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Düsseldorf
Unmut über Flüchtlingsunterkünfte in Lichtenbroich

Düsseldorf: Unmut über Flüchtlingsunterkünfte in Lichtenbroich
Groß war der Andrang in Lichtenbroich: Rund 700 Menschen kamen, um sich über die Flüchtlingsunterkünfte zu informieren. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Lichtenbroich. Es brodelt im Stadtteil Lichtenbroich. Über 700 Bürger, darunter Politiker und Vertreter von Institutionen, kamen zum Bürgerforum der Stadt am Montag. Im Pfarrsaal der serbisch-orthodoxen Kirche ließen sie sich über die aktuellen Pläne zu den neuen Unterkünften für Flüchtlingen in Lichtenbroich informieren. Von Julia Brabeck

Die Stimmung war angespannt, einige Bürger waren aufgebracht, immer wieder gab es Pfiffe und Lügen-Rufe. Auf großen Unmut stößt, dass zwei weitere Unterkünfte in Lichtenbroich mit insgesamt 714 Plätzen gebaut werden sollen. In dem kleinen Stadtteil mit 5.500 Einwohnern werden somit ab Herbst über 1000 Flüchtlinge wohnen, von denen rund 30 Prozent Kinder sein werden.

"Das ist einfach zu viel und steht in keinem Verhältnis. Wir fühlen uns überrollt und eine Integration ist so nicht möglich", sagen viele Bürger. Begründen tun sie dies unter anderem mit der schwachen Infrastruktur im Stadtteil. "Ich engagiere mich in der Flüchtlingsarbeit, aber ich sehe keine Kapazitäten in Schulen und Kindergärten. Versammlungsräume gibt es auch nicht", sagt eine Frau.

Neue Unterkünfte für Flüchtlinge

Flüchtlingsbeauftragte Miriam Koch, wies darauf hin, dass die Stadt nur wenig Spielraum bei der Schaffung von neuen Standorten besäße. Geeignete Flächen für Notlösungen oder dauerhafte Bauten gäbe es kaum noch. Eine andere Verteilung sei deshalb nicht möglich.

Am Ende der Straße In der Nießdonk ist deshalb eine Modulanlage für bis zu 496 Personen geplant. Bis zu sieben zweigeschossige Wohngebäude sollen auf dem 12.000 Quadratmeter großen Gelände entstehen, aber später wieder abgerissen werden, wenn sie nicht mehr benötigt werden. Die Höhe der Gebäude stößt auf Unverständnis bei den Nachbarn. "Als wir hier gebaut haben, durften wir nur eineinhalb Geschosse errichten", sagt eine Anwohnerin. Befürchtet wird von den Nachbarn auch ein Verlust ihrer Privatsphäre und ein Werteverlust der eigenen Häuser. Da nützte es auch wenig, dass Koch darauf hinwies, dass es keine Studien gäbe, die solche Befürchtungen untermauern würden. Zudem wird von vielen Lichtenbroichern aufgrund der Größe der Wohnanlage eine Ghettoisierung befürchtet. "Die CDU und die FDP wollen deshalb einen Antrag in der Bezirksvertretung 6 stellen, dass die Anlage kleiner gebaut wird", sagt Birgit Schentek, stellvertretende Bezirksbürgermeisterin.

Die zweite, ebenfalls temporäre Unterkunft ist am Franz-Rennefeld-Weg geplant. Das rund 5000 Quadratmeter große Areal liegt hinter der Sportanlage der SG Unterrath 12/24 in der Nähe des Obi-Baumarktes. Dort sind acht dreigeschossige Gebäude vorgesehen. Bis zu 264 Personen können dort untergebracht werden. Direkte Anlieger gibt es dort nicht. An beiden Standorten wird die Caritas die Betreuung übernehmen. Baubeginn soll bereits im Sommer, der Bezug im Herbst erfolgen.

Miriam Koch versprach, auch weiterhin den Dialog zu führen. Sie möchte vor Ort weitere Fragen zu beantworten und Anregungen aufnehmen. Bei der gestrigen Versammlung gab es aber auch positive Stimmen. Eine Bürgerin berichtete von vielen guten Begegnungen mit Flüchtlingen, andere fragten direkt nach Möglichkeiten, sich ehrenamtlich zu engagieren.

Quelle: RP
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