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Lichtenbroich
Lichtenbroich und die Flüchtlinge

Lichtenbroich: Lichtenbroich und die Flüchtlinge
Die Flüchtlingsunterkunft "In der Nießdonk" beherbergt mehr als 300 Personen, vor allem Familien. Die Lautstärke war mal ein Problem. FOTO: Jana Bauch
Lichtenbroich. Vor eineinhalb Jahren zogen 700 Flüchtlinge in den Stadtteil, Anfang August kamen 160 weitere hinzu. Hat sich Lichtenbroich dadurch verändert? Von Tanja Karrasch und Julia Brabeck

Im Supermarkt am Matthiaskirchweg, unweit der größten Flüchtlingsunterkunft Lichtenbroichs, ist an diesem Wochentag zunächst nichts davon zu spüren, dass vor eineinhalb Jahren mehrere hundert Flüchtlinge in den vergleichsweise kleinen Stadtteil gezogen sind. Viele ältere Menschen kaufen hier ein, ein Mann schiebt einen Rollator, drei Kinder stehen vor Weingummi-Tüten. Dennoch braucht es nur ein Stichwort, um den Mittvierziger, der vor dem Supermarkt sein Fahrradschoss aufschließt, auf die Palme zu bringen: Flüchtlinge. "Ich sehe kaum noch Deutsche, dafür jede Menge Kopftücher. Das ist einem Land wie unserem nicht würdig", schimpft er los. Die Stimme wird lauter. "Ich bin einer der Wutbürger, das kann ich Ihnen sagen!"

Repräsentiert das, wie die Lichtenbroicher über die neuen Nachbarn denken? Elisabeth Sierck, die mit einem Kinderwagen spazieren geht, empfindet die Situation anders: "Es hat sich gar nichts verändert." Am Anfang seien ihr schon mal Flüchtlinge im Aldi an der Kasse aufgefallen, jedoch nie negativ. Pamela Singelmann sagt: "Es ist abends jetzt etwas lauter, wenn Jugendliche auf Bänken sitzen und reden, hallt das." Darüber hinaus fühle sie sich nicht beeinträchtigt. Gerard Baumgarten stört eine Sache: "Leider sind immer mehr Frauen mit Vollverschleierung unterwegs." Zu den rund 5.500 Lichtenbroicher Einwohnern kamen seit Anfang 2016 rund 860 Flüchtlinge hinzu. In drei Einrichtungen sind sie untergebracht: am Kieshecker Weg, In der Nießdonk und seit August am Lichtenbroicher Weg. Das hatte für Unmut und Proteste gesorgt. "Mittlerweile sind die Beschwerden weniger geworden", sagt Frank Griese vom Büro der Flüchtlingsbeauftragten. "In der Nießdonk" sei es vor allem abends laut, bei der letzten Feedbackrunde im Juni sei das Thema gewesen, daraufhin hätten Stadt und Unterkunftsverwaltung Sitzbänke im Innenhof der Unterkunft verlagert und mit Bewohnern gesprochen.

Eine Frau, die in unmittelbarer Nähe der Unterkunft wohnt, berichtet, die Wogen in der Nachbarschaft hätten sich geglättet. "Am Anfang hieß es, die wären vom Feinsten ausgestattet, hätten alles von Villeroy & Boch", erzählt sie. "Seit der Begehung, als alle gesehen haben, dass es dort arg spartanisch ist, ist der Neid weg." Persönlich, sagt sie, empfinde sie die Unterkunft nicht als belastend. "Hier wohnen viele Familien mit Kindern, ich bin froh, dass ich nicht fliehen musste."

Auch der SG Unterrath grenzt an das Unterkunftsgelände. Zunächst sei es schwierig gewesen zu vermitteln, dass der Kunstrasenplatz nicht nach Belieben in der Freizeit genutzt werden kann, sagt Vorstand Sven Jürgensen. Einmal hätten 20 Afghanen ein Spiel veranstaltet. "Aber wir haben immer eine Person gefunden, die etwas Deutsch konnte, der wir das erklären konnten."

Lichtenbroicher Institutionen wie das Zentrum plus der Diakonie haben sich auf die Flüchtlinge eingerichtet: Dort gibt es jetzt eine Gruppe für junge Frauen mit Migrationshintergrund, in der deutsche Sprache und Kultur vermittelt werden.

Eine große Aufgabe musste die einzige Grundschule von Lichtenbroich stemmen. Rund 50 Kinder kamen nach der Eröffnung der ersten beiden Unterkünfte zusätzlich an die Schule an der Kranenburgstraße, deren Raumbedarf sowieso schon knapp war. "Das war schon eine schwierige Herausforderung, die wir aber angenommen und bewältigt haben. Wir sind stolz darauf, dass jetzt einige unserer Flüchtlingskinder auf ein Gymnasium wechseln können", sagt Schulleiterin Evelyn Georgi. Das drängende Raumproblem hätte Gehör gefunden, die Situation soll verbessert werden.

Quelle: RP
 
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