftragten Gutachter unter die Lupe genommen. Denn schließlich müssten die Schäden ja beseitigt werden. Auf Anraten seines Rechtsanwalts hat er ebenfalls einen Gutachter bestellt. "Jetzt muss ich abwarten. Aber in Vorkasse muss ich trotzdem treten", sagt er etwas resigniert.

Und schon rattert es wieder ohrenbetäubend, so dass man sein eigenes Wort nicht verstehen kann. Arbeiter sind damit beschäftigt, die dicke Betonschicht in der Grube abzutragen, die die Feuerwehr auf die Schnelle gegossen hat. "Das dürfen wir bis auf zwei Meter", sagt ein Bauarbeiter fast schon entschuldigend und wiederholt es noch ein paar Mal, damit es glaubwürdiger wirkt. Und schon geht der Lärm weiter.

Quelle: RP
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