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Itter
Itter-Zwicker gibt es jetzt ganz offiziell

Itter. Die Rebstöcke aus Itter sind nun eine offiziell genehmigte Rebanlage. Die Behörde für Weinkontrolle hatte 2013 verboten, den Rebensaft gewerbsmäßig zu verkaufen. Heute wird bei Boltens der traditionelle Klapotetz gefeiert. Von Tim Breitbach

Wein-Liebhaber und Reben-Besitzer Bernd F. Bolten aus Itter ist nicht schwer glücklich zu machen. Aber leicht unglücklich. Das war er vier Jahre lang. Doch seit Anfang Juli ist der Chef-Weinhändler von Bolten & Bolten nun wieder glücklich.

Was ihn glücklich machte? Kurz: ein Bescheid. Mit dem "Bescheid der Bundesanstalt für Ernährung und Landwirtschaft gemäß Verordnung 1308/2013 des Europäischen Parlamentes, den Durchführungsbestimmungen und dem Weingesetz der Bundesrepublik wird die Rebanlage auf dem Flurstück Itter/Holthausen137/6 offiziell genehmigt", hieß es in dem Schreiben, das für Bolten und seine Frau Regina das Glück bedeutete.

Dass dieses Glück natürlich nicht von allein den Weg zu den Boltens fand, ist klar. Im Februar dieses Jahres hatte Bernd Bolten den dafür nötigen Antrag bei den zuständigen Stellen gestellt. Nun kann er endlich wieder den Ertrag seiner Rebsorten Riesling, Kerner und Spätburgunder aus dem Garten an der Huvestraße in Zusammenarbeit mit einem professionellen Winzer verkaufen. Und der Wein avancierte regelrecht zu einem "Export-Schlager" - ein Kultgetränk einer großen Gemeinde auswärtig lebender NRW-Landeshauptstädter.

Unglücklich wurde Bolten, weil ihm 2013 nach einer Reihe von erfolgreichen Jahren die für Weinkontrolle zuständige Behörde verbot, seinen "Itter-Zwicker" gewerbsmäßig in den Verkauf zu bringen. Den Wein hatte Bolten, wie er selbst sagt, zuvor jahrelang "in fast die ganze Welt" geliefert - an dort lebende Düsseldorfer. Zur Erinnerung an ihre Heimatstadt.

Bernd F, Bolten erinnert sich an das Verbot, das ihm seinerzeit ins Haus geflattert war: "Die Begründung war, dass mein Produkt nicht von einer genehmigten Rebanlage stammte." Doch ist das nun Geschichte. Und so soll es auch bleiben. Er denkt lieber an die Zukunft. "Seit 29 Jahren stehen Rebstöcke in meinem Garten", sagt der Mann, der den positiven Bescheid sozusagen als Geschenk zum 40-jährigen Bestehen des Weinhandels Bolten & Bolten betrachtet. Oder als Geschenk zum 50. Jahr, in dem er seine Frau Regina - mit der ist er inzwischen 47 Jahre verheiratet - kennenlernte. Der 70-Jährige liebt sogar die viele Arbeit, die der Wein ihm macht, Und er ist sicher: "Diese Arbeit hält jung.§

Am heutigen Samstag wird auch einer inzwischen zur Tradition gewordenes Tätigkeit nachgegangen. Einer, die seine Freunde und Kunden sowie einige Schützen aus der Nachbarschaft lieben. Erst ist die Weinhandlung wie üblich von 10 bis 14 Uhr geöffnet - und dann, ab 15 Uhr, folgt das Aufstellen des Klapotetzes. Immer zwischen den Schützenfesten von Itter (vergangenes Wochenende) und Himmelgeist (nächstes Wochenende) ist die Zeit zur Klapotetz-Aufstellung. Damit verbunden ist die unterhaltsame und so beliebte Weinprobe im Garten der Boltens sowie die Begutachtung der Reben, die den bei Kennern so geschätzten Itter-Zwicker liefern. In diesem Jahr erstmals als offiziell genehmigte Rebanlage. Eine Anmeldung zur Teilnahme ist aber erforderlich, und zwar unter Telefon 754232 oder per E-Mail bolten-weine@online.de. Für 8,50 Euro pro Person offeriert das Ehepaar Bolten auch etwas zu essen.

Der Klapotetz ist übrigens ein hölzernes Windrad, das das Ehepaar einmal aus einem Österreich-Urlaub aus der Steiermark mitbrachte. Das Windrad mit Welle und Schlägeln verursacht beim Aufschlagen der Schlägel auf Kirschholz rhythmische Geräusche. Die sind für Vögel, die gern reife Trauben naschen, ein ungeliebter Klang. Und vertreiben die gefiederten Traubendiebe. Manchmal.

Quelle: RP
 
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