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Kaiserswerth
Diakonissen verschönern ihren Friedhof

Kaiserswerth. 608 Gräber der Schwestern an der Schleifergasse wurden vom Laub und Unkraut befreit. Unterstützung bekamen die Nonnen von zahlreichen freiwilligen Helfern aus dem Stadtteil. Von Simon Schmidt

Alleine wäre das Vorhaben der Diakonissen an diesem Samstagnachmittag nicht zu schaffen gewesen. 608 Gräber auf dem Friedhof an der Schleifergasse wollten sie vom gefallenen Laub und von Unkraut befreien. Freiwillige Helfer luden sie zu einem Aktionstag auf den Friedhof ein. Kleine Belohnung nach den Arbeiten: Verköstigung im Begegnungszentrum im Haus Tabea.

Weil viele der der Schwestern schon ein hohes Alter erreicht haben, waren die jüngeren Diakonissen über jede Hilfe froh. "Wir hatten eine tolle Reaktion aus dem Stadtteil und viele helfende Hände. Das ist nicht selbstverständlich an einem Samstagnachmittag in den Ferien und freut uns umso mehr", sagte Schwester Judith Kiehnel.

Nicht nur für die Diakonissen, auch für die Bewohner des Stadtteils ist der Friedhof ein Ort der Einkehr. Seine klaren, fast geometrischen Strukturen unterscheiden ihn zusätzlich zu den Mauern vom katholischen Teil. Seine Gestaltung erfolgte 1849 an den "Gottesacker" der Herrnhuter Brüdergemeinde.

In regelmäßigen Reihen von fünf bis sechs Gräbern liegen die Verstorbenen. Jedes Grab hat den gleichen Grabstein - versehen mit einer Taube, die zu den Sternen fliegt. Dabei spielt es keine Rolle, welche Position eine Schwester im Orden bekleidet hat. Nur der Name und die Lebensdaten geben den Angehörigen und Besuchern einen Anhaltspunkt, wer hier seine letzte Ruhe gefunden hat. Durch diese Art der Grabgestaltung zeigt sich die große Sterbefrömmigkeit der Diakonissen, für die jeder im Tod und vor Gott gleich ist.

Schon bei ihrem Gründer Theodor Fliedner wurde diese Art der Beisetzung praktiziert. Er liegt gemeinsam mit seiner zweiten Frau, Caroline, auf einem erhöhten Teil des Friedhofes begraben. Auch seine erste Frau, Friederike, die im Kindbett starb, wurde mit ihren zehn Kindern, von denen keines das Erwachsenenalter erreichte, auf dem Friedhof beerdigt.

Zusammen mit Friederike gründete Theodor Fliedner im Jahr 1836 die erste Diakonissen-Anstalt der Welt in Kaiserswerth und reformierte so die Krankenpflege in Deutschland. Früh erkannte er, dass der Mangel in Pflege- und Erziehungsberufen zu seiner Zeit durch Frauen gedeckt werden konnte. Dies gab vielen jungen Frauen eine Beschäftigung zu einer Zeit, in der die Arbeit der Frau nicht selbstverständlich war.

"Für uns ist seine Philosophie auch nach 180 Jahren immer noch präsent, er hat zahlreichen Frauen die Chance gegeben, sich beruflich und auch ohne einen Ehemann zu verwirklichen. Auch wenn das vielleicht nicht sein Hauptgedanke gewesen ist ", sagt Schwester Judith.

Ein anderer wichtiger Ort für die Diakonissen ist das Grab der Schwestern Johanna und Erna Aufricht. Die beiden Frauen, die zum evangelischen Glauben konvertierten, wurden aufgrund ihrer jüdischen Herkunft in ein Konzentrationslager deportiert. Johanna schaffte es, lebendig zurückzukehren, Erna wurde dort ermordet. Den Diakonissen ist es sehr wichtig, auch an dieses Kapitel der Geschichte zu erinnern, weshalb bei Führungen über den Friedhof immer an den Gräbern der Schwestern Station gemacht wird.

Quelle: RP
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