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Kalkum
Was rund um die Kalkumer Mühle passierte

Kalkum: Was rund um die Kalkumer Mühle passierte
Rita Becker hat das Buch über das Gebäude, aber eben auch über die Menschen, die dort wohnten und arbeiteten, geschrieben. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Kalkum. Die Heimatforscherin Rita Becker hat sich mehrere Jahre mit dem historischen Gebäude beschäftigt. Dabei hat sie auch viel kuriose Geschichten entdeckt. Von Julia Brabeck

Seit mehr als 20 Jahren beschäftigt sich Rita Becker mit der Geschichte von Kalkum. Für ihre zahlreichen Forschungen und Publikationen hat die Heimatforscherin in unterschiedlichen Archiven Berge von Akten gewälzt, viele unleserliche Schriften mühsam entziffert und dabei intensiv die Historie vieler Familien und Gebäude im Stadtteil recherchiert. Die vergangenen vier Jahre hat Rita Becker sich aber vor allen Dingen mit einem Objekt beschäftigt: mit der rund 750 Jahre alten Kalkumer Mühle. Eigentlich wollte sie ursprünglich nur für eine Informationstafel das Datum herausfinden, an dem der Mahlbetrieb dort eingestellt worden war und einen kleinen Beitrag schreiben. "Schnell wurde mir aber klar, dass da Material für ein ganzes Buch vorhanden war", sagt Becker.

Das Projekt konnte dank vieler Sponsoren, darunter die Anton-Betz-Stiftung der Rheinischen Post, umgesetzt werden. Das fertige Buch mit 300 Seiten und rund 100 Abbildungen liegt nun vor und wird Ende des Monats der Öffentlichkeit präsentiert. "Es ist aber kein reines Buch über das Gebäude, sondern auch über die Personen, die dort gewohnt und gearbeitet haben, und über die Menschen, die wiederum mit ihnen in Verbindung standen", sagt Becker. Daraus ergeben sich immer wieder zusätzliche Alltagsgeschichten. So ist Becker beispielsweise auf einen Müller gestoßen, der im 17. Jahrhundert für die Grafen kleine Verwaltungsaufgaben übernommen hatte und auch für die Besoldung eines Vogelfängers zuständig gewesen war. "Da frage ich mich, welche Vögel da gefangen wurden, und so kommt es, dass ich in dem Buch erkläre, wie Vogelherde funktionierten", sagt die Heimatforscherin.

So erfährt der Leser auch viel über die Kriege, die in und um Kalkum herum getobt hatten, wie Hochzeiten und andere Feste zu verschiedenen Zeiten im Dorf, aber auch auf dem Schloss gefeiert worden waren und welche Pachtbedingungen es für die Mühle gegeben hatte. Dabei hat Becker auch kuriose Geschichten und interessante Anekdoten aufgespürt und aufgeschrieben. Anhand eines Pachtvertrages kann sie beispielsweise herleiten, wie der Graf Edmund Gottfried I. von Hatzfeld um 1783 für sein uneheliches Kind gesorgt hatte. Dieses war in die Müllersfamilie gegeben worden, der dafür die Pacht erlassen wurde. Dabei wurde genau schriftlich festgehalten, wie das Kind gekleidet werden soll und dass im Krankheitsfall "schleunigste Hilfe zu suchen" sei und das Kind so behandelt werden soll, "als wenn es ihnen eigen wäre".

Edmunds Sohn, der bekannt war für seine zahlreichen Verhältnisse mit Frauen aller Schichten, verfuhr dann später ähnlich. Wurden die Frauen schwanger, verschaffte der Graf ihnen ein Auskommen. Er verheiratete die künftigen Mütter mit seinen Dienstboten, zahlte ihnen Gelder oder gewährte Vergünstigungen. So erhielt die damals schwangere Müllerstochter Christina Blomenkamp 1821 einen Pachtvertrag für das Grundstück an der Schlossallee, wo sie mit ihrem Mann eine Gastwirtschaft, das heutige Freemann, errichtete.

Das Jahr, in dem der Mühlenbetrieb eingestellt wurde, hat Becker natürlich auch herausgefunden. "Das war 1957. Damit endete nach vielen Jahrhunderten eine Tradition, die einstmals die wichtigste technische Einrichtung zur Versorgung der Bewohner von Dorf und Umland darstellt."

Heute wird das Gebäude nach umfangreichen Sanierungsarbeiten in den 1970er Jahren als Wohnhaus genutzt.

Quelle: RP
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