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Kalkum
6000 Kilometer für das Brauchtum

Kalkum. Guido Möller kam am Wochenende wieder extra aus Hongkong, um mit den Schützen in Kalkum feiern zu können. Von Stefanie Thrun

Guido Möller legt sie seit vielen Jahren zurück: 6000 Kilometer von Hongkong nach Düsseldorf. Und jedes Jahr hat er ein ganz bestimmtes Ziel, und zwar das Schützenfest in Kalkum. Beim gestrigen, großen Umzug der Kalkumer Schützen war er deshalb auch mit dabei. In Uniform und mit besonderer Auszeichnung. Zum ersten Mal hat er es nämlich zum Kompaniekönig geschafft und durfte auf einem Thron neben dem "großen" König Platz nehmen.

"Ich hatte Glück, dass mein Bruder daneben geschossen hat", erzählt der fröhliche Globetrotter. Der 34-Jährige ist verheiratet und hat eine elf Monate alte Tochter. Seit nun sieben Jahren lebt er inzwischen in Hongkong und arbeitet dort für einen Batteriehersteller im Einkauf.

Das jährliche Schützenfest sei für ihn von ähnlicher Wichtigkeit wie Weihnachten. Für ihn seien das die zwei wichtigsten Termine im Jahr, zu denen es ihn immer wieder in die Heimat ziehe. Seitdem er 1996 Mitglied wurde, habe er das Fest bloß zweimal verpasst: Im Jahr 2000 und 2015 sei er nicht dabei gewesen, sonst kam er immer eingeflogen, egal wo er gerade studierte oder arbeitete. "Alle 15 Jahre fehle ich also. Ich habe schon angemeldet, dass ich 2030 ausfalle", sagt Möller lachend. Für ihn bedeute das Brauchtum in der Bruderschaft St. Sebastianus vor allem eines: echtes Heimatgefühl. Dafür lohne es sich immer wieder, zurück nach Kalkum zu kommen, auch wenn die Kollegen im Ausland nur unverständlich den Kopf schüttelten. Die Schützenfeste in Kalkum seien für ihn eben wie große Familienfeste.

Und im vergangenen Jahr sei die Heimat dann sogar zu ihm nach Hongkong gekommen. Zwölf der 24 Regimentsmitglieder kamen ihn im November besuchen. "Auf die Idee, Urlaub in Hongkong zu machen, wäre ich sonst nie gekommen", erzählt Florian Kels, Geschäftsführer der Schützen in Kalkum. Ganz spontan hätten sich alle zusammengetan und günstige Flüge gebucht. Damit habe Möller nun überhaupt nicht gerechnet, "aber umso größer war die Freude, so viele Freunde in der Ferne begrüßen zu können und ihnen zu zeigen, wo und wie ich lebe", sagt Möller. Einige Düsseldorfer seien sogar schon öfters bei ihm gewesen. Aber jetzt ist Guido Möller ja zurück in Düsseldorf, wenn auch nur auf Zeit.

Eigentlich fühle er sich sehr wohl im Ausland, erzählt der Schütze. Zwar spreche er kein Kantonesisch, aber zumindest Mandarin - und er komme damit ziemlich gut zurecht. Ein wenig ziehe es ihn allerdings schon in die Heimat zurück, denn momentan lebe er mit seiner Familie auf 42 Quadratmetern. "Für dieselbe Miete könnte ich mir hier ein Haus leisten", sagt er. Und das im Düsseldorfer Norden. Einen vernünftigen Garten vermisse er auch etwas.

Vorerst allerdings bleibt Möller mit seiner Familie in Hongkong, und unter den richtigen Umständen könnte er sich auch noch ein ganz anderes Land vorstellen: Singapur vielleicht oder Australien. Eines stünde aber fest: Egal, wo es ihn in Zukunft hin verschlage, zum jährlichen Schützenfest in Kalkum werde es ihn weiterhin zurück nach Düsseldorf ziehen. "Außer natürlich 2030, dann mache ich woanders Urlaub, das muss einfach sein", sagt Möller scherzend.

Quelle: RP
 
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