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Pempelfort
Kunstsinnige Großstadtgemeinde

Pempelfort: Kunstsinnige Großstadtgemeinde
Der Münchner Christopher Thomas hat Mitwirkende der Oberammergauer Passionsspiele fotografiert. Seine beeindruckenden Porträts sind derzeit in einer Kunstaktion in der St.-Rochus-Kirche zu sehen. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Pempelfort. Mit einem Foto-Projekt in St. Rochus geht das katholische Derendorf-Pempelfort in die Fastenzeit. Gezeigt werden 33 Porträts des Fotografen Christopher Thomas von den Oberammergauer Passionsspielen. Von Christine Zacharias

Seit Anfang des Jahres bilden die sechs katholischen Gemeinden in Derendorf-Pempelfort eine Pfarrgemeinde. "Vier Jahre haben wir uns auf diesen Zusammenschluss vorbereitet, jetzt geht es nicht mehr um Strukturen, sondern darum, sich spirituell auf den Weg zu machen", sagt Pfarrer Heribert Dölle. Bei dieser spirituellen Neubesinnung, die bewusst in die Fastenzeit gelegt wurde, soll eine Ausstellung in der Pfarrkirche St. Rochus helfen, die seit Aschermittwoch zu sehen ist und bis zum Palmsonntag, 24. März, dauert. Gezeigt werden 33, zum Teil großformatige Fotos von Christopher Thomas, die dieser im Jahr 2010 bei den Oberammergauer Passionsspielen aufgenommen hat.

Dabei legt Pfarrer Dölle Wert auf die Feststellung, dass diese Kunstaktion nicht als Ausstellung zu sehen sei, sondern vielmehr als "spirituelle Aktion in dieser Zeit". Denn gerade eine katholische Großstadtgemeinde müsse sich heutzutage fragen, wo sie denn stehe. Die beeindruckenden Porträts des Fotografen Thomas habe man deswegen ausgewählt, weil von diesen eine besondere Wirkung ausgehe. Dölle: "Die Passionsgeschichte nudelt man inzwischen oft nur noch herunter. Das berührt kaum noch. Diese Bilder aber ziehen den Betrachter in den Bann."

Fotograf Thomas war ursprünglich nach Oberammergau gefahren, um eine Dokumentation über die bahnbrechenden Inszenierungen des Regisseurs Christian Stückl zu erstellen. Stattdessen aber hat er sich schließlich entschieden, keine Massenszenen aufzunehmen und auch keine Dokumentation zu produzieren. Vielmehr hat er sich den Menschen zugewandt und Einzelporträts erstellt, sowohl von den Hauptdarstellern als auch von Statisten. Diese 33 Porträts hängen nun in der alten Turmkapelle, dem einzig erhaltenen Gebäudeteil der im Zweiten Weltkrieg zerstörten alten Rochuskirche, und auch in dem Neubau aus den 50er-Jahren des Architekten Paul Schneider-Esleben. Dort korrespondieren sie mit dem Kreuzweg von Ewald Mataré, der Lehrer an der Düsseldorfer Kunstakademie war.

Zustande gekommen ist die Kunstaktion durch den Kurator Pater Friedhelm Mennekes, jahrzehntelanger Leiter der Kunstaktion St. Peter in Köln und jetzt Lehrstuhlinhaber an der Bonner Universität. Mennekes lebt inzwischen in der Landeshauptstadt und hat das Projekt vermittelt. Kooperationspartner ist die ASG, die als katholisches Bildungsinstitut Veranstaltungen im Bereich religiöse Bildung realisiert. "Wir haben uns gefragt, wie man religiöse Inhalte neu übersetzen kann", sagt Joachim Pfeiffer von der ASG. "Hier werden keine religiösen Symbole gezeigt, sondern Gesichter von Menschen, in denen man sich selbst erkennt und wiederfinden kann." Die Fotos von Christopher Thomas kamen direkt aus München von der Bayrischen Nationalgalerie, wo sie in beabsichtigtem Kontrast mitten in der Sammlung Alte Meister hingen. Nach Düsseldorf werden Dresden, Zittau und anschließend die Galerie des Deutschen Bundestages in Berlin weitere Stationen sein.

In St. Rochus kommen die Werke nach Meinung von Kunstexperte Friedhelm Mennekes besonders gut zur Geltung: "Dieser Raum wirkt anders als ein Museum." Was natürlich zum einen daran liege, dass es sich um ein Gotteshaus handele. "Aber St. Rochus, einst Düsseldorfs größte Kirche, war ja schon immer etwas der Zeit voraus. So stellte der Neubau von Schneider-Esleben in den 50er-Jahren geradezu einen Skandal dar. Das ist hier schon eine besondere Kirche inmitten der Stadt."

Eine Vernissage wie auch eine Finissage wird es im Hinblick auf die religiöse Ausrichtung nicht geben. Statt dessen ein umfangreiches Begleitprogramm (siehe Info) mit zahlreichen interessanten Vorträgen, unter anderem von Friedhelm Mennekes. Sowie mit besonders gestalteten Gottesdiensten. Die Rochus-Kirche ist während des Projekts täglich von 15 bis 18 Uhr geöffnet.

Quelle: RP
 
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