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Knittkuhl
Gegen die Langeweile

Knittkuhl: Gegen die Langeweile
Gabriele Hoffmann-Morawietz (l.) und Uta Rüdel sorgen für ein buntes Programm. Es wird gestrickt, gelesen, gemalt und gefilzt. FOTO: Anne Orthen
Knittkuhl. Die evangelische Kirchengemeinde in Knittkuhl ist insbesondere für Frauen im kulturell sonst eher öden Düsseldorfer Osten oft der einzige Anlaufpunkt. An fünf Tagen die Woche wird hier Programm geboten. Von Marc Ingel

Wer im tiefen Osten von Düsseldorf, in Knittkuhl, Hubbelrath oder weiten Teilen Ludenbergs, wohnt, dem wird kulturell vor seiner Haustür so gut wie nichts geboten. Auch gesellschaftlich gibt es kaum Möglichkeiten, sich mit anderen auszutauschen. Einen Anlaufpunkt, der etwas zu bieten hat, existiert dann aber doch: die evangelische Kirche in Knittkuhl am Mergelsberg.

Das wurde in der vergangenen Woche einmal mehr deutlich, als der Gerresheimer Klaus Grabenhorst in der Reihe der literarischen Abende zu Gitarre und Mandoline über die grüne Insel Irland philosophierte. "Es war mit mehr als 30 Besuchern ganz schön voll in unserer bescheidenen Hütte, aber Grabenhorst sorgt mit seiner mitreißenden Art schnell dafür, dass niemand sein Kommen bereuen muss", wirft Gabriele Hoffmann-Morawietz einen Blick zurück.

Zusammen mit Uta Rüdel organisiert sie das (un)regelmäßig stattfindenden "Lesecafé" mit Autoren. Der literarische Abend, in den die Veranstaltung eingebettet ist, findet hingegen jeden Mittwoch von 18 bis 20 Uhr in Knittkuhl statt. "Wir machen unsere Gäste bekannt mit bestimmten Büchern, rezensieren sie, lesen vor, sprechen darüber", berichtet Hoffmann-Morawietz. Das Ambiente in dem Kirchenraum ist entsprechend: In den Regalen stehen viele Bücher, alle gespendet. "Die Menschen können ihre Literatur, die sie nicht mehr benötigen, weil vielleicht ihre Bücherschränke zu voll sind, zu uns bringen, aber auch Bücher mitnehmen. Sie müssen sie dann nicht zwingend wieder zurückbringen, alles geschieht unverbindlich und ohne große Kontrolle. Kinderbücher sind ebenfalls darunter", berichtet Uta Rüdel. Eine Wand dient als Ausstellungsfläche, aktuell hat Hoffmann-Morawietz eigene Werke dort hängen. Aber auch andere Künstler, gerne aus Knittkuhl, können diese Möglichkeit nutzen und ihr Talent mit anderen teilen. "Da gibt es mehr, als man denkt, nur die meisten trauen sich nicht so recht, ihre Kunst öffentlich auszustellen", sagt Hoffmann-Morawitz.

Der Mittwochabend ist aber beileibe nicht der einzige Termin, an dem in der evangelischen Kirchengemeinde Programm geboten wird. Am Montag (18-20 Uhr) lädt Hoffmann-Morawietz zum Workshop "Literarisches Schreiben" ein. Am Dienstag wird von 15 bis 18 Uhr im Jugendzentrum Kindern Geschichten vorgelesen. Am Mittwoch geht der Tag schon um 16 Uhr mit Nadelfilzen los, dabei wird mit Eifer für den Basar (in diesem Jahr am 29. November) Kreatives handgefertigt.

Es schließt sich "Internationale Tänze" mit Gerhard Pietsch an (16-18 Uhr). Am Donnerstagnachmittag wird gestrickt, am Freitagvormittag (10-12 Uhr) gibt es eine weitere Möglichkeit, sich beim Tanzen auszutoben. Später übt noch der Kinderchor, die Gemeinde lädt zum Senioren-Kaffee ein, und von 16 bis 19 Uhr gehört die Kirche der Theatergruppe.

Am 4. November startet die fünfteilige "literarische Märchenstunde", die wegen der danach anstehenden Weihnachtsfeiern erst 2016 fortgesetzt wird. Hoffmann-Morawietz und Rüdel überlegen jetzt, bei der Stadt einen kleinen Zuschuss zu beantragen, etwa für die Produktion der Postkarten, mit denen sie für ihre Veranstaltungen werben. "Herr Geisel hat zu einem Amtsantritt ja gesagt, er will die Stadtteile stärken, da passt unser Engagement eigentlich gut rein. Sonst macht hier in der Gegend doch niemand etwas", sagt Gabriele Hoffmann-Morawietz mit einem Augenzwinkern.

Quelle: RP
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