| 00.00 Uhr

Kaiserswerth
Ärger um Pläne für 1000 Wohnungen

Kaiserswerth. Ein altes Vorhaben für ein Wohngebiet an der Kalkumer Schlossallee ist wieder ins Gespräch gekommen. Weichen dafür sollen nun gestellt werden. Die Lokalpolitiker wurden davon völlig überrascht. Von Julia Brabeck

Ratsherr Andreas-Paul Stieber (CDU) spricht seine Empörung offen aus: "Das ist sehr starker Tobak, der uns hier präsentiert wird und die Stadtplanung im Bezirk 5 völlig auf den Kopf stellt. Ich bin schockiert." Anlass für den Unmut war die Vorstellung des Landeswettbewerbs StadtUmland NRW in der Bezirksvertretung 5, an dem sich die Stadt beteiligt. Dafür wird zur Zeit unter anderem eine Fläche in Kaiserswerth entlang der Kalkumer Schlossstraße als Projekt mit insgesamt 1000 neuen Wohnungen geplant.

Die Mitglieder der Bezirksvertretung 5 waren aber nicht darüber informiert worden, dass ein Gebiet aus ihrem Bezirk für den Wettbewerb entwickelt wird. Viele von ihnen befürchten, dass es nicht nur bei einem theoretischen Wettbewerbsentwurf bleibt, sondern das Projekt auch später umgesetzt werden soll. "Niemand gibt schließlich Geld aus, wenn nicht eine Absicht dahinter steckt", sagt Martin Schilling (CDU). Unbegründet scheint diese Befürchtung nicht zu sein, denn die Verwaltung kündigte an - unabhängig vom Wettbewerb - ein Bebauungsplanverfahren und die Änderung des Flächennutzungsplanes zu starten. Letzteres ist notwendig, da zurzeit dort nur der Bau von Schulgebäuden, Kindertagesstätten oder Sportanlagen zulässig ist. Vonseiten des Landes gibt es keine rechtlichen Hürden, nun auch Wohnbebauung zuzulassen. Allerdings würde dann die Politik in das Verfahren eingebunden werden, das sich über viele Jahren hinziehen soll. "Die konkrete Ausgestaltung bleibt der lokalen Ebene vorbehalten", so Ulrike Geßner vom Stadtplanungsamt.

Bereits 2005 war dieses Areal, das sich die evangelische Kirche, die Kaiserswerther Diakone, Privatleuten und die Stadt teilen, bereits in das Wohnbaureserveflächenprogramm aufgenommen worden. In diesem Programm wurden Flächen in der Stadt notiert, die im Bedarfsfall zur Wohnbebauung genutzt werden könnten - sozusagen als zusätzliche Ressource für Wohnungsbau. Nach umfangreichen Diskussionen wurde der Bereich wieder aus diesem Programm gestrichen, aber nicht endgültig zu den Akten gelegt, wie nun in der Sitzung der Bezirksvertretung 5 deutlich wurde.

Die SPD-Fraktion in der BV 5 zeigt dafür Verständnis. "Düsseldorf hat eine stark wachsende Bevölkerung und die Grenze der Innenentwicklung ist bald erreicht. Uns wäre auch lieber, wenn solche Flächen nicht bebaut werden, aber es ist ein Zwang vorhanden und wir müssen jetzt sehen, wie ein Kompromiss erreicht wird", sagt Dieter Horne.

Monika van Volxem (FDP) befürchtet, dass durch solche Wohngebiete die Eigenständigkeit der Ortschaften im Düsseldorfer Norden verlorengehen könnte. "Uns war es immer wichtig, dass diese nicht zusammenwachsen, auch damit die für die gesamte Stadt wichtigen Frischluftschneisen erhalten bleiben."

Die CDU verweist zudem auf einen einstimmig gefassten Beschluss der Bezirksvertretung von 2014, der sich für den Erhalt von Freiflächen ausspricht und dafür eine maßvolle Verdichtung in ohnehin bebauten Gebieten als Kompromiss akzeptiert. Angezweifelt wird auch, dass der zusätzliche Verkehr der Bewohner der 1000 Wohnungen vernünftig abgewickelt werden kann, zumal bereits an vielen Stellen im Bezirk oft kein Durchkommen möglich sei. "Alternativ aber Wohnungen im Umland wie Remscheid und Duisburg zu bauen, ist auch keine Lösung, denn der Pendlerverkehr wird dadurch nicht besser", sagt hingegen Horne.

Dass die Bezirksvertretung von den Plänen so überrascht wurde, sei zudem teilweise selbst verschuldet. "Die SPD hat seit Jahren für den Bezirk 5 ein städtebauliches Entwicklungskonzept gefordert. Das wurde aber immer abgelehnt, obwohl es uns besser vorbereitet und Sicherheit gegeben hätte", sagt Dieter Horne.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Kaiserswerth: Ärger um Pläne für 1000 Wohnungen


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.