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Kaiserswerth/Unterrath
Sechs Tage ohne Gas

Kaiserswerth/Unterrath: Sechs Tage ohne Gas
In der Rheinlandstraße und den angrenzenden Straßen ist es zurzeit nachts dunkel. Die Straßenlaternen können aufgrund einer Störung nicht mit Gas betrieben werden. Das Problem kann noch einige Tage dauern. FOTO: Tanja Karasch
Kaiserswerth/Unterrath. Für manche Anwohner endete die Nacht zu Montag abrupt, als gegen 23.30 Uhr Männer von der Netzgesellschaft vor der Tür standen. Von T. Karasch und J. Brabeck

Sabine Seils ist noch immer aufgebracht, wenn sie an die Nacht von vergangenem Sonntag auf Montag denkt. Weil ihr Mann verreist war, war sie alleine zu Hause, als es um 23.20 Uhr plötzlich an der Haustür klingelte. Durch die geschlossene Tür riefen ihr Männerstimmen zu. "Die haben gesagt, dass sie von der Netzgesellschaft seien und in meinen Keller müssten, weil es ein Gasleck gegeben habe", sagt Seils. Die Tür wollte die Unterratherin aber nicht einfach öffnen. Verängstigt räumte sie deshalb die Orchideen von der Fensterbank, um ein Fenster öffnen zu können. Zwei Männer leuchteten ihr daraufhin mit Taschenlampen entgegen und hielten ihr einen Ausweis hin, den Sabine Seils im Dunkeln nicht richtig erkennen kann. "Ich habe einen riesigen Schreck bekommen", sagt Seils. Sie bittet die Männer, am nächsten Tag wiederzukommen. "Da haben sie geantwortet, das sei nicht nötig und dass ich, wenn ich jetzt nicht öffne, lange Zeit kein Gas haben werde." Sabine Seils denkt an Trickbetrüger oder Einbrecher, und öffnet die Tür nicht. Als die Männer sich entfernen, ruft sie sofort den Notruf und berichtet der Polizei von dem Vorfall. Die überprüft den Fall und meldet zurück: Es habe tatsächlich ein Gasleck gegeben. Seitdem hat Sabine Seils kein Gas mehr.

"Die Vorgehensweise war aber völlig richtig. Wer unsicher ist, soll sofort die Polizei anrufen, denn sich als Mitarbeiter eines Unternehmens auszugeben, um sich Zugang zu einer Wohnung zu beschaffen, ist eine bekannte Betrugsmasche", sagt Polizeisprecherin Anja Kynast. Sie rät, sich immer einen Ausweis zeigen zu lassen und einen späteren Besuchstermin zu vereinbaren, damit Zeit bleibt, sich bei den Unternehmen nach den Mitarbeitern zu erkundigen. Die Netzgesellschaft gibt an, sich in einer Zwickmühle befunden zu haben. "Einerseits verstehen wir, dass es Anwohner misstrauisch macht, wenn wir nachts unangemeldet vorbeikommen", sagt ein Sprecher. Die Mitarbeiter seien aber im Sinne der schnellen Störungsbeseitigung eingesetzt worden.

Gestern versuchten die Stadtwerke im gesamten Dahlienweg, in dem auch Sabine Seils lebt, aber auch noch in umliegenden Straßen rund 40 betroffene Häuser wieder an das Gasnetz anzuschließen. Die Störung war hervorgerufen worden, weil aus einer undichten Trinkwasserleitung Wasser ausgetreten war. Das hatte zu Korrosionsschäden an der Gasleitung geführt, so dass Wasser eindringen konnte.

Kurioserweise beschäftigt ein ähnlicher Fall die Stadtwerke bereits seit Freitag in Kaiserswerth. Dort waren rund 100 Häuser im Ortskern betroffen. Einige Haushalte können inzwischen wieder mit Gas beliefert werden. "Bis die Netze wieder im Regelbetrieb sind, können allerdings noch einige Tage vergehen", teilen die Stadtwerke mit. So lange können die Betroffenen nicht mit Gas kochen und auch nicht ihr Wasser erwärmen.

Anwohner Edgar Göcken hingegen hat da mit seinem Durchlauferhitzer zurzeit Glück. Denn das unterscheidet seine morgendliche Dusche von denen seiner Nachbarn: Seine ist warm. Eine Anwohnerin berichtet, dass sie Wasser im Wasserkocher erhitzen und anschließend mit kaltem aus dem Hahn vermischen muss, um ihr Neugeborenes baden zu können. Sorgen bereitet den Anwohnern auch die Straßenbeleuchtung, denn die Lampen werden ebenfalls mit Gas betrieben. Seit Tagen ist es daher nachts stockdunkel im Wohngebiet.

Der Kaiserwerther Ulrich Störmer hat nach vier Tagen inzwischen wieder Gas. Er bemängelt aber, dass er in dieser Zeit nicht über die Störung informiert wurde. "Ein kurzes Schreiben im Briefkasten hätte da schon viel geholfen. Wir wussten ja nicht, ob wir jetzt nur einige Stunden oder Tage ohne Gas auskommen müssen ", sagt Störmer.

Quelle: RP
 
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