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Kaiserswerth
Eine Problemlöserin für Senioren

Kaiserswerth. Ulrike Schneider ist Mitglied im Seniorenrat und berät regelmäßig ältere Menschen. Sie kann nicht nur gut zuhören, sondern weiß auch immer schnell Rat. Von Julia Brabeck

Ulrike Schneider kommt gut ausgerüstet zu der Seniorensprechstunde, die sie an jedem zweiten Montag im Monat im Kaiserswerther Rathaus abhält. Sie hat Flyer mit wichtigen Informationen für Senioren, Lesestoff für mögliche Pausen und etwas zu knabbern dabei. "Ich weiß vorher nie, was mich erwartet. Manchmal, sitze ich hier zwei Stunden alleine, manchmal kommen zehn Gäste vorbei und ich erhalte noch nebenher Anrufe." Diesmal kommt Schneider, die seit 2009 mit Horst Grass den Stadtbezirk 5 im Seniorenrat vertritt, aber nicht zum Lesen. Punkt 10 Uhr, Beginn der zweistündigen Sprechzeit, steht Walter Tomelleri vor der Tür, der wenig später noch Unterstützung von seinen Bruder Rolf erhält. Rasch breitet er mehrere Pläne auf dem Tisch aus, um sein Anliegen, die Gestaltung des Kaiserswerther Marktes, besser erläutern zu können.

Weit kommt er aber nicht mit seinen Ausführungen, denn Schneider unterbricht ihn freundlich aber bestimmt. "Das ist ein wichtiges Projekt, aber für solchen Planungen bin ich nicht der richtige Ansprechpartner. Ich setze mich dafür ein, dass der Bereich barrierefrei und die Sitzbänke seniorengerecht gestaltet werden, aber nicht für ein bestimmtes Konzept. Dafür bin ich nicht autorisiert." Davon lässt sich Tomelleri aber nicht beirren. Er will, dass auf der Mittelinsel des Platzes künftig ein Weg freigehalten wird, der auch Menschen mit Rollatoren oder im Rollstuhl die komplette Befahrung von einem Ende zum anderen ermöglicht. "Auch wenn Sie nicht die richtige Ansprechpartnerin sind, möchte ich dennoch mein Anliegen vortragen und nicht das Gefühl haben, etwas versäumt zu haben", sagt Tomelleri und entfaltet den nächsten Plan.

Und dann will er es doch genauer wissen und fragt, für welche Anliegen denn Schneider zuständig sei. "Ich verstehe mich als Vermittlerin. Wenn Senioren persönliche Probleme, beispielsweise mit ihrer Wohnsituation oder ihrem Einkommen haben, oder Anliegen zur Infrastruktur im Stadtteil loswerden wollen, nenne ich ihnen einen Ansprechpartner oder eine Beratungsstelle. Ich bin hervorragend vernetzt", sagt Schneider. Tomelleri nickt und als er geht, hat man das Gefühl, dass dies nicht sein letzter Besuch bei Frau Schneider war.

Die 68-Jährige muss nicht lange auf den nächsten Kunden warten, denn schon steht Sigrid Schlegel vor der Tür, um auf einen Missstand aufmerksam zu machen. "Eine Bank unterhalb der Suitbertus Basilka an der Rheinuferpromenade ist marode. Inzwischen schauen dort Metallstäbe hervor, was einfach gefährlich ist." Schneider kann eine rasche Beseitigung des Problems versprechen. "Wenn ich so etwas der Bezirksverwaltungsstelle melde, wird das immer sehr schnell in Ordnung gebracht", erklärt sie.

Der nächste Besucher ist ein Rentner aus Kalkum, der zwar nicht seinen Namen, dafür aber gleich mehrere Anliegen nennen möchte. Ihm stört es, dass die beiden öffentlichen Toiletten in Kaiserswerth schon gegen 18 Uhr abgeschlossen werden. "Gerade im Sommer ist das viel zu früh." Zudem wünscht er sich noch viel mehr Bänke zum Verweilen im Stadtbezirk. "Damit rennen Sie bei mir offene Türen ein", sagt Schneider. Sie vereinbart mit dem Herrn einen weiteren Termin, um gemeinsam mögliche Standorte festzulegen. "Dann werden wir versuchen über eine Partei in der Bezirksvertretung 5 einen entsprechenden Antrag stellen zu lassen", erklärt sie das weitere Vorgehen. Denn eigene Anträge darf sie im Gremium nicht einreichen.

Die letzte Besucherin des Tages ist Annette Florin, die weit vom Seniorenalter entfernt ist. "Ich biete philosophisch-psychologische Beratungen an und Gesprächskreise für Senioren", erklärt die Angermunderin. Sie möchte gerne über Schneider ihr Projekt bekannt machen. "Das muss ich ablehnen", erklärt diese, "denn kommerzielle Angebote darf ich nicht empfehlen. Ich muss neutral bleiben." Annette Florin packt daraufhin ihre Flyer wieder ein und Schneider beendet die Sprechstunde.

"Mir macht diese Arbeit sehr viel Spaß, denn ich habe dadurch viele nette Leuten kennengelernt und mein Leben erhält eine Struktur", sagt die ehemalige Chefarztsekretärin. Da sie noch die stellvertretende Vorsitzende des Seniorenrates ist, investiert sie durchschnittlich 25 Stunden in der Woche in das Ehrenamt: "Das aber sehr gerne."

Quelle: RP
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