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Kaiserswerth
Ort für das Plattbodenschiff gesucht

Kaiserswerth. Das in Kaiserswerth gefundene Schiff aus dem 17. Jahrhundert wird zurzeit restauriert und könnte 2019 nach Düsseldorf zurückkehren. Einen geeigneten Ausstellungsraum zu finden, gestaltet sich aber schwierig. Von Julia Brabeck

Für das 2009 bei Deichsanierungen in Kaiserswerth entdeckte Plattbodenschiff gibt es noch keinen Standort für eine spätere Ausstellung. Das teilte die Verwaltung auf Anfrage der CDU-Fraktion in der Bezirksvertretung 5 mit. Das Gremium bemüht sich seit längerem um eine Ausstellungsmöglichkeit in der Nähe des Fundortes. Als mögliche Standorte wurden im Rahmen der Diskussion um eine weitere Nutzung des Kö-Pavillons bereits zwei Standorte vom Heimat- und Bürgerverein Kaiserswerth vorgeschlagen. Das waren der Herbert-Eulenberg-Weg, also die Stelle, wo das Schiff gefunden wurde, und ein Areal am Kaiserswerther Kreisverkehr an der Niederrheinstraße.

Zurzeit befindet sich das Schiff aus dem 17. Jahrhundert in der archäologischen Werkstatt des Landes Schleswig-Holstein in Schloss Gottorf, wo es für rund 600.000 Euro konserviert wird. Dafür werden die Planken mit PEG (Polyethylenglycol) getränkt. Wegen des überwiegend noch sehr guten Erhaltungszustandes des Holzes kann der Konservierungsstoff aber nur langsamer als geplant eindringen. Der ursprünglich auf fünf Jahre geschätzte Vorgang wurde deshalb um zwei Jahre verlängert und dauert nun bis Mitte dieses Jahres an. Die anschließende Gefriertrocknung der Holzteile und die Zusammensetzung der Planken wird dann voraussichtlich bis Anfang 2019 dauern.

Beim Zusammenbau müssen sich die Experten an Abbildungen und Beschreibungen in Fachbüchern orientieren, da bislang noch kein ähnliches Boot gefunden wurde. Deshalb wird es auch weitere Untersuchungen beispielsweise zum Alter des Bauholzes und zu den Handwerkstechniken geben.

Danach könnte das Schiff nach Düsseldorf zurückkehren und ausgestellt werden. Allerdings besteht noch kein Plan, wie das geschehen soll. "Es war eine Sensation schlechthin, ein solches Schiff in einem so hervorragendem Zustand zu finden", sagt Jörg A.E. Heimeshoff, Leiter des Bauaufsichtsamtes. Es dann womöglich nur in einem Archiv zu lagern, sei deshalb zu schade.

Doch einen Ausstellungsraum zu finden, gestaltet sich schwierig, da das Schiff mit einer Länge von 17,40 Metern und einer Breite von drei Metern sehr groß ist. Aufgrund der Konservierung kann zwar später auf einen voll klimatisierten Raum verzichtet werden, von einem Tageslichtmuseum wird aber seitens der archäologischen Werkstatt Schloss Gottorf abgeraten. "Damit sind einer dauerhaften Präsentation Grenzen gesetzt - auch aufgrund der Größe des Schiffs und der Frage, welche Raum dafür überhaupt in Frage kommen könnte", sagt die Verwaltung.

Befürchtet wird inzwischen von einigen Experten, dass deshalb das Schiff als Leihgabe an Museen anderer Städte gehen könnte, wie etwa das Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven. Und ob dann noch nach einem geeigneten Ausstellungsraum in Düsseldorf gesucht wird, zu dem es ja auch ein Konzept und ein Begleitprogramm geben müsste, ist zweifelhaft.

Das Kaiserswerther Plattbodenschiff ist das einzige seiner Art, das bisher gefunden wurde. Es hat den französischen Besatzungskräften als Versorgungsboot gedient und kam so aus dem Straßburger Raum ins Rheinland. Es wurde wahrscheinlich versenkt, als die Franzosen Kaiserswerth verließen.

Quelle: RP
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