| 00.00 Uhr

Lierenfeld
Die Freigeister von der Kegelbahn

Lierenfeld. Seit 40 Jahren kegeln Fritz Gievers und seine Freunde - und haben nebenbei die halbe Welt bereist.

Donnerstagabend, eine Eckkneipe in Lierenfeld - um kurz nach 18 Uhr trudelt eine Gruppe älterer Damen und Herren ein. Ein kurzer Plausch mit dem Wirt, dann geht es in den Keller zur Kegelbahn. So oder so ähnlich wird es sich wohl in unzähligen Kneipen in ganz Deutschland zutragen. Doch diese Damen und Herren hier sind etwas Besonderes. Auf den ersten Blick ein Kegelclub wie jeder andere - auf den zweiten Blick Freunde fürs Leben, die nie den Spaß an der Freude verloren und gemeinsam die halbe Welt bereist haben.

Mit "Damals, weißt du noch..." beginnen an diesem Abend viele Geschichten. Vor 40 Jahren gründeten die sechs Ehepaare den Kegelclub "Die Chaoten": Helga und Fritz Gievers, Erika und Hubert Laps, Ulla und Ernst Skicki, Christa und Willi Romeis, Christa und Hubert Prellwitz und Hanni und Günter Haider. Kennengelernt hatten sie sich über die Arbeit, die Männer sind Techniker und Bauingenieure. 40 Jahre später sitzen sie in derselben Konstellation wie damals im "Hansen's" in Lierenfeld. Alle Ehepaare sind zusammengeblieben und auch die Freundschaft hat gehalten. Nur Christa Prellwitz' Mann Hubert ist inzwischen verstorben.

Die wievielte Kneipe das ist, in der sie kegeln, wissen sie nicht - nach 40 Jahren ist die Liste lang. "Rausgeschmissen haben sie uns aber nur einmal", sagt Erika Laps und lacht. Alle anderen seien "pleite gegangen". "Was sicher nicht daran lag, dass wir zu wenig getrunken haben", so Fritz Gievers. Doch bei den "Chaoten" wird nicht nur gekegelt. Von Beginn an standen Kegeltouren auf dem Programm, quer durch Deutschland, aber auch bis an den Lago Maggiore und die Cote d'Azur. "Und mit Tour meinen wir Tour", erklärt Fritz Gievers, "mit Wohnwagen und allem, was dazu gehört." Selbst bis nach Amerika und Südafrika verschlug es die Freunde schon zusammen. Eines haben sie sich über die Jahre hinweg bewahrt: ihren Humor. Denn auch, wenn fast jeder am Tisch an diesem Abend ein künstliches Kniegelenk, eine neue Hüfte oder ein Herzproblem hat: Für die "Chaoten" ist das kein Grund, Trauer zu tragen. Und so zögern Erika Laps und Fritz Gievers auch keine Sekunde, kurzerhand ihr Mottolied anzustimmen. Dessen letzter Satz ist wohl die beste Zusammenfassung, die man nach 40 Jahren über die Freunde treffen könnte: "Es bleibet dabei: Die Chaoten sind frei."

(juch)
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Lierenfeld: Die Freigeister von der Kegelbahn


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.