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Itter
Ein Urgestein des Karnevals

Itter: Ein Urgestein des Karnevals
Die Narrenkappe sitzt immer noch perfekt. Willi Hammelstein ist heute Ehrenpräsident der Räbbelche. FOTO: Olaf Staschik
Itter. Willi Hammelstein hat vor mehr als 50 Jahren mit zwei Freunden die KG Räbbelche gegründet. Heute ist der 91-Jährige Ehrenpräsident der Gesellschaft und nimmt noch immer am närrischen Treiben teil. Von Beate Gostincar-Walther

Wenn Willi Hammelstein die Narrenkappe aufsetzt, dann blitzen seine Augen. Der 91-jährige Mitbegründer der Karnevalsgesellschaft (KG) Räbbelche und heutige Ehrenpräsident braucht nicht lange nachzudenken, um Erinnerungen aus Jahrzehnten lebendig werden zu lassen. Mit seiner Frau Angela aus Urdenbach fand der Düsseldorfer Jong aus Eller im Januar 1947 auf der Tanzfläche das ebenbürtige jecke Mädel für seine Leidenschaft - den Karneval.

"Meine Frau hat mit ihrer Schwester Parodien gesungen, mein Schwager war Büttenredner und die Schwiegereltern Mühlengrafen in Urdenbach", zählt Willi Hammelstein die närrischen Talente auf. Da habe er einfach nicht tatenlos danebenstehen können.

Konsequent gründete er 1962 mit zwei Freunden die KG Räbbelche in Holthausen. Erfahrung mit der Narrenkappe hatte der ehemalige Henkelaner da längst - zum Beispiel als närrischer Experte für die Feiern der Abteilung an seinem Arbeitsplatz. Und da sich Kompetenz schnell herumspricht, kam die Firma Demag auf ihn zu und fragte, ob er ihren Elferrat leiten könnte. Das machte er zwölf Jahre - ehrenamtlich.

Vom Improvisieren müsse man etwas verstehen, außerdem sei es wichtig, schlagfertig und redegewandt zu sein, zählt Willi Hammelstein verschmitzt die besten Eigenschaften eines närrischen Präsidenten auf. Um gleich darauf lachend zu gestehen: "Ich habe mir aber mein Konzept immer in Reinform aufgeschrieben." So intensiv vorbereitet, habe er dann immer gut auf Überraschungen reagieren können. Überraschungen, die es in sich hatten: Etwa Künstler, die den Termin vergaßen, oder ein Saal mit 300 Plätzen und mit nur 14 verkauften Karten.

Der 91-Jährige ist nicht nur ein karnevalistisches "Urgestein", sondern ebenso ein unverbesserlicher Optimist. Dass er mit seiner Frau eine nicht minder begeisterte Närrin an seiner Seite hatte, freut ihn. "Sie hat unsere Kostüme genäht, das waren allein für die Fußgruppe schon über 30 Stück", erzählt Hammelstein. Im Keller ihres ehemaligen Hauses gab es einen riesigen Kleiderschrank mit einem wahren Kostümfundus.

Als Präsident des Räbbelche füllte er riesige Säle - Säle, die es heute nicht mehr gibt. Ob im Malteser Hofbräu einst am Graf-Adolf-Platz, in der Löwenburg, im Holthausener Hof oder später im Klarenbachhaus: Willi Hammelstein hielt über Jahrzehnte unzähliges Narrenvolk bei bester Laune.

Doch wer glaubt, sein Herz schlägt ausschließlich für den Karneval, der irrt sich. Von 1980 bis 1995 organisierte er in Holthausen Martinsumzüge, zu denen tausende Menschen kamen. Die Rollen bei der Mantelteilung übernahmen traditionell Mitglieder des Räbbelche.

Es gibt aber auch eine Seite jenseits des Brauchtums. "Meine Frau und ich mögen das Kontrastprogramm", bekennt der 91-jährige. Ihr ganzes Leben lang seien sie begeisterte Opernliebhaber. "Wir hatten früher immer ein Abonnement, und ich möchte jetzt auch wieder regelmäßig in die Oper", sagt er entschlossen.

Vor drei Jahren sind die Hammelsteins aus ihrem Häuschen in Holthausen in das Paulushaus nach Itter gezogen. Zwei Söhne und zwei Töchter hat das Ehepaar, doch das ureigene Karnevals-Gen haben die Kinder von den Eltern nicht geerbt.

Willi Hammelstein pflegt es bis heute: Dem Räbbelche ist er treu verbunden, Altweiber feiert er im Paulushaus, zum Veedelzoch Itter fährt er mit seinem Senioren-Elektromobil. Den großen Düsseldorfer Rosenmontagszug lässt er ebenfalls vorüberziehen -allerdings gemütlich vor dem Fernseher.

Quelle: RP
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