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Lierenfeld
Der unterschätzte Stadtteil

Lierenfeld. Lierenfeld ist facettenreich und ein Vorreiter in Sachen Integration. Davon überzeugte am Samstag ein Stadtteilrundgang. Von Julia Chladek

Lierenfeld? Dass selbst viele Düsseldorfer nicht wissen, wo genau das liegt und was es dort zu sehen gibt, bekam Dirk Sauerborn von der Polizei Düsseldorf in der Vorbereitung des Stadtteilrundgangs des Öfteren zu hören. Er hingegen findet: "Lierenfeld, das muss man einfach kennen!" und organisierte am Samstag gemeinsam mit Inga Bödeker von der Evangelischen Lukaskirche eine Entdeckungstour durch das Viertel. Trotz regnerischen Wetters stellte der Stadtteil dabei unter Beweis, dass sich ein Besuch im Südosten Düsseldorfs durchaus lohnt und zeigte Facetten, die selbst vielen "Einheimischen" bisher verborgen geblieben waren.

Den Anfang machten das Zentrum Plus an der Leuthenstraße und ein Vortrag über den Künstler Otto Pankok und dessen Engagement für die Sinti und Roma des Viertels. Dass die Integration von sozial Benachteiligten und Migranten in Lierenfeld schon lange ein Thema ist, bewies auch Claudia Seidensticker, die die Arbeit ihres Vereins "Krass" vorstellte. 2009 startete die bildende Künstlerin das Projekt, um benachteiligten Kindern Kunst näher zu bringen - mit durchschlagendem Erfolg: Heute tourt ein Kunstbus mit mobilem Atelier und Musikinstrumenten durch Düsseldorf; der Verein betreut mittlerweile auch elf Flüchtlingsunterkünfte in der Stadt und wurde sogar zum Exportschlager. Während ihrer Zeit in China etablierte Seidensticker das Projekt vor Ort; während einer Urlaubsreise nach Kambodscha baute sie mit ihrem Mann dort kurzerhand eine Schule. "Unglaublich, wie viel Energie von diesem Projekt und von Lierenfeld ausgeht - bis in die ganze Welt", fasste Dirk Sauerborn treffend zusammen.

Doch Seidensticker ist nicht die einzige kreative Lierenfelderin. Im Anschluss machten sich die über 30 Teilnehmer des Rundgangs auf in Richtung Flüchtlingsunterkunft an der Posener Straße. Anja Neuhaus engagiert sich dort ehrenamtlich und hat im Vorjahr begonnen, gemeinsam mit den Flüchtlingen die Rasenfläche vor dem Haus zu einem Garten umzugestalten. Noch ist nicht viel zu sehen, doch im Herbst soll hier selbst angebautes Obst und Gemüse geerntet werden.

Und auch die nächste Station stand ganz im Zeichen des multikulturellen Zusammenlebens. Im "Imaz", dem interkulturellen Migrantenzentrum an der Posener Straße, bieten Senem Aksun und ihre Kollegen Integrations- und Sprachkurse an. Statt Distanz legten die Teilnehmer des Rundgangs großes Interesse an den Tag, fragten nach: Wie wird die Einrichtung finanziert, wer sind die Schüler, welche Angebote gibt es? Obwohl oder gerade weil Lierenfeld vielleicht nicht der schickste Stadtteil Düsseldorfs ist: In Sachen Integration sind die Lierenfelder ganz vorne mit dabei. In diesem Sinne war auch der Schlusspunkt passend gewählt: Die Mitglieder des Islamischen Kulturvereins erwarteten die Spaziergänger in ihrem Gebetsraum am Kuthsweg mit türkischem Tee, Gebäck, traditionellen Gesängen - und vor allem mit großer Herzlichkeit und Gastfreundschaft. Und auch hier keine Spur von Berührungsängsten: Kritische Fragen zwar, aber immer im Zeichen eines guten Miteinanders, das sich einmal mehr als Stärke Lierenfelds herausstellte. Und so bleibt nur ein Resümee zu ziehen: Wer noch nie in Lierenfeld war, sollte das schnellstens nachholen und diesen unterschätzten Stadtteil und seine Menschen kennenlernen.

Quelle: RP
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